Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 37. (11.9.1878)
- Date
- 1878-09-11
- Page
- Seite 288 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 288 — er sich schon seit Jahren durch eine cynische Grobheit aus, mit der er Männern von großer Bedeutung und hoher Stellung die ehrenrührigsten Dinge vorwirft. Dazu besitzt er den Jesuitismus, daß er nicht direkt den von ihm Angerissenen ehrverletzende Dinge ins Gesicht sagt, sondern, daß er Stellen aus deren Schriften herausnimmt, sie ohne Berücksichtigung des Zusammenhangs mit seinen Commentaren versieht und dann den Leser selbst sich denken läßt, was er sich auszusprechen scheut. Diese Art und Weise der Polemik ließ schon vor einigen Jahren die Vermuthung entstehen, daß sich bei Zöllner Spuren einer beginnenden Geistesstörung zeigten. Allerdings mies er selbst diese Vermuthung in einer'Schrift „zur Abwehr" energisch zurück. Die mitgetheilten Thatsachen werden genügen, die folgenden Angriffe des Herrn Zöllner gegen das Judenthum mehr als Curiosa hinzunehmen, wenn sich auch der Ernst des Umstandes nicht verkennen läßt, daß sich noch immer in den höchsten Kreisen der Gesellschaft eine solche Judenfeindschaft breit macht. Herr Zöllner kleidet seinen Artikel, in dem er über die ganze Welt und noch verschiedenes Andere spricht oder vielmehr schimpft, in eine Geistererscheinung ein. Der Geist des alten Dichters Grimmelshausen erscheint ihm, jie sitzen zusammen auf dem Sopha und Grimmelshausen klärt nun Zöllner über alle möglichen Dinge auf. Während dieses Gespräches geschieht lauter Geisterspuk; Zeitungen und Bücher fliegen in dem Zimmer in der vierten Dimension umher und werden auf Bedarf von Grimmelshausen aus der vierten Dimension herausgeholt. Das Gespräch ging zuletzt über Slade's Erlebnisse in Berlin und über den Artikel, den Herr Elcho (bekanntlich kein Jude) in der „Gartenlaube" über diesen Schwindel veröffentlicht hatte. Grimmelshausen bemerkt, Elcho habe Slade gegenüber dieselbe Rolle gespielt, wie Judas dem Erlöser gegenüber, er sei sür 100 (?) Silberlinge öffentlich zum Verräther an der Wahrheit und jenem unschuldigen Menschen geworden. „Ist denn Elcho ein Jude?" fragt Herr Zöllner. Noch bevor Grimmelshausen antwortet, spielen die Geister auf dem Harmonium Zöllners die Berliner Melodie: Schmeißt ihn raus, den Juden Jtzig, Juden Jtzig!... Grimmelshausen erklärt, das sei eine Aufforderung der Geisterwelt an das deutsche Volk, sich von dem Einfluffe der Juden in der Wissenschaft, Politik und Presse zu emancipiren. Die Antipathie der Germanen gegen die Semiten sei der Ausdruck der Verschiedenheit des Charakters und nicht des religiösen Glaubens (soll wohl heißen der Neid gegen die größere Bildung und den größeren Reichthum). Die überhand nehmende Frechheit des Judenthums sei nur heilsam, um dem deutschen Michel zu Gemüthe zu führen, wie viel ihm von seinem Idealismus durch die zunehmende Ueberwucherung der Judenthums geraubt werde. Das Judenthum habe seine schönsten Blüthen in der Hauptstadt des deutschen Reichs gezeitigt, indem eS sich mit den überall verhaßten Eigenschaften der Berliner vermählte, den Beweis dafür bringt Grimmelshausen-Zöllner aus der Brochüre des Bayreuthischen Halbgottes Richard Wagner „Modern" und auS einem Buche des Berliner Predigers Rudolf To dt, von dem bekanntlich das famose Diktum ausging: Nicht Juden - Hatz, sondern Christenschutz! Diese Leute sind natürlich Autoritäten auf diesem Felde! Daß eS Zöllner nicht auf den Glauben, sondern auf den Charakter ankomme, dafür solle Beweis sein, daß er gegen einen umgetauften Juden eine viel größere moralische Werthschätzung habe, als gegen einen getauften Juden. Der Grund dieser auffallenden Vorurtheilslosigkeit liegt aber nah. Ein Assistent von Dubois-Neymond, ein getaufter Jude, hat die Taschenspielerkunststücke, durch die sich Zöllner hatte betölpeln lassen, nachgemacht und so der ganzen quasiwiffenschaftlichen Frage über die Existenz von Geistern ein schnelles Enoe bereitet. Dieser getaufte Jude (Herr K in Berlin) ist der eigentliche Grund der behaupteten Vorurtheilslosigkeit Zöllners gegen den jüdischen Glauben als solchen. Nun vergleicht Grimmelshausen-Zöllner weiter das deutsche Reich und seine inneren Kämpfe mit einem schönen Schmetterling, der in das Gewebe zweier Kreuzspinnen gerathen sei, des Ultramontanismus und des Judenthums. Um die Beute für sich allein zu haben, habe die jüdische Kreuzspinne den Schmetterling erst gegen die ultramontane vertheidigt und diese zum Rückzug gezwungen. Nun aber sauge die jüdische Kreuzspinne sich gierig an den edelsten Theilen des gefesselten Thieres fest und spritze ihm sein Gift ein. Nur eigene Kraft könne das schöne Thier noch erretten. Eine klare Erkenntniß der Gefahr sei nothwendig. Diese Erkenntniß könne man aus den gegenwärtigen Zuständen Englands schöpfen. England habe durch die selbstsüchtige und frivole Jntereffenpolitik des Juden Disraeli auch äußerlich seinem politischen und wissenschaftlichen Niedergange das Siegel aufgedrückt. (Zum Verständniß dieser Worte bemerke ich, daß Zöllner von den Engländern Thomson und Tait wiffenschaftlich angegriffen und abgeführt worden ist). Die abstrakte Erkenntniß kann die Toleranz gegen das Judenthum zugeben und eine Zeit lang ein christlich germanisches Volk vom Judenthum ausbeuten lassen, aber sie kann, so lange der Kern des Volkes ein gesunder ist, nicht verhindern, daß uns der Gedanke an die dereinstige Möglichkeit eines jüdischen deutschen Kaisers, mag er so weise wie Salomo und so tolerant wie Lessings Nathan sein, doch als eine Absurdität und Burleske erscheint. (Sollte die Broschüre „zur Abwehr" vielleicht doch Unrecht haben?) Ebenso lächerlich sei es, wenn Lasker dem Fürsten Bismarck ein mala fides vorwerfe. Nur wer daran gewohnt sei, sich unter Lügnern und Egoisten zu bewegen, sei durch Gewohnheit gezwungen, die gleichen Motive' auch bei Anderen vorauszusetzen (Herrn Zöllners Bücher beweisen, daß man guten Umgang haben und doch allen Gegnern schlechte persönliche Motive unterlegen kann). Daher komme es auch, daß Lasker einen so ehrenwehrthen Mann, wie den Herrn Glagau, im Parlament beschimpfe, ohne daß er jemals sein Buch gelesen habe. Das Parlament, das chm Beifall gespendet habe, sei auch schon verjüdelt und habe den Instinkt für moralischen Anstand verloren. Kurz wo man hinsieht, alles ist verjüdelt; blos Herr Zöllner, der Leipziger Physiker und Geisterseher, Herr Glagau, „der die Frau eines der besten Männer Deutschlandverleumdet", Herr Richard Wagner, der von Juden sein Blqtt unterstützen läßt und nachher die Juden beschimpft, Herr Todt, der christlich-sociale Hauptmucker, blos diese ehrenwerthen Herren haben sich dem Einfluß des Judenthumes tapfer entgegengestellt. Sie können beruhigt fein. Es liegt dem Judenthum nichts daran, die Achtung und Liebe dieser Herren zu erwerben. Schon Goethe hat gesagt: