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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-11-06 · N° 45. (6.11.1878) · p. Seite 357

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 45. (6.11.1878)
Date
1878-11-06
Page
Seite 357 (sequence 7)
Language
German
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357 — freien: Wir schieben die Lösung der Judensrage von Tag zu Tag, von Monat zu Monat hinaus, bis das ruffische Heer in seine Heimath zurückkehrt. Dann können wir sicher sein, daß wegen der Juden keine einzige der europäischen Mächte mit uns einen Krieg beginnen wird. Drei dieser Mächte stehen ja ohnehin auf unserer Seite und auch die anderen drei, die nicht aufhören, uns mit Worten zu drängen, werden es nicht zu Thaten kommen lassen. Warten wir also nur noch kurze Zeit, bis wir die Handelsverträge mit ihnen abschließen; dann werden auch sie nachgeben!* Das ganze Haus beklatschte diese Worte und beschloß, nach Verlaus von 3 Monaten die Konstituante einzuberusen und dieser die Regelung der Judenfrage zu überlassen. So hatte man den Konflikt für den Augenblick beseitigt, zur großen Freude der offiziösen Blätter, und die Judenfrage ad Calendas graecas vertagt. Schrieb doch die „Roumanie libre" am 13. Okt.: „Es freut uns sehr, daß die Abgeordneten des Landes die Judensrage auf unbegrenzteZeit hinausgeschoben haben; denn in dem Berliner Vertrag wird nicht von uns verlangt, den Juden die Gleichstellung zu geben, sondern nur dieselbe vorzubereiten. Man kann uns also nicht zwingen, sie jetzt schon zu emanzipiren." Bermijchte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Wie uns von einem Augenzeugen berichtet wird, war auf dem Dampfschiff „Frisia", welches am 25. September cr. von Hamburg nach New Aork abging, während der hohen Festtage jüdischer Gottesdienst. Ein schöner Beweis jüdischer Zusammengehörigkeit. (Psalm 107, V. 22 bis 26.) Das Schiff landete einen Tag nach Jom kippur in New-Aork. — Der Ausschuß des Deutsch Jsr. Gemeindebundes hat zwei sehr wichtige Angelegenheiten, 1) die Dispensation der jüd. Schüler vom Schreiben am Sabbath und 2) die Anstellung von Bezirkslehrern für kleinere Gemeinden, in denen die jüd. Jugend des Religionsunterrichts gänzlich entbehrt, betreffend, zur gründliche» Erlegung in die Hand genommen. Mir kommen auf Beides in der nächsten Nr. zurück. Darmstadt, 31. October. (Or.-Corr.) In der jüngst abgehaltenen Generalversammlung der orthodoxen Gemeinde wurde beschlossen ln corpore (ohne jedoch den Einzelnen in der freien Einschließung zu beschränken) auszutreten, hinsichtlich des Begräbnißplatzes mit dem Gemeindevorstand zu verhandeln. Straßburg (Westpreußen). An Stelle des nach Danzig berufenen Rabbiners Dr. Gronemann ist Hr. Dr. ©tiebel aus Filehne zu in Rabbiner gewählt worden. Wien. Aus dem soeben erschienenen Jahresberichte des Vereins zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studirender für das verflossene Studienjahr 1877/78 entnehmen wir folgende Daten: In Folge der Ungunst der Zeitverhältnisse war die Zahl der Petenten so groß wie noch nie, seitdem der Verein besteht. Es wurden 303 Studirende unterstützt: 13 Hörer der Philosophie, ein Lehramts-Candidat für die Mittelschule, 106 Hörer der Medicin, 87 Hörer der Rechte und 96 Techniker. Die Summe sür Unterstützungen zur Bezahlung der Collegiengelder, Rigorosen- und Promotions- Taxen rc. betrug 3479 fl. 92 kr. Zu bedauern ist es, daß in Folge der Zeitverhä.lniffe die Zahl der Mitglieder sich vermindert. Erfreulich jedoch ist es, daß dem Vereine zahlreiche Spenden zukommen, darunter aus dem Legate des Herrn Ladenburg 1500 fl Papier-Rente, von der Oesterreichtschen Spaarkasse 100 fl. baar u. a. Brünn, 27. Oct. (Or.-Corr.) Auch der Hr. Prof. Häckel in Jena, dieser Heißsporn unter den Darwinisten, hat an Hrn. Rabbiner Dr Placzek ein verbindliches Schreiben wegen dessen Arbeit „Der Darwinismus in der Agada" gerichtet. Er schreibt unter Anderem: „Viele der von Ihnen mitgetheilten Stellen haben mich durch ihr Naturverständniß sehr intereressirt . . . Jedenfalls hoffe ich, daß Sie durch Ihre Abhandlung zu der Ueberzeugung beitragen werden, wie viele Ansichten der neueren Wiffenschaft schon vor Jahrtausenden bei älteren und ältesten Schriftstellern im Keime zu finden sind" ... Er schließt „mit dem Wunsche, daß diese Arbeit recht fördernd und anregend wirken möge." Paris, 23. October. Das Freimaurerfest, welches der Große Rath der französischen Logen, schottischen Rstus, heute im Cereinoniensaal des Trocadero-Palastes veranstaltete, hatte ein sehr zahlreiches Publikum angezogen, in welchem man viele Engländer und andere Fremde bemerkte. Auch Herr Crdmieux, der Großmeister des Ordens, obgleich sehr leidend, war erschienen und wurde beim Eintritt mit einer dreifachen Beifallssalve begrüßt. Das Programm der Feier bot zunächst einige Musiknummern: Dann hielt Herr Crämieux eine Rede ober vielmehr eine zwangslose Ansprache, welche die wärmste Aufnahme fand; Der „Temps" schlägt die Zahl der bei diesem Feste Anwesenden auf nahezu 4000 an. Leyden. Kürzlich starb der Profeffor der Medicin an hiesiger Universität, Dr. M. Polano. Ein Zögling der militär-ärztlichen Schule zu Utrecht, diente er in der Armee als Stabsarzt, bis er Krankheitshalber seinen Abschied nehmen mußte. Er ließ sich als praktischer Arzt in Rotterdam nieder und wurde an das große Hospital daselbst berufen, erwarb sich Anerkennung Und Ehre und wurde als Professor in Ley« den angestellt, woselbst er als hochgeschätzter Lehrer besonders der Chirurgie wirkte. Als er noch in Rotterdam wohnte, bemühte er sich um Einführung der deutschen Methode des Taubstummen-Untecrichts und gehört zu den Gründern und Förderern der jetzt so berühmten jüdischen Taubstummenanstalt, welche unter Leitung des Herrn Hirsch steht. Polano wurde 65 Jahr alt; seine Beerdigung fand unter großer Betheiligung statt, und nach Vollzug des üblichen jüdischen Ceremoniells sprachen am Grabe der Rector Magnificus und mehrere Professoren. — Der König von Holland hat zur Erbauung einer neuen Synagage in Zytph en 1200 fl. und zur Renovirung einer anderen Synagoge 506 fl. gespendet. Rom. Der Oberrabbiner Samuel Toscano ist gestorben. Belfast, 28. October. (Or.-Corr.) Die hiesige Firma Jaffe Brothers hat soeben eine silberne Medaille für Lernenartikel bekommen, die sie vorigen Sommer in Paris ausftellte. Miß Jaffe studirt hier Medicin, und dürfte sie die erste Jüdin in England sein, die dieses Fach nicht etwa als Brodstudium, sondern aus purer Liebe zur Wissenschaft gewählt. — Herr Rabbiner Chotz ner wird in Folge einer erhaltenen Einladung auch diesen Winter in zwei hies. literar. Vereinen Vorträge halten. Die Mitglieder derselben bestehen aus lauler Nichljuden. — Ein irischer Edelmann, Namens Synsie, der in einem Schlosse unweit von Dublin wohnte und ein tüchtiger Hebrärst war, hat vor einigen Jahren eine hebr. Grammatik geschrieben, mit eigenen Händen in seinem Hause gedruckt, und sie seinen Söhnen zum Gebrauche ernstlich empfohlen. Aus Klschinew meldet „Hameliz", daß am 2. Tage Roschhaschana viele Juden, als sie zu „Taschlich" gingen, von der christl. Bevölkerung derart mißhandelt wurden, daß einige ins Hospital getragen werden mußten. Boston. Capitän Taylor hat bei Sir Moses anfragen lassen, ob er gestatte, daß er seinen neuesten Schiffen den Namen „Monteftore" beilegen dürfe. Cypern. Aus Larnaia auf Cyperu wird dem „Jew. Chron." berichtet, daß dort, vielleicht zum erstenmale seit Jahrhunderten, am Neujahr- und Verjöhnungstage jüd. Gottesdienst gehalten wurde. Es betheillgten sich Israeliten verschiedenster Nationalität; Chasan und Sepher hatte man aus Alexandrien erhalten. Jerusalem. Hier starb im Alter von 80 Jahren Rabbi Jehuda Alka ly, der vor einigen Jahren aus Semlin hierher gekommen. Er hatte mehrere hebr. Merkchen geschrieben, in denen er für Colonisation Palästina's und Ankauf von Acker im h. Lande warm eintrat.

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