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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-08-07 · N° 32. (7.8.1878) · p. Seite 248

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 32. (7.8.1878)
Date
1878-08-07
Page
Seite 248 (sequence 2)
Language
German
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— 248 — der Tagesordnung, Gründung eines Nabbinerseminars, und den offiziellen Schlußförmlichkeiten Vorbehalten. Kein Punkt der Tagesordnung wurde mit einer derartigen Aufmerksamkeit und einem gleichen Ernste behandelt, in der Commission sowohl wie im Plenum, wie eben dieser. Man muß es freudig constatiren, daß sich alle Schichten des „Tages" lebhaftest für ihn interessirten, die fortgeschrittensten, wie die conservativsten. Die Männer des Fortschrittes wünschen vom Herzen ein Rabbinerseminar, in welchem beiderlei Wissenschaften, jüdische und nichtjüdlsche, ein sicheres Heim finden. Die Conservativen wünschen ebenfalls eine moderne Jeschiwah, jedoch fürchteten sie für dieselbe zu stimmen, da ihnen um die amtirenden Rabbiner bangt, welche brodlos werden müßten, wenn die promovirten Rabbinen einmal von der Regierung geschützt und gestützt in die Gemeinden eingesetzt würden. Es konnte daher nicht fehlen, daß Uebergang zur Tagesordnung, Zurückweisung an die ständige Commission von Manchen in sehr beredten Worten vertheidigt wurde. Selbst Herr Vr. E. Byk ließ den Muth sinken, als ihm seitens eines Conservativen zugeflüstert wurde, daß nach Beseitigung dieses Punktes alle jüdischen Gemeinden sich dem Gemeindetage anschließen würden. Jedoch auch hier fand sich ein Mittelweg, indem die Commission das Wort Rabbinerseminar fallen ließ, ohne den Geist der Sache preiszugeben, und die Bezeichnung „höhere Lehranstalt (ttn*7ön JTS) für jüd. Wissen mit besonderer Berücksichtigung auf die Heranbildung von Religionslehrern für Volks- und Mittelschulen" mit großer Majorität im Plenum annahm.*) Mit diesem Anträge war die Tagesordnung erschöpft. Es kamen dann Dankesanträge für die Wiener Allianz, die jüdische und nichtjüd. Journalistik, den galiz. pädagogischen Verein — und den Schomer Israel, dem Präsidenten vr. Emil Byk, Or. Gottlieb. Herr vr. Gottlieb ließ noch die Wahl des ständigen Ausschusses vornehmen und verkündigte das Scrutinium. Nach der Vorlesung des Protokols schloß er den 1. galiz. jüd. Gemeindetag mit einer schwungvollen, dabei zu polnisch-national gefärbten Rede. In der besten Stimmung und in Angelobung treu auszuharren verließen die jüd. Delegirten den Landtagssaal. Vierer. Berichte und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. (Aus den Congreß-Protokollen.) In der denkwürdigen achten Congreßsitzung — am 28. Juni — war es, in welcher das Schicksal nnserer Glaubensbrüder in den Dcnaufürstenthümern auf der Tagesordnung stand und eine so glückliche Wendung nahm. Die nunmehr veröffentlichten Protokolle enthalten darüber Näheres: Lord Salisbury und Mr. Waddington regten das große Prinzip der Religionsfreiheit an. Fürst Gortschakoff fürchtet, daß die Stylisirung des Antrages hauptsächlich auf die Israeliten bezogen werden könnte und, ohne sich den allgemeinen Prinzipien zu widersetzen, die darin niedergelegt sind, möchte Se. Durchlaucht doch nicht, daß der Jsraelitenfrage, welche später zur Behandlung kommen wird, durch eine vorläufige Erklärung vorgegriffen werde. Fürst G o r t s ch a k o f f erklärt, daß die Religionsfreiheit — wenn es sich nur um diese handle — in Rußland immer bestand. Er für seinen Theil zollt diesem Pttnzip den vollsten Beifall und wäre bereit, es im weitesten Sinne auszudehnen. Wenn es sich aber um die bürgerlichen uud politischen Rechte handelt, so bittet Se. Durchlaucht, daß man die Israeliten von Berlin, Paris, London und Wien, welchen man sicherlich kein politisches und bürgerliches Recht vorenthalten würde, nicht mit den Juden Serbiens, Rumäniens und einiger russischer *) Im nächsten Blatte einige Nachträge zu diesem Gegenstände. (Red.) Provinzen verwechsle, welche — seiner Meinung nach — eine wahre Landplage für die Einheimischen sind. Nachdem der Präsident darauf aufmerksam gemacht, daß dieser bedauerliche Zustand der Israeliten vielleicht der Einschränkung der bürgerlichen und politischen Rechte zugeschrieben werden könnte, erinnert Fürst Gortschakoff, daß die Regierung in Rußland in einigen Provinzen unter dem Druck einer absoluten Nothwendigkeit und gerechtfertigt durch die Erfahrung — die Israeliten einem Ausnahmegesetz unterstellen mußte, um die Interessen der Bevölkerung zu schützen. Graf Schuwaloff macht aufmerksam, daß die Bemerkungen Gortschakoff's keinen prinzipiellen Widerspruch gegen den französischen Vorschlag enthalten; das in einigen ruffischen Provinzen sehr zahlreiche israelitische Element mußte das Objekt spezieller Maßnahmen sein, aber Se. Exzellenz hofft, daß man künftig den vom Fürsten Gortschakoff angedeuteten unbestreitbaren Schwierigkeiten Vorbeugen können wird, ohne die Religionsfreiheit zu verletzen, deren Entwicklung Rußland wünscht. Fürst Bismarck stimmt dem französischen Vorschlag mit der Erklärung bei, daß die Zustimmung Deutschlands jedem Antrag gehöre, welcher die Religionsfreiheit begünstig^. Graf Launay sagt, daß er sich im Namen Italiens beeile, dem Princip der Religionsfreiheit beizustimmen, welches eine so wichtige Grundlage der Institutionen seines Landes bildet und daß er sich den über diesen Gegenstand abgegebenen Erklärungen Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens anschließt. Graf An drassy spricht sich in gleichem Sinne aus und die ottomanischen Bevollmächtigten machen keine Einwendung. Fürst BiSmarck erklärt, nachdem er die Resultate der Abstimmung constatirt hat, daß der Congreß die Unabhängigkeit Serbiens zuläßt, jedoch unter der Bedingung, daß die Religionsfreiheit in dem Fürstenthum anerkannt wird. Se. Durchlauft fügt hinzu, daß die Redactions^Commiffion, indem sie diese Entscheidung formulirt, den Zusammenhang constituiren solle, welchen der Congreß zwischen der Proklamation der Unabhängigkeit Serbiens und der Anerkennung der Religionsfreiheit hergestellt hat. F. Coblenz, 15. Juli. (Or.-Corr.) Wiewohl Sie schon in Nr. 27 in einer Correspondenz aus der Prov. Posen die Nachricht brachten, daß Herr vr. Lewin die hiesige Rabbinerstelle übernommen, so geschah dies jedoch nur um Verdächtigungen auf ihr gemeines Nichts zurückzuführen. — Zum Aerger gewisser Scribler einer- und zur Freude der Freunde des Herrn vr. L. andererseits lassen Sie mich nur heute dessen Einzug in seine neue Stelle in einigen Zügen schildern: Am 2. Juli fuhr der Senior des Repräsentantencollegiums dem Herrn vr. L. bis Cöln entgegen. Hier am Bahnhofe erwartete ihn dann der Vorstand und geleitete ihn nach herzlicher Begrüßung in seine mit Blumen, Guirlanden und sinnigen Transparenten geschmückten Amtswohnung. Am Eingänge zu derselben hatte das Repräsentanten Collegium und die Schuljugend sich aufgestellt. Der Präses begrüßte den Herrn vr. als nunmehrigen Rabbiner der Gemeinde in einer recht warmen Ansprache, in welcher dem Wirken desselben bereitwilliges Entgegenkommen seitens der Gemeindeverwaltung zugesichert wurde, worauf die Schuljugend paffende Gedichte hersagte, welche, wie auch die vorgenannte Begrüßungsanrede und eine solche des Lehrers, von Herrn vr. in recht herrlicher, seine tiefe Rührung und hohe Befriedigung über den ihm zu Theil gewordenen Empfang bekundenden Weise beantwortet wurde. Erhebend war dann der Moment, als am darauf folgenden Freitag-Abend der Vorstand und die Repräsentanten den Herrn vr. L. in feierlicher Weise an seinen Ort geleiteten. Am Sabbath hielt der Herr Rabbiner in der bis auf den letzten Platz gefüllten Synagoge seine Antrittspredigt, in welcher er mit bekannter Meisterschaft sein Glaubensbekenntniß ablegte. Gebe Gott, daß seine von Herzen kommenden und tief

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