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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-10-09 · N° 41. (9.10.1878) · p. Seite 324

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 41. (9.10.1878)
Date
1878-10-09
Page
Seite 324 (sequence 6)
Language
German
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— 324 — send Stücke brach. Damals hob ein gewisser Eleasar (?!) heimlich die kostbaren Stücke auf, um damit zu wuchern. (!!) Da zeigte sich der Materialismus und die Habgier der jüdischen Race deutlich." In ähnlicher Weise wirft der Verfasser den Israeliten die Aufführung der Töchter Lots und das Betragen Labans gegen Jacob vor. Daß diese keine Juden gewesen sind, genirt ihn nicht. Wir haben hier also denhalben Wahnsinn, der sich, von den tollen Behauptungen der letzten Sätze abgesehen, schon darin kennzeichnet, wenn ein Rumäne im neunzehnten Jahrhundert den Israeliten sagt: Ihr verlangt Bürger zu werden und eure Vorfahren haben in der Wüste das goldene Kalb gemacht! Ihr wollt bürgerliche und politische Rechte genießen — und der Prophet Jesaias hat euren Urahnen Strafpredigten gehalten! Vermischte und neueste Nachrichten. Genthin. Der hiesige Banquier Moritz B i r n b a u m hat aus Veranlasiung seiner silbernen Hochzeit, welche er dieser Tage unter großer Theilnahme der Bürgerschaft feierte, nicht nur sämmtlichen Ortsarnien durch Verabreichung reicher Geschenke einen Freudentag bereitet, sondern auch dem Magistrat eine Stiftung in Höhe von 6000 Mark überwiesen, aus deren Zinsen der jüdische Friedhof und der Weg dahin in gutem Zustande erhalten, ein etwaiger Zinsüberschuß aber zur Bekleidung armer Ccnfirmanden verwendet werden soll. Cassel. (Or-Corr.) Zu der am 21. v. Mts. auf Schloß Wilhelmshöhe stattgehabten kaiserlichen Hoftafel wurde neben den Spitzen der evangelischen und katholischen Geistlichkeit auch Herr Landrabbiner Dr. Adler zugezogen. Wir erwähnen dieses Factum als ein erfreuliches Gegenstück des den Lesern dieses Blattes wohl noch bekannten Kölner Vorgangs. — Wie der „A. Z. d. I." von hier geschrieben wird, ist einem dortigen achtbaren Gemeindemitgliede von dem Director einer städtischen Lehranstalt, die der Sohn jenes besucht, aufgegeben worden, den Knaben nicht länger an dem Privatunterrichte des, sich als orthodox gerirenden Privatlehrers vr. Ehrmann theilnehmen zu lassen, weil er sonst aus der Lehranstalt nachsichtslos entlassen würde, da sich ergeben habe, daß der Unterricht des vr. E. auf die Sittlichkeit nachtheilich wirke. A. Koschmin, 27. September 1878. (Or.-Corr.) Unser Rabbiner, Herr vr. Treitel aus Breslau, traf heute zur Uebernahme seiner Funktionen hier ein, obschon eines Versehens wegen — es wurde ein erforderliches Schriftstück nicht mit emgeschickt — die Bestätigung der Kgl Regierung noch nicht herabgelangt ist; doch ist von derselben die provisorische Einführung genehmigt worden. Vom Vorstand und den Repräsentanten am Bahnhofe erwartet, wurde der Herr Rabbiner in seine Wohnung unter herzlicher Begrüßung geleitet. Weitere Empfangsfeierlichkeiten wurden bis auf Simchas Thora verschoben. Der Sitz des Rabbiners in der Synagoge war prächtig decorirt. Möge sein Wirken ihm und der Gemeinde zum Segen gereichen! Culm, 30. Sepl. (Or.-Corr.) Als Beweis dafür, daß sich bereits in den entlegensten Theilen Deutschlands der Fortschritt immer mehr und mehr Bahn bricht, erlaube ich mir, Ihnen die erfreuliche Mittheilung zu machen, daß nach jahrelangen Verhandlungen, die bereits Herr Rabb. vr. Feilch e n f e l d eingeleitel hat, endlich durch die Bemühungen des Herrn Rabb. vr. Salz berger vom Prov.-Schulkollegium die Erlaubniß erwrrkt worden ist, den jüdischen Religionsunterricht vom 1. k. Mts. an dem Lektionsplane des hies. Gymnasiums einzuverleiben. Wolfenbüttel Der treue noch rüstige Hausvater und Lehrer an der Samsonschule, Hr. Joseph Wimmelbacher, ist am ersten Tage des Neujahrsfestes plötzlich verstorben. Gera, 3. Oct. In der Versammlung der Philologen und Schulmänner sprach vr. Lewy-Berlin in längerer Auseinandersetzung über die Spuren des griechischen und römischen Alterthums im Talmud. Redner weist, nachdem er in kurzen Umrisien das talmudische Gebiet vorgeführt, darauf hin, daß sich einige griechische Sätze im Talmud wiederfinden und daß heidnische Bräuche von den Juden nach ihrer Weise erklärt und ausgelegt wurden, sogar Bestimmungen gegen dieselben getroffen wurden. Aus Darmstadt wird gemeldet: Zu den Vorlagen, welche den neuen hessischen Landtag beschäftigen werden, wird auch der jüngst von der ersten Kammer abgelehnte Gesetzentwurf über die Ausübung des Erziehungsrechts der Eltern in Bezug auf die Religion der Kinder gehören. Wien. „I chhabeesg leichgewußt, daßdieJsraeliten treue Reichskinder sein werden und daß ich auf dieselben rechnen kann" — soll der Kaiser nach dem „Wien. Jsr." gesagt haben, als er mehrere Berichte des Corpscommandanten von Bosnien durchgelesen hatte, in welchen über die Treue und Opferwilligkeit der bosnischen Israeliten berichtet war. — Aehnlich äußerte sich König Humbert von Italien bei seiner jüngst n Anwesenheit in Turin gegen den in Audienz empfangenen Rabb. Ghiron: „Ich bin überzeugt, daß ich in den Israeliten Italiens Bürger habe, welche dem Vaterlande und meiner Familie treu ergeben sind." Solche Zeugniffe von so hohem Munde entschädigen für Manches, waS judengehässige Blätter in letzter Zeit gegen jüd. Vaterlandsliebe gelogen und denunzirt haben. Aus Ungarn. Der Cultusminister hat einen Erlaß an die isr Religwnsbehörden gerichtet, worin angeordnet ist, daß bei den lsr. Schulen im Sinne der Paragraphen 133 und 138 des Volksschulgesetzes nur diplomirte Lehrer angestellt werden dürfen, und daß deren Anstellung nach Ablauf des Probejahres — wenn kein wesentlicher Grund dagegen vorliegt — eine lebenslängliche zu sein habe. Die Tochter des in Ischl jüngst verstobenen und in Czernowitz bestatteten Reichsrath-Abgeordneten Jsaac Rull instein, die mit dem Doctordiplom gezierte, Susanna R., hat ein Buch: „Psychologisch-ästhetische Essay's" verfaßt, über welches sich die „Wiener Abendpost" belobigend ausspricht. In dem Abschnitte „Charakteristik der jüd. Phantasie" be- ’■ spricht der weibliche Doctor die künstleris he Thätigkeit der Juden im Alterthum und die Schönheit der althebr. Poesie. Tetzlitz. Hier starb Sonntag, den 22. September, die hochgeachtete, 92 Jahr alt gewordene, sehr wohlthätige Frau Babette Meyer; sie war die Schwiegermutter des sel. Director vr. Z. Frankel. Hr. vr. Bloch, Bezirksrabbiner zu Brüx, hielt ihr die Leichenrede. Bosnien. Dem in Brood eingetroffenen Feldrabbiner Pros. vr. Bacher ist die „isr. Feldkapelle" übergeben worden. Es ist dies ein mit Leder überzogener Kasten aus Holz, in welchem sich eine schwarzseidene Kutte, ein dito Käppchen, ein seidener Tallis, ein Sefer Thora, 10 Paar Tesillin und 10 hebr. Gebetbücher und Psalmen befinden. Diese isr. Feld- * kapelle, die bisher beim Militär-Bezirks-Pfarrami in Pest stand, ist nunmehr durch den Feldrabbiner nach der Synagoge der Gemeinde zu Brood gebracht. Petersburg. Unter den Gardesoldaten, die soeben heimgekehrt, befindet sich — beim Sanitätsdienst — ein Glaubensgenosse, H. Danzig, der die goldene Medaille und den Stanislaus-Orden 3. Kl. erhielt. Derselbe ist ein Enkel des Verfassers des D1K "N, und hat so manches „Menschenleben" gerettet. — Bei dieser Gelegenheit sei nochmals auf den wegen seiner Tapferkeit bei Plewna ausgezeichneten Leib Feigenbaum zurückzukommen, derselbe sollte zu den bereits erhaltenen zwei Orden noch einen dritten, das höhere Georgskreuz oder 100 Rubel erhalten. Der General ließ ihm nun die Wahl. Unser Held von Plewna fragte nach langem Bedenken, was wohl der reelle Werth des Georgskreuzes sei.

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