Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 34. (21.8.1878)
- Date
- 1878-08-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrgang IX Wochen-Zchrist f K. K. \ ZEITUNGSEXPEO.: V für die religiösen und socialen Interessen des Iudenthums. Erscheint jeden Mittwach u. kostet sammt dem allwöchentlich erscheinende» „Jüd. Literaturblatt" von Rabb. vr. M. Rah me r bei allen Postämtern u. Buchhandlungen vierteljährlich 2 Mark £50 Pf. Mit directer Zusendung : in Deutschland 12 Mk. (7 fl.); nach dem Auslande: 15 Mk. (18 Frcs.) jährlich. Einzelnummern der „Wochenschrijt" * 25 Ps. des „Literaturblatts" » 15 Ps. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber Rabbiner vr. A. Treuenfels in Stettin. Magdeburg, 21.'August. Inserate für die „W o ch e n s ch r i s 1", die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum 26» Pf., < für das „Literaturblatt" ä 20 Pf.,1 sind durch sämmtliche Annoncen-Expeditionen oder direct an di« Expedition der Israelitischen Wo chenschri ft in Mag deburg" einzusenden. — Bei Wiederholungen Rabatt. Beilagen, 2500 Stück, werden mit 15 Mark berechnet. Inhalt: Leitende Artikel r Die Delegirtenversammlung der Alliance Israilite Universelle. Berichte und Correspoudeuren: D e u t s ch l a n v: Berlin. Saarlouis. Münster. Leipzig. Frankreich: Paris. Rumänien: Bukarest. Palästina: Jerusalem. vermischte und neueste Nachrichten r Berlin. Allenstein. Teplitz. Preßburg. Norderney. Aus England. Newyork. Jerusalem. Marocco. Feuilleton r Bankier und Handelsjude. Inserate. Wochen- August. 1878. Aw 5638 Mittwoch . . . 21 22 Donnerstag . . 22 23 Freitag .... 23 24 Sonnabend . . 24 25 Sonntag . . . 25 26 Montag.... 26 27 Dienstag . . . 27 28 Kalender. (Ende: 711. 46 M.) Neumondseinsegnung. Per. 5. Die Delegirtenversammlung -er Alliance Isra61ite Universelle. Es war eine stattliche Versammlung von großherzigen, opferbereiten Männern, die, einzig und allein vom reinsten Interesse für das Wohl unserer noch hie und da bedrückten Glaubensbrüder auf dem Erdenrunde erfüllt, sich am 12. August im Saale der „Folies-Berg&re“ zu Paris zusammenfanden, und unter dem Vorsitze des greisen Cr6mieux ihre Berathungen darüber abhielt, auf welche Weise man am besten zur Verbesserung der Lage der in socialer und staatsbürgerlicher Hinsicht noch be- und unterdrückten Israeliten beitragen könne. Unter den zahlreichen Anwesenden bemerkte man die Herren Derenbourg und Oppert vom Institut, den Advokaten Narcisse Leven, den Generalsecretair der Alliance, Lehmann, ihren Schatzmeister, den Großrabbiner Isidore, den Oberinspektor der Pulvermagazine Meyer, die Bankiers Baron Hirsch und Bamberger (Bruder des deutschen Reichstagsmitgliedes), Beaucaire, Verwaltungsrath beider Sparkasse u. A., dann auf den ersten Bänken die Zöglinge der von der Alliance gegründeten Ecole orientale. Der von Hrn. L. Lehmann erstattete Rechenschaftsbericht constatirt das wachsende Gedeihen der Gesellschaft, die jetzt über 30,000 Mitglieder zählt (mit einem Reserverfonds von 116,560 Frcs.) und erst kürzlich von dem Baron Hirsch ein Geschenk von einer Million Francs empfangen hat. Präsident C r 6 m i e u x feierte dann in einer von der Versammlung mit andächtiger Aufmerksamkeit angehörten Rede die jüngste Errungenschaft des Judenthums, die Emancipation seiner Angehörigen im Orient durch den Berliner Congreß, wobei er der Verdienste der Herren Waddington, de Saint Ballier, Desprez u. A. um diese Sache rühmend gedachte. Hoffentlich, fuhr der Redner fort, werde das Abendland sich nicht von dem Morgenlande beschämen lassen und namentlich Rußland, dessen Vertreter auf dem Congresse ja ebenfalls für die Emancipation gestimmt, nicht drei Millionen Juden im eigenen Lande noch länger als Parias behandeln, denen nicht einmal das Recht zusteht, ihr Bekenntniß öffentlich auszuüben oder über ihr Vermögen letztwillig zu verfügen. Der greise Volksmann schloß mit dem Gelübde, auch ferner, was ihm von Leben und Arbeitskraft noch bleibe, der Sache zu widmen, welche die Alliance unter ihren Schutz genommen hat. Auf Veranlassung seiner näheren Landsleute dankte Rabb. vr. Goldschmidt aus Leipzig dem Central-ComitL für seine Thätigkeit rc. und entledigte sich seiner Aufgabe sehr würdig. Cremieux dankte in bewegten Worten. (Indem wir auf die in der weiter unten — unter Paris — abgedruckten „Tagesordnung" speciell aufgeführten Anträge verweisen, geben wir unserem sehr geehrten Berichterstatter*) das Wort zu dem von ihm während der Sitzungen geschriebenen, kurz zusammenfassenden Berichte, behalten uns vor, auf einzelne Gegenstände noch des Ausführlichen zurückzukommen.) Montag Abend 8 Uhr fand im Sitzungssaale des Consistoire de la France (Synagoge Rue de la Victoire) unter Crsmieux' Vorsitz die erste Notabeln-Sitzung statt, in der das Bureau der vorigen Sitzung im Jahre 1876 wiedergewählt und nur, statt der diesmal nicht anwesenden 3 Herren, an deren Stelle Prof. Gr ätz, Rev Jacobs aus New-2)ork und As coli aus Livorno neu gewählt, auch Goldschmidt, der nicht in Paris, durch Derenbourg ersetzt wurde. Das vorhandene Material wurde theils 3 Sectionen zur Vorberathung überwiesen, theils zu directer Verhandlung im Plenum bestimmt. Zu letzterem gehörte der angenommene, aber wohl schwerlich realisirbare Antrag, eine Medaille zur Erinnerung an die Befreiung der orientalischen Juden in beschränkter Anzahl für Crsmieux und die Männer zunächst, welche die Sache in Berlin verfochten, zu schlagen; ferner der Antrag des Königsberger Comit6s (über die Lage der ruff. Juden) und über den Rabb. vr. Bamberger referirte. Er wurde in vertraulicher Sitzung erledigt und ohne Debatte mit Accla« mation angenommen und demgemäß beschlossen, sich mit einer Adresse an den ruff. Kaiser zu wenden und ihm vor Allem *) Der Brief, auf den Sie in Ihrem w. Schreiben vom 16. August Bezug nehmen, ist uns bis zur Stunde nicht zugegangen. (R.)