Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 48. (27.11.1878)
- Date
- 1878-11-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Jahrgang IX M 48. 1878. f S,Ä. für die religiösen und soeialeR Interessen des Zudenthums. Erscheint jeden Mittwbch ».kostet sammt dein allwöchentlich erscheinenden „Jüdischen Sileraturblatt" bei allen Postämtern u. Buchbandlungen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Mit direkter Zusendung : in Deutschland 12 Mk. (7 fl.); nach dem Auslande: 15 Mk. (18 Frcs.) jährlich. Einzelnummern der „Wochenschrift" i 25 Pf. des „Literaturblatts" a 15 Pf. Verantwortlicher Redacteur und Herausgeber Rabbiner Dr. M. WaHmer in Magdeburg. Magdeburg, 27. November. Inhalt: Leitende Artikelr Vom Judenthum im öffentlichen Leben und in der Presse. Berichte und Correspondenreu: Deutschland; Berlin. Stettin. Breslau. Oberschlesien, Sohrau. Rakel. Saarlouis. O esterreich-Ungarn: Wien. Pest. Rumänien: Bukarest. Vermischte und neueste Nachrichten: Berlin. Leipzig. Schumla. Salonichi. Rom. Rom. Bukarest. Inserate. Vom Iudenthimr im öffentlichen Leben und in der Presse. Von Max Weinberg in Magdeburg. I. Wir haben jüngst in Nr. 46 dies. Bl. „Elwas vom Judenthum in der Musik" gebracht. Da Musik und Theater Lieblingskinder der Presse und des öffentlichen Lebens sind, so gestatte nran uns noch einige Bemerkungen darüber, gleichsam als Uebergang zu dem in der Ueberschrift genannten Thema, dem wir einige Artikel in diesem Blatte widmen wollen. Es giebt keinen vollendeteren Typus eines echten uutadelhaftcn Judenhassers als den Verfasser des „Rheingold" und des „Judenthums in der Musik," Herrn Richard Wagner. Wachgerufen ist dieser stets grollende, Feuer und Flammen speiende Haß und Ingrimm nicht etwa durch „religiöse Bedenken," wenngleich z. B. über das zehnte Gebot zwischen ihm und dem Judenthum nicht unwesentliche Differenzen bestehen, auch nicht durch ihre von der germanischen abweichende Haarfarbe oder Gesichtsbildung, sondern lediglich durch die jüdische Unart ab und zu eine Musik zu schreiben, die dem Publikum besser gefällt, als die seine. Und das kann er sich doch nicht gefallen lassen! Nun sollte man freilich glauben, daß die Musik gerade zu den Künsten gehöre, die entweder den Fixsternen gleich, nur durch ihr eigenes Licht glänzen könnten, oder sich in einen frühen Tod zu finden hätten, selbst wenn ihr Schöpfer ein noch so guter Mensch aber — ein schlechter Musikant ist. Herr Richard Wagner glaubt das aber eben nicht. Auch die Gegenprobe, daß wenn eine Musik, wie die Meyerbeers, Halevy's u. A. Decennien überdauert, Tausende und Adertausende entzückt und mit sich fortgerissen hat, daß diese dann doch nicht allen inneren Werthes bar sein könne, findet bei Herrn Wagner keine Gnade. Inserate für die „W o ch e n s ch r i f t", die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum 85 Pf., (für das „Literatnrblatt" » 20 Pf.,) sind durch sämmtliche Annoncen-Expeditionen oder direct an die Expedition der Israelitischen Wochenschrift in Magdeburg" einzusenden. — Bei Wiederholungen Rabatt. Beilagen, 2500 Stück,, werden mit 15 Mark berechnet. Wochen- November 1878. Kisslew. 5639. Kalender. Mittwoch . . . 27 ■ 1 2. Tag Rosch Cliodesch. Donnerstag. . 28 2 Freitag .... 29 3 Sonnabend . . 30 4 nnbin (©• 4 u. 84 M.) Sonntag . . . Dec. 1 5 Montag.... 2 6 Dienstag . . . 3 7 Abends Jhiil ist das Alles — Judenmusik, ergo ist sie schlecht und darum hinaus mit ihr aus dem Tempel der Kunst! Hier trifft ^freilich der gewöhnliche Vorwurf vom „Wucher der Juden" nicht weiter zu, als daß sie seine schlechte Musik überwuchern — seine gute wird schon ihren Platz behaupten — er hat sie aber trotz alles Lärms und Getöses in seinen Stücken nicht todtschreien können, folglich sind sie der Grund mancher seiner mit so großem Pomp in Scene gesetzten Mißerfolge und daher fort mit ihnen nach — Judäa. Hier haben wir das Prototyp eines Judenhassers par excellence, der, unvermögend sich in falsche Gewandung zu hüllen und Scheiugründe aus dem Gebiete des Glaubens oder socialen Lebens vorzuschieben, sich in der nackten Blöße seines hämischen Neid es zeigen muß. Wie Herr Wagner in der Musik, ebenso machten es, mutatis rriataii6l8, so lange sie noch anl Leben waren, die wohlehrsamen Zunftmeister mit dem rechtschaffensten jüdischen Handwerker, die Jnnungsvorsteher mit dem jüdischen Kaufmann rc. rc> Ach, wie unsäglich mühsam und gemach mußte jedes, auch das kleinste Schrittchen vorwärts errungen und erstritten werden und wie sehr, war's endlich erreicht, blieb es der Gegenstand des Neides und steten Nückangriffs > Und ist es denn allen Fortschritten der Zeit zum Trotz vielfach nicht noch heute so? Ja, hat es nicht leider nur zn sehr den Anschein, als ob die Gegner eben jetzt noch einmal ihre Schaaren sammeln und einen letzten (?) verzwelfelten Versuch machen wollten, uns in die menschenunwürdigen finsteren Schranken des Mittelalters zurückzudrängen? Wenn man das Wetter lediglich nach unseren politischen Kalendermachern, den Zeitungsschreibern, beurtheilen wollte, gewißlich. Und wenn es nur die ultramontane Presse allein wäre! Jndeß auch ein großer Theil der conservativen Zeitungen, der orthodoxen kirchlichen Journale, ja selbst verwaschene blaß-