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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-06-12 · N° 24. (12.6.1878) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 24. (12.6.1878)
Date
1878-06-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 24. 1878. Jahrgan^IM^ Wachen-Schrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums. Erscheint jeden Mittwoch u.kostet sammt dem allwöchentlich erscheinende« „Jüd. Literaturblatt" von Rabb. 0r. M. Rah me r bei allen Postämtern u. Buchbandlungen vierteljährlich 8 M a r k SV P f. Mit directer Zusendung : in Deutschland 12 Mk. (7 fl.); nach dem Auslande: 1b Mk. (18 FrcS.) jährlich. Einzelnummern der „Wochenschrift" i 25 Pf. d<S »Literaturblatts" » 15 Pf. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber Rabbiner vr. X Treuenfels in Stettin. Magdeburg, 12. Juni. Inserate für die „Wochenschrift", die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum 35 Pf., (für das „Literaturblatt" ii 20 Pf.,) sind durch fämmtliche Annoncen-Expeditionen oder direct an di« Expedition der Israelitischen Wochenschrift in Magdeburg" einzufenden. — Bei Wiederholungen Rabatt. Beilagen, 2500 Stück, werden mit 15 Mark berechnet. Inhalt: Wechen- Juni. Siwan. Kalender. Leitende Artikel r Zum Wochenfeste 5638. 1878. 5638. Berichte und Korrespondenzen: Deutschland? Stettin. Magde- Mittwoch . . . 12 11 bürg. Krotoschin. Berlin. Oesterreich: Wien. Donnerstag. . 13 12 Palästina: Jerusalem. Freitag .... 14 13 vermischte und neueste Nachrichtenr Wim. Hannover. Leipzig. Hamburg. Straßburg. Wien. Pest. Lyon. London. Rom- Sonnabend . . 15 14 (Ende 9 tt. 20 M. Riga. New-Aork. Sonntag . . . 16 15 Feuilleton r Bankier und Handelsjude. Montag.... 17 16 Inserate. Dienstag . . . 18 17 Zum Wochenfeste 3638. II. (Schluß.) Seit wir den ersten Theil dieser Betrachtung niedergeschrieben haben, ist die darin ausgesprochene Behauptung, daß das Verbrechen Hödel's keine Einzelthat sei, in schauderhaftester Weise bestätigt. Auch der dort angeführte Satz aus den Sprüchen Salomos, daß ein solches Verbrechen eine Schande für die Nation sei, und die Anwendung dieses Satzes auf das Attentat vom 11. Mai, die Manchem wohl zu hart erschienen sein mag, wird nunmehr von Jedem als nur zu berechtigt angesehen werden. Aber noch eine andere Erwägung, die wir in diesem zweiten Theile geben wollten/ ist durch den zweiten Mordgeiellen in mehr als zutreffender 'Weise thatsächlich an die Hand gegeben. Wir hatten nämlich sagen wollen, daß zwar die „Ziele der Socialdemokratie" nicht insgesammt verwerflich seien, und daß es unter denjenigen, die sie erstreben, auch ehrlich Ueberzeugte gäbe, auch wohl Fanatiker, die aber den Gedanken an Verbrechen und Blutthat von sich weisen — daß aber das Gros der Partei aus zwei andersgearteten Elementen bestehe. Erstens aus einer Masse, in der jedes menschliche Gefühl erloschen ist, in denen die Triebfedern, die die Thätigkeit anderer Menschen bestimmen, die edlen wie die minder edlen, erlahmt sind. Ehrliebe, Ehrgeiz, Vorwärtsstreben, Sinn für bleibenden Erwerb, für Familienglück, alles dies ist diesen Menschen abhanden gekommen, es giebt zwischen ihnen und den besseren Th eilen der Gesellschaft kein gemeinsames Band des Denkens und des Empfindens mehr. Sie denken nur noch an Raub, Plünderung, Mord und Zerstörung. Es sind diejenigen, denen wir zu Hunderten in unseren Großstädten begegnen, denen die Bestialität aus den Augen leuchtet, und derwn wir scheu auf dem Bürgersteige ausweichen. Es haben dies gewiß Viele längst gewußt, man hat ja täglich gelesen und gehört, wie diese Leute aus dem geringfügigsten Anlaffe Menschen verwunden und tödten. Und es sind in der Mehrzahl nicht ältere, durch Elend, Liederlichkeit und Branntwein verkommene Subjecte, sondern meistens junge Leute. Hödel hat als ein Typus Allen klar gemacht, was Jeder wiffen konnte Nun hatten wir die zweite Klaffe schildern wollen, die Leute, die den besseren Ständen und den gebildeten Klaffen angehören. Wir hatten sagen wollen, daß wir von diesen von Atheismus, Nihilismus, Schopenhauer'schem und Hart» mann'schem Pessimismus zerfressenen Gemüthern uns nicht blos theoretischer Mißgeburten und des Selbstmordes versehen könnten, sondern auch der Schandthaten jeder Art. Wir hatten es wagen wollen, diese Behauptung auszusprechen und zu beweisen und dem Vorwurf des Zelotismus, des pfäf-. fischen Unverstandes Trotz zu bieten. Nobiling hat uns Schilderung, Ausführung und Beweis entbehrlich gemacht. Da haben wir den jungen Mann aus gutem Hause, der das Zeugniß der R e i f e (für das Irrenhaus? für das Zuchthaus? für das Blutgerüst?) erlangt hat, einen Doktor der Philosophie, zu deutsch einen Lehrer der Weltweisheit! Und daß dieser keine Einzelerscheinung ist, daß die Zahl seiner Mitschuldigen — ob gerade Mit verschworenen brauchen wir nicht zu wiffen — groß ist, das bezweifelt Niemand. Und schon die von allen Seiten berichteten cynischen und ruchlosen Ausdrücke über das unvollständige Gelingen der Attentate lassen uns einen Blick in den tiefen Abgrund thun, von dem wir im ersten Artikel gesprochen hahen. Wir kehren zu der Frage nach den Ursachen, die diese abscheulichen und schmählichen Zustände herbeigeführt haben, zurück. Wir können nicht anders, als sie für die Frucht der

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