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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-10-02 · N° 40. (2.10.1878) · p. Seite 317

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 40. (2.10.1878)
Date
1878-10-02
Page
Seite 317 (sequence 7)
Language
German
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— 517 — geboren gestorben Orthodoxe (meist Rumänen) . . 137,817 139,799 Andere Christen (Ungarn, Deutsche Armenier, russische Secten) . . 3,905 5,462 Israeliten. 7,719 6,955 Mohamedaner._1_31 Zusammen 149,442 152,247 Danach ist die jüdische Bevölkerung die e i n z i g e, welche in Rumänien ihre Zahl durch den Ueberschuß der Geburten über die Sterbefälle vergrößert; überdies verstärkt sich dieselbe aber auch regelmäßig durch den Zuzug aus benachbarten Ländern. Dieser führt alljährlich, wie geschätzt wird, 10,000 Rumänen aus Oestreich-Ungarn in das Fürstenthum, wo denselben die Gesetze des Staates leicht daL Bürgerrecht gewähren, außerdem wandern 3000—4000 Deutsche und Ungarn und 6000—7000 Israeliten ein. Die letzteren, als Handeltreibende, siedeln sich meistentheils in den größeren Städten an, von denen einige, wie Jassy und Botoschani, wehr Juden als Rumänen zählen. In welchem Verhältniffe zu der Zuwanderung die Wegzüge stehen, ist den uns vorliegenden Angaben nicht zu entnehmen. Bukarest. Die rumänische Regierung beabsichtigt, den Kammern einen Gesetzentwurf vorzulegen, nach welchem ausländische Juden erst, nachdem sie 10 Jahre lang in Rumänien gewohnt, naturalisirt werden können!! Petersburg, 18. Septbr. Wie die „Jüd. Pr." erfährt, soll ein Ukas vom Czaren erlaffen worden sein, der die Aufnahme jüdischer Schüler in das technologische Institut strengstens untersagt. Feuilleton. B. Aus der Ißatifet Weltausstellung. Jüdische Sehenswürdigkeiten. (Fortsetzung.) II. Indem ich nun zu der Besprechung der einzelnen sehenswerthen Dinge übergehe, sei mir die Bemerkung vorauszu, schicken gestattet, daß der geneigte Leser in diesen Zeilen weder eine ausführliche, gewistenhafte Katalogistrung alles Gesehenen, nach auch nur eine besonders anschauliche Schilderung des zu Besprechenden suchen darf. Das erstere liegt nicht im Zweck meiner Aufgabe, das letztere ist ohne Unterstützung des Wortes durch Zeichnung kaum möglich. Es wird mir genügen, wenn durch meine Schilderung der Leser eine ungefähre Borstellung des Gesehenen sowohl, als auch der durch dasselbe gegebenen Anregungen empfängt. Vielleicht werden durch diese Zeilen der eine und der andere meiner deutschen Glaubensgenoffen bestimmt, der rühmenswerthen Thätigkeit des Herrn Strauß, deS Eigenthümers der ausgestellten Sammlung, nachzueifern. Ich zweifle nicht, daß in Deutschland und den österreichischen Landen, theils in alten Gemeinden, theils als Familienerbftücke in alten Häusern eine große Anzahl von Reliquien sich befindet, die, von einem Deutschen mit dem Eifer und dem Sachverständniß des Herrn Strauß gesammelt, ein Museum jüdischer Alterthümer constituiren würden, das in vieler Hinsicht anregend und belehrend sein dürfte. Sprechen wir zuerst von den gottesdienstlichen Alterthümern. Da begegnen wir zuerst zwei heil. Laden (121p1 |HK), die eine aus dem Jahre 1505, aus der Synagoge zu Modena stammend, ist 2,65 M. hoch, 1,30 M. breit und 70 Centm. tief; die andre jüngeren Datums (Ende des 17. Jahrh.) ist aus einer jüdischen Privatcapelle und verräth die Arbeit eines Deutschen. Daher sind ihre Dimensionen beträchtlich kleiner als die der ersteren (56 Centm. hoch, 20 Centm. breit und 15 Centm. tief). Beide sind Prachtstücke ihrer Art. Die erstere ist ein großer Nußbaumschrank aus der Zeit der italienischen Reneiffance, dessen Wände durch 7 Reihen je vier quadratischer mit feiner Sculpturarbeit geschmückter Täfelchen verziert find. Ihn krönt ein Sims von durchbrochener Arbeit, das von gewundenen und abwechselnden schwarz, roth, gelb bemalten Säulen getragen ist. Dem Sims entspricht eine ebenso ausgeführte Basis von ähnlicher, gleichfalls durchbrochener Arbeit. Durch eine den Seitensäulen ähnlich ausgeführle wagrecht über die Mitte des Ganzen sich ziehende Säule mit paffemdem Fries und Inschrift erhält dieses das Ansehen zweier übereinander gestellter Schränkchen. , Das obere Sims trägt auf einem ovalen Schild die Worte "i 121p, unmittelbar unter dem Sims folgende Inschrift: 12'21'1 1111 2^12 'D'Vö v1'2 '2'2'3 M 1112 1223 12'1212 es sind das bekannte, auf die Lehre Gottes bezügliche Psalmenverse (Ps. 19,8), gegen Ende wegen Mangels an Raum nur durch die Initialen der ein» zelnen Worte angedeutet. Nur der Anfang ist schwer zu deuten. Unter der wagerechten Säule der Mckte befinden sich die Worte: rt^bbn n 18 '1223 '212 1312 112,21 '£>bxb' mit den übichenPunklirungen, welche die Jahreszahl 1505ergeben. Die zweite, kleinere Lade ist ein kleines Meisterwerk von Silber mit Steinen verschiedener Farbe besetzt. Der Stil hat mit dem des vorigen nichts gemein bis auf die Windungen der Säulen, die hier vergoldet und mit Kuppeln gekrönt sind. Gewissermaßen das Dach des Schränkchens bildet eine kostbare große Krone, über welcher sich die Gestalt eines citherspielenden Knaben erhebt. — Die Lade enthält ein gleichfalls altes Exemplar der Thora, eines der sogenanken D'1221 '1, in welchen fast alle Columnen mit dem Buchstaben 1 begmnen. An die Besprechung der Lade schließt sich passend die des Borbeterpultes (121) an. Ein solches, im Stil an die größere der heil. Laden erinnernd, werft gleich jener quadratische Felder von zwar nicht gleicher, aber ähnlicher Arbeit auf. Von den Gegenständen, die zur Ausschmückung der Thora dienen, verdient ein kostbares, silbernes Schild (Taß) von durchbrochener Arbeit mit reicher Vergoldung besonders hervorgehoben zu werden. Es hat die Form eines Rechtecks, das ein halb-cylindrischer Rand umgiebt. Die untere Seite trägt 3 Glöckchen. Die Mitte ist, wie üblich, zur Aufnahme der beweglichen Platten mit den Namen der Feste bestunint. Ueber derselben befindet sich eine kronenförmige Verzierung; zu ihren beiden Seiten tragen zwei Säulen zwei kniende, beflügelte Knaben, welche die Hände betend erheben. Seitwärts von diesen Säulen schweben zwei gleichfalls beflügelte Jünglingsgestalten unter ähnlicher kconenförmiger Verzierung. Unter der beweglichen Platte, etwa auf gleicher Linie mit den Füßen der größeren Engel stehen zwei Löwen einander gegenüber, getrennt durch eine Rosette, welche jene mit je einer ihrer Vordertatze zu tragen scheinen. Cherubsköpfe, Arabesken, Fruchtstücke füllen den übrigen Theil des Rechtecks. Die herrliche Arbeit stammt aus dem 17. Jahrhundert. — Aehnlich gearbeitete Gegenstände derselben Art aus dem 16. ' und 17. Jahrh., deren jeder besondere Merkwürdigkeiten bietet, übergehen wir wegen Mangels an Raum. Ein anderer Thoraschmuck sind die sogenannten „Zeiger" (1'), deren die Sammlung gleichfalls eine ganze Anzahl aufweist. Auch hier begnüge ich mich mit dem Hervorragendsten. Diese^ Bezeichnung verdient jene „Hand", über welcher sich als Stil gleichsam eine Reihe in einandergefügter Lrlrenkelche zwischen zwei vergoldeten Kugeln erhebt, deren obere, reich mit Blattwerk geschmückt, eilten Palmenbaum trägt. Zwei Löwen jklimmen diesen Baum hinan, über welchem sich eine ebenfalls mit Blumen und Blattwerk verzierte Krone erhebt, die ihrerseits einem aufrecht stehenden Löwen zur Basis zu dienen scheint. Dieser trägt die beiden Gesetzestafeln mit den Initialen der Zehnworte. Dar sorgfältig ausgeführte Kunstwerk stammt aus dem 17. Jahrh. — Jüngeren Datums, aus dem Jahre 1713, ist eine Hand, die laut der hebräischen Inschrift vonR. Eleasar Ahlfeld und seiner Frau Rebecca, der Tochter des Samuel Hirsch, der Synagoge zu Magdeburg gespendet worden ist.*) (Forts, folgt.) *) Auf welche Weise ist diese „Hand" in die Sammlung des Herrn Strauß gekommen? Der Spender ist hier erst vor einigen Jahren gestorben, die Spenderin ist noch am Leben. (Red.)

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