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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-07-24 · N° 30. (24.7.1878) · p. Seite 237

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 30. (24.7.1878)
Date
1878-07-24
Page
Seite 237 (sequence 7)
Language
German
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— 287 — ein Lächeln abzugewinnen: „^selmmnu, im jüd. Cultus daS Sündenbekenntniß, welches am Morgen des Pfingstfestes im Wasser stehend gesprochen wird.(!!) F - - - Arnheim (Holland). Am kommenden Sabbath Nachmu begeht die hiesige jüdische Gemeinde das 25jährige Jubiläum des Bestehens »hrer Synagoge. Die Gemeinde, deren Mitgliederzahl seit der Einweihung sich verdoppelt hat — sie zählt einige hundert Mitglieder — gehört zu den ersten, blühendsten Gemeinden Hollands. Es werden zu dem bevorstehenden Feste große Vorbereitungen getroffen und Herr Rabbiner Ur. Frank aus Cöln erhielt die Aufforderung, die Festrede zu halten. London. Die hiesigen Blätter berichten über eine Trauerrede, welche der Rabb. Josef Kohn-Zedek über die verstorbenen Gelehrten, R. Bczalel Kohen in Wilna und R. Meier Auerbach in Jerusalem, in Gegenwart einer zahlreichen Versammlung aus verschiedenen Congregationen gehalten^hat. Es wird dabei der Reden, welche der Genannte an jedem L>abbath und Sonntag hält, rühmend Erwähnung gethan, sowie daß cr sich durch seine Verträge bereits eine Existenz geschaffen habe. Die Vorträge sind dem Publikum, auf welches sie berechnet sind, durchaus angemeffen und verfehlen weder ihres Eindruckes noch ihres guten Zweckes. Feuilleton. Bankier und .Handelsjude. Eine Erzählung aus dem Leben — vou Ad. v. Zemlinszty (Fortsetzung.) „Freilich sehe ich eS ein, sagte ich dann, nur zu gut sehe ich es ein. Du schämst Dich Deiner nächsten Anverwandten, Du „Banguier" nnd Dein Bruder ein „Handelsjud," freilich sehe ich es ein, diese beiden Namen, die Du von Dir geworfen hast, deren Du Dich schämst, d i e paffen nicht für Dich. Dieser biblisch lächerlich klingende, zu «ehr nach dem Judenthume schmeckende Name „Moses," der paßt nicht für Dich, weil so der Mann geheißen, der ein ft s ich und fein Volk mit 9t u h m bedeckte, den bi c R achkommen dieses Volkes verehren nnd preisen als den Retter aus schmachvoller Knechtschaft. Und „Beer", auch dieser Name ist eS wer th von Dir hinweggeworfen zu werden, auch dieser Name schmeckt zu sehr nach dem Iudeuthum, hat ihn ja doch Dein Vater getragen und der, der war ein Jude, ein Juoe von den Besten einer. Du schämst Dich seiner, schämst Dich seines Namens, weiter ein Handelsjude gewesen, nicht doch — nicht weil er ein Handelsjude, sondern, weil er überhaupt ein Jude gewesen, und »chäinit Dich meiner, weil auch ich es bin. Ich sehe es nur zu deutlich ein, Du möchtest gerne Alles beseitigen, was Dich daran gemahnen könnte, daß Du trotz Reichthum und Ehren doch e,n Jude bist, freilich stolz dürfen sie nicht auf Dich sein, diese von Dir verachteten Juden, daß Du einer der ihrigen bist. Gar schnell hast Du das Andenken, hast Du die Worte unseres Vaters vergeffen, Du, ich nicht. Lebendig steht vor mir daS Bild des alten Mannes, mit seinem freundlichen, liebevollen Gesichte. Ec ist weiß geworden i» Ehren, und der Handelsjude, der im Lande von Haus zu Haus umberpilgerte, der von Dir heule verleugnet wird, dieser Handelsjude, er war der Ängeschensten einer in der ganzen Geineinde, ob seiner Frömmigkeit, ob seiner Gottesfurcht, ob seines hohen Wissens, seiner strengen Rechtlichkeit. Mit stammender Schrift sind seine Worte mir unauslösch ich, ins Herz geschrieben, diese Worte, die angethan waren, selbst das verstockteste Herz zur Umkehr;u bewegen. Ich sage mich los von Dir, Du hast mir die Thüre gewiesen, sei ohne Sorge, ich werde sie nicht wieder betreten." Und damals verließ ich das Haus meines Bruders und nimmer habe ich es wieder betreten. Ein Klopsen an der Thüre unterbrach die Erzählung. Der Comploirdiener des Hauses Königstein, der kleine Meier trat in das Gemach. „Wünsche gute Feiertage," sagte der kleine Mann. „Tanke, danke, was bringt Ihr Gutes." „Gutes, nichts Besonderes, dafür Schlechtes genug." „Hätte es mir denken können, sagte Rebb Jonathan Beer, daß Ihr nur Schlechtes zu berichten habt." „Doch sprecht, wer schickt Euch?" „Ich bin nur vorbeigrgangen, und da wollte ich fragen, warum Herr Abraham Beer heule Vormittag nicht im Comptoir erschienen?" „Ich ließ es ja meinen Onkel sagen, daß ich mich erkältet habe." „So, das wußte ich nicht. Ja, die Nacht ist keines Menschen Freund, und die Eurige ist es auch nicht gewesen, nicht wahr?" „Was wollt Ihr damit sagen, Meier?" „Nichts, ich meine nur. Habt Ihr schon gehört Herr Jonathan, von dem Einbrüche bei Eurem Herrn Bruder?" „Einbruch!" und Herr Jonathan Beer schnellte von seinem Sitze auf, „was sagt Ihr da?" „Ja wohl, während des gestrigen Festes wurden etwa 20,000 Thaler gestohlen, gestohlen aus der versperrten C affe des Banquiers." „Ihr habt gestern unglaubliches Unglück im Spiele gehabt, Herr Beer," wendete sich das heimtückische Männchen an Abraham, welcher durch diese Worte sichtlich erbleichte. „Ihr braucht keine Furcht zu haben, ich sage es Niemanden." „Wie?" fragte Rebb Jonathan Beer, „20,000 Thaler fehlen in der Cassa, und man hat gar keine Vermuthung, wer der Dieb ist?" „O! ja wohl, man hat sie, meinte Meier, das Gericht ist ihm auch schon auf der Spur." „Um Gott, rief Abraham erschrocken, Herr von Königstein wird es doch nicht so weit kommen lassen, daß er d e n dem Gerichte übergeben wird." „Ja wohl, das wird er, denn es ist erwiesen, daß er das gestohlene Geld im Spielhanse drüben verspielt habe. Ich selbst, ich habe sie auf die Spur gebracht, denn ich habe zugesehen, wie der feine junge Herr das Geld dort verspielte." „Allmächtiger Gott, Abraham, was ^bedeutet dies alles?" „Doch sage mir, er spricht davon, Dich im Spielhause gesehen zu haben, das ist denn doch eine Lüge, nicht wahr!" „Nein Vater, Meier hat die Wahrheit gesprochen, ich war dort," sagte Abraham einfach. „Hört Ihr es Alle, er war dort," keifte nun der Kleine, habe ich gelogen, he! fragt ihn doch, was er dort gemacht, und wenn er bei der Wahrheit bleibt, dann muß er Euch sagen, daß er gespielt hat, hoch gespielt und an die 20,000 Thaler auch verloren hat." „Ich beschwöre Dich, bei dem großen allmächtigen Gott, mir die Wahrheit zu sagen Abraham, was hattest Du in diesem verrufenen Hause zu suchen?" „Vater, glaube mir, wenn ich dort gewesen, so waren es gewiß gar wichtige Gründe, welche meine Schritte nach dorthin leiteten, doch jetzt kann ich Dir keine anderen Aufschlüsse geben, ich vermag es nicht, später sollst Du Alles erfahren. Jetzt will ich sogleich zn deinem Bruder eilen und mich erkundigen, was denn eigentlich Wahres an der ganzen Sache ist, welche uns dieser boshafte Mensch mit sogroßer Freude erzählte." „Boshafter Mensch, eh! Nicht nöthig, nicht nöthig, daß Ihr Euch bemüht, schrie der Kleine und hüpfte wie närrisch im Gemache umher, sie kommen schon, schaut nur, sie kommen schon," und eilig lief er der Thüre zu, um sie zu öffnen. Und vom Zimmer aus sahen die um den Tisch Sitzenden einige Polizeileute die Stiege heraufkommen, lind ehe Ire sich noch recht fassen konnten, was dieser Besuch zu bedeuten habe, war einer von ihnen in das Gemach getreten und hatte sich dem Sitze Abrahams genähert. (Forts, folgt.)

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