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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-10-30 · N° 44. (30.10.1878) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 44. (30.10.1878)
Date
1878-10-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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* i 44." 1878. sxgölikjschs IX Wochen-Zchrifl für die religiösen und socialen Interessen des Zudenthums. Erscheint jeden Mittwoch «.kostet sammt dem allwöchentlich erscheinenden „Jüdischen Literaturblatt" »ei allen Postämtern u. Buchbandlungen vierteljährlich 8 Mark 50 Pf. Mit direkter Zusendung : in Deutschland 12Mk. l? fl.): nach dem Auslande: is Mk. (18 Ares.) jährlich. Einzelnummern der „Wochenschrift" »25 Pf. de« „Literaturblatts" ä 15 Pf. Verantwortlicher Redacteur und Herausgeber Rabbiner vr. W. Hlahmer in Magdeburg. Ma<,d-b«rg, 3». Oktober. Inserate für die „Wochenschrif t", die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum 25 Pf., (für das „Literaturblatt" ä 20 P f.,1 sind durch fämmtliche Annoncen-Expeditionen oder direct an die Expedition der Israelitischen Wochenschrift in Magdeburg" einzusenden. — Bei Wiederholungen Rabatt. Beilagen, 2500 Stück, werden mit 15 Mark berechnet. Inhalt: Leitende Artikel r*) Wie kann den Juden in Polen geholfen werden? Berichte und Eorresponden-en: Deutfchlanv: Magdeburg. Stettin. Leipzig. Alzei. Frankfurt a. M. Frankfurt a. M. Leobschütz. Oesterreich: Carlsbad. Rußland: Warschau. Ozorkow. Rumänien: Bukarest. Bukarest. vermischte und neueste Nachrichten r Magdeburg. Berlin. Berlin. Strelno. Cassel. Altona- Jeßnitz. London. Kalisch. Von der russischen Grenze. Oxford. New-Jork. Feuilleton r Aus der Pariser Weltausstellung. (Schluß.) Inserate. - — Wochen- Oetoder. Cheschwan. 1878. I 5639. Kalender. Mittwoch . . . Donnerstag . . Freitag .... Sonnabend . . Sonntag . . . Montag.... Dienstag . . . 30 31 Nov. 1 2 3 4 5 3 4 5 « 7 8 9 fl) (Ende 5 Uhr 7 Min.) Wie kann den Juden üt Prtzlen geholfen werdet Ein Mahnruf an die ^Gebildeten" daselbst. Aus Oesterreich, Ende September 1878. Die galizische Judenfrage ist eine eminente Culturfrage. Das Gros der jüd. Bevölkerung in Galizien steht auf einer sehr niedrigen Stufe der Geistesbildung, ein Theil derselben ist sogar in einen Heiligen-Cultus versunken (die Chassidim), der mehr mit einem craffen Heidenthume, als mit der jüd. Religion gemein hat. Die ökonomische Lage dieser Bevölkerungsklasse ist gleichfalls eine traurige. Von den hervorragenden Handelshäusern in den Großstädten abgesehen, ist die Massenarmuth in den stark bevölkerten Gemeinden vorherrschend. Die Gesetzgebung hat einen wichtigen Erwerbszweig der jüd. Landbevölkerung, den Spirituosenverkauf durch ein Trunkenheitsgesetz in jüngster Zeit unterbunden, auch ein zweites galizisches Ausnahmsgesetz gegen die Ausbeutung der Bevölkerung durch hohes Zinsennehmen, kehrt seine Spitze gegen die Juden. Es läßt sich denken, wie diese beiden Factoren: geistige Verfinsterung und wirthschaftliches Elend auf die gesammten physischen, moralischen und socialen Zustände einer ganzen Bevölkerungsklasse einwirken müssen. Man braucht nur an den in Galizien üppig wuchernden Cultus der Wunderrabbi's — „guter Jüd" — zu denken, vor dem sich jüngst sogar der Vorstand einer Großgemeinde, wie Brody, still verkriechen mußte, um zu ermessen, wie breit und tief die geistige Verkommenheit der jüd. Massen in dieser Provinz um sich gegriffen habe. Solchen traurigen Erscheinungen gegenüber kann es nur wenig Trost bieten, daß es auch eine große Anzahl jüd. Aerzte, Advocaten und anderer Berufsper- #) Fortsetzung der Leitartikel: Die conservatve u. s. w. folgt Raummangels wegen erst in nächster Nr. Reform (Red.) sonen gibt, die regelmäßige, höhere Studien gemacht. Dieselben könnten eine einflußreichere Stellung einnehmen, wenn sie, von gleichem Streben beseelt, sich zu einem Zwecke und zu gemeinschaftlicher Thätigkeit fest verbänden. Welches dieses Ziel und durch welche Mittel es zu erreichen, kann, glaube ich, Niemandem zweifelhaft sein. Es handelt sich um die Befreiung der großen Mehrzahl unserer Glaubensbrüder in Polen aus den Banden des Aberglaubens, aus dem Banne geistiger Umnachtung, um ihre sittliche Hebung und die Verbesserung ihrer wirrhschaftlichen und socialen Stellung. Und hierfür gibt es bekanntlich nur ein Mittel und das ist die extensive und intensive Jugendbildung durch einen rationellen Elementar-Unterricht in den Volksschulen. Leider aber fehlt für diese Cardinalaufgabe den maßgebenden Personen entweder das Verständniß oder der ernste Wille. Aus dem galiz. Normalschulfonde werden im ganzen 3 jüd. Volksschulen subventionirt — zu Lemberg, Brody und Tarnopol — und doch will man diesen Fond seinem eigentlichen Zwecke, dem er am heilsamsten dienen könnte, entfremden. Man will aus seinen Erträgnissen eine theologische Lehranstalt erhalten, um Religionslehrer und Rabbiner auszubilden. Für diese fehlen leider aber die Gemeinden, die nach ihnen ein Bedürfniß hätten, die sich dieselben überhaupt gefallen ließen — man will Hirten heranbilden und es sind die Herden nicht da, die sich deren Führung anzuvertrauen gesonnen wären. Das hieße doch wahrlich das Haus mit dem Dache zu bauen anfangen. Schaffet erst die Grundlage einer bildungs- und culturfreundlichen Gesinnung unter der Masse — dann werden Eure modern geschulten Religionsweiser einen Wirkungskreis für ihre Thätigkeit finden: vorher aber muß der finstere Aber- und Wahnglaube vom Lichte einer geläuterten Aufklärung verdrängt werden. Freilich ist dies keine kleine Aufgabe, wenn man bedenkt, welchem Widerstande

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