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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-11-20 · N° 47. (20.11.1878) · p. Seite 373

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 47. (20.11.1878)
Date
1878-11-20
Page
Seite 373 (sequence 7)
Language
German
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Bretter des leichten Baues beginnen zu brennen, das Feuer erfaßt auch den Tisch. Die Verwirrung, die rasende Angst der Insassen des kleinen, schwankenden Baues ist entsetzlich. Alles drängt an die vom Anprall dröhnende Außenwand. Nur noch ein einziger Moment und die ganze Gesellschaft wäre hinabgestürzt. Die arg Bedrohten ziehen sich durch das Fenster hinter die schützenden Mauern des Hauses zurück. Von dort aus löschen sie das Feuer in der Hütte vor dem Fenster. Doch durch wessen Schuld war diese ganze Gefahr heraufdeschworen worden? Durch die Rohheit einiger christlichen Hausbewohner, die sich an jenem Abend das Vergnügen bereitet hatten, auf die eine Etage unter ihren Fenstern Lieder singende Juden Wasser zu gießen. Feuilleton. Die Afghanen. Ueber die Abstammung der Afghanen schreibt Prof. E- Trumpp in der Augsb. All. Zeit. Nr. 308 wie folgt: Es ist eine Lieblingsidee der Engländer, die Afghanen als Nachkommen der verlornen zehn Stämme Israels hinzustellen, nur sind die Gründe die sie dafür Vorbringen derart, daß sie vor einer w'.ffenschaftlichen Kritik keinen Augenblick bestehen können. Den Afghanen ist das Gleiche begegnet wie den alten Deutschen: daß die angrenzenden Völker sie mit einem Namen benannt haben, der ihnen selbst ganz fremd ist. Wir sprechen jetzt von den Afghanen und gebrauchen die persische Benennung ihres Landes (Afghanistan) ganz allgemein; sie selbst aber wissen nichts davon, außer sofern sie es aus persischen und andern fremden Büchern gelernt haben, gerade wie bei unS das gemeine Volk auch nicht weiß, daß die Römer uns „Germani" genannt haben und daß demgemäß unser Land noch vou manchen neueren Völkern „Germania" genannt wird. Man mag einen Afghanen um den andern fragen: zah zök ye? (wer bist du?) so wird er sofort antworten: zatr kasktüu yam (ich bin ein Pashtün). Sie selbst heißen sich also Pashlün (im Osten „Pachlün" gesprochen) im Srn» gular und im Plural Pashlanah (oder Pachtanah); ihre Sprache heißt Pashlö (oder PachtO). Bei der großen Dunkelheit, die auf der früheren Geschichte der Afghanen liegt, ist dieser ihr Nationalname von großer Wichtigkeit; denn es ist sicher, daß sie tein Mischvolk, sondern eine alte selbständige Nation mit einem scharf ausgeprägten Typus und Charakter sind. Der alte Vater der Geschichte, Herobot, erwähnt nun, daß in dem Heere des Terxes Paklyer waren, dir Pelzröcke trugen, mit Bogen bewaffnet waren und Dolche führten (Herodot VII, 67). Wir l aben schon bemerkt, daß die östliche Aussprache von Pashtün „Pachlün" ist bis auf den heutigen Tag, von welchem das mdiiche „Pathün" herkommt, unter dem die Afghanen in Indien bekannt sind; Herodot konnte es daher nicht richtiger rm Griechischen als durch Paktyer wiedergeben.*) Auch feine Beschreibung der Bewaffnung und Bekleidung der Paklyer ist dis auf den heutigen Tag noch zutreffend, mit Ausnahme des Bogens, der dem Feuergewehr Platz gemacht hat. Auch die Lage ihres Landes, wie sie von Herodot (III, 102 und IV, 44) angegeben wird, trifft nach den eigenen Uederlieferungen der Afghanen vollkommen zu. Niamatullah, der Historiograph am Hofe des indischen Kaisers Jahanglr, der eine persisch geschriebene (aber sehr mangelhafie) Geschichte der Afghanen verfaßt hat (1609 — 1611 A. D.), erwähnt zuerst, daß die Afghanen die Nachkommen der Ban! Jsralc (i. e. der Kinder Israel) seien. Ihr Stammbaunl wird ipeciell auf König Talüt (Saul) zurückgeführl, der zwei Söhne hinterlaffen haben soll, Barkhiah und Armiah. Dieser letztere soll einen Sohn Afghanah gehabt haben, p Der Name Afghan ist persischen Ursprungs und dann aus dem Persischen auch ins Arabische übergegangen. Die Bedeutung des Namens rst unbekannt, und es ist heute noch ein Räthsel, wie die Perser dazu gekommen sind, dem Volke diesen Namen beizulegen. (Wenn der Stamm, wie Prof. T. weiter ausführt, Pkt, Pcht, Pght ist, so ist wohl auch Aphgy, Afgh — mit prosthetischem Alef — daraus entstanden. R. d.J. W.) welcher der Stammvater der Afghanen geworden sein soll. Die weitere Geschichte ist so verworren und mit Fabeln ausgeschmückt, daß sie kaum ernstlich in Betracht kommen kann. Salomo (Suleimün) soll dem Afghänah den Oberbefehl über seine Armeen übertragen haben, und zugleich das Regiment über die Genien und Dsos; bei einer Luftfahrt soll Salomo sich auf das nach ihm benannte Sulaiman! - Gebirge begeben und sich dort, wegen des herrlichen Klima's, auf den Thron gesetzt, bei seiner Rückkehr jedoch das Land umher als Lehen dem Afghanah hinterlaffen haben. Im Fortgang der Sage werden die Afghanen als Glaudenskämpfer hingestellt und mit den Arabern coufundirt, was selbst dem Niamatullah nicht entgangen ist. Wie man auf eine solche Sage hin, die den Stempel der Erfindung auf der Stirne trägt, an den Ursprung der Afghanen von den Jsratzliten hat glauben und dieß in unseren Tagen wiederholen können, ist rein unbegreiflich. Man findet allerdings, nachdem diese Sage einmal unter den Afghanen aufgebracht und etwas bekannt geworden war, dieselbe von einigen späteren afghanischen Schriftstellern und Dichtern wiederholt, so daß man sich jetzt gewöhnt hat, sie als allgemeine afghanische Tradition barzustellen, obwohl sie nachweislich zuerst von einem indischen Schriftsteller erwähnt worden ist. Wie sie aufgekommen ist, wissen wir allerdings nicht, aber es läßt sich leichterklären, wie diemuhamedauischen Afghanen in späteren Zeilen, als sie anfingen über die Geschichte ihrer Nation nachzuforschen und keinen Stammbaum entdecken konnten, einen innerhalb der muslimischen Tradition suchten, und so auf die Ban! Jsra!l verfielen, von denen sie lasen, daß sie in die Gefangenschaft durch Buchtnafar (Nebukadnezar) geführt worden seien. Diese Anknüpfung aber ist ihnen nicht gelungen und mit den biblischen Berichten unvereinbar. Wenn von englischer Sette wiederholt behauptet worden ist, daß viele Wörter in der afghanischen Sprache den israelitischen Ursprung der Afghanen beweisen, so können wir nur darauf antworten, daß kein einziges hebräisches Wort in ihrer ganzen Sprache zu entdecken ist. Gerade ihre Sprache, in Ermangelung aller früheren Historismen Documente, ist der sicherste und unumstößliche Beweis, daß die Afghanen Arier sind. Wie sie geographisch sert alten Zeiten die Grenznachbarn der Inder im Osten und der Perser im Westen gewesen sind, so ist auch ihre Sprache eine Uebergangssprache von den indo-sanskritischen zu den!ramschen Idiomen, indem der östliche Dialekt mehr indische, der westliche mehr i; amfc^e Elemente in sich ausgenommen hat; es ist darum nicht correct das Afghanische rundweg unter die!rünischen Sprachen zu subsumiren. Wenn von englischer Seite ferner schon öfter die jüdischen Gesichtszüge der Afghanen hervorgehoben worden sind als Beweis für ihre prätendirte Abstammung, so muß ich das für übertrieben erklären; dem ungeübten Auge erscheint leicht die morgenländische Tracht und Sitte als israelitisch. Die Afghanen haben im Gegentheil rein Lrische Züge uild unter-, scheiden sich durch ihren ganzen Gesichlsausoruck von semttitischen und speciell vom jüdischen Typus; würde man die gemeinen Afghanen unter unsere bäuerliche, sonnverbrannte Landbevölkerung mischen, so würde man sie kaum aus derselben herausftnden können, nur daß sie eine (besonders in den südlichen Districten) dunklere, aus Olivenbraune glänzende, Hautfarbe haben und durchschnittlich etwas giößer sind. Solange daher nicht ganz andere Beweise erbracht werden, muß es dabei sem Verbleiben haben, daß die Afghanen der großen irischen Völkerfamilie angehören, deren kräftigste und schönste Species sie darstellen. Miscelle. Von Halevy erzählt „Figaro" ein hübsches Bonn ol. Der geniale Componist der „Jüdin" war die Unpünktlichkeit selbst; nie sah man ihn eme vorher bestimmte Zeit einhalten. „Warum zwingen Sie sich nicht, pünktlich zu sein?" fragte man ihn eines Tages. „Weil ich nicht will", war die Antwort; „pünklich sein heißt — auf Die Andern warten müssen."

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