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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-05-22 · N° 21. (22.5.1878) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 21. (22.5.1878)
Date
1878-05-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang I srmkltttschr ochen-Schrist für die religiösen und socialen Interessen des Audeuthums M 21. 1878. Erscheint jeden Mittwvch ».kostet sammt dem allwSchentlich erscheinende« ,Jüd. Literaturblatt" von Rabb. vr. M. Rahmer bei allen Postämtern u. Buchbandlungen vierteljährlich 8 Mark SO Ps. Mit direkter Zusendung : in Deutschland 12 Mk- (7 fl.);nach dem Ausland«: 15Mk. (18 ffvcS.) jähr lich. Einzelnummern der »Wochenschrift" ä 25 Pf. der »Literaturblatts" » 15 Pf. Verannvoctlicher Redakteur und Herausgeber Rabbiner vr. X Treuenfels in Stettin. Magdeburg, 22. Mar. Inhalt: Leitende Artikel r Die Juden vor dem Tribunal der Wissenschaft. Berichte und Corresponvenren: Deutschland. Berlin. Würz« bürg. Darmstadt. Vom Rhein. Oesterreich: Prag. Italien: Rom. Schweden: Stockholm. vermischte und neueste Nachrichten r Magdeburg. Warmbrunn. Danzig. Wien. Prag. Kanitz. Feuilleton r Das Ghetto und seine Poeten. Inserate. Die Juden vor dem Tribunal d. Wissenschaft. ii.*) Das Maiheft der Westermann'schen Monatsschrift bringt uns die Fortsetzung und den Schluß der Abhandlung Schleidens über „die Romantik des Martyriums bei den Juden im Mittelalter." Haben wir schon in dem Berichte über den ersten Theil bemerkt, daß er für den geschichtskundigen Juden wenig Neues enthalte, so können wir dies bezüglich des anderen TheileS um so eher constatiren, weil er fast nur geschichtliche Thatsach.n berichtet. Es ist aber dieser Umstand mehr ein Vorzug, denn ein Mangel der in gehobener Sprache sachgemäß gehaltenen Schrift, deren Verfasser nicht nach Effect hascht, sondern es sich zur Aufgabe gemacht, die deutsche Nation und mittelbar alle Nationen von ihrer Verblendung und Täuschung über den jüdischen Stamm zu heilen, über den Betrug, durch den sie von Rom und den Römlingen in allen Welttheilen viele Jahrhundert, ja fast ein Jahrtausend hindurch als blinde Werkzeuge zu einem verbrecherischen Zwecke gemißbraucht worden, nunmehr die Augen zu öffnen. In Rücksicht auf die erhabene Aufgabe, wie auf die Absicht, eine völlige, von innen heraus spontan sich vollziehende, nicht blos von außen und gleichsam künstlich bewerkstelligte Freiheit und Gleichheit des Judenthums mit den anderen Confessionen zu fördern, können auf Schleiden die Worte des jüngern Jesajah angewandt werden: „Ich der Ewige, habe dich berufen durch Gerechtigkeit und stärke deine Hand und bestimme dich zum Bündnisse (zur Verbrüderung) von Völkern, zum Lichte (zur Aufklärung) von Nationen, auf daß du öffnest blinde Augen, aus dem Kerker führest die Gefeffelten, aus dem Gefängnißhause die Bewohner der Finsterniß." — Jeder wahre Menschenfreund wird früher oder später zu einem Erlöser für die Menschheit! Auf die Erörterungen Schleidens übergehend, stnden wir rm engen Anschluß an den in Ihrer Wochenschrift bereits besprochenen Abschnitt am Eingangs der Fortsetzung eine weitere Auswahl und Widerlegung der hauptsächlichsten Anklagepunkte, die man gegen die Juden vorgebracht. Zunächst ist Inserate für die „W v ch e n s ch r i f t", die breigespaltene Petitzeile oder deren Raum 85 Pf.. (für das »Literaturbl att" a 20 Pf.,) sind durch fämmtliche Annoncen-Expeditionen oder direct an die Expedition der Israelitischen Wochenschrift'» Magdeburg" einzusenden. — Bei Wiederholungen Rabatt. Beilagen, 2500 Stück, werden mit 15 Mark berechnet. Wschen- Mai. 1878. Ijar. 5638. Kalender. Mittwoch . . . 22 19 Donnerstag. . 23 20 Freitag .... 24 21 TlpfO (Ende 8 U. 54 M.) Sonnabend . . 25 22 Perek 5. Omer 37, Sonntag . . . 26 23 Äonte^ .... 27 24 Diens^g . . . 28 25 es die, wie es scheint, nie aufhören wollende Anschuldigung des Wuchers. Hier wird nachgewiesen, wie abgesehen von der durch ein fortgesetztes Beraubungssystem allmälig bewirkte Verarmung der Juden die Quelle und der Ursprung oieser Geldgeschäfte nicht im Judenthume .zu suchen sei. DaS mof. Gesetz und als deffen Ausführung der Talmud verbieten Zinsen zu nehmen, während das römische Recht unter gesetzlichen Formen es gestattete und deshalb auch zur Erwriterung und Ueberschreitung der gesetzlichen Schranken führte. Besonders abgefeimt zeigte sich hierin die römische Geistlichkeit. „Jahrhunderte, ehe man den Vorwurf des Wuchers gegen die Juden hörte, zogen organisirte Banden von Christen unter den Namen: Lombarden (daher noch heute das Wort „Lombard" für Leihhaus), Etrusker, Florentiner, Caorsiner, Ultramontane (nomen et omen) u. s. w. in Europa umher, um sich durch betrügerische Leih- und Wuchergeschäfte zu bereichern ." Die Juden ließ erst die Verzweiflung diesen verwerflichen Erwerb ergreifen, und auch dann noch bewährte sich nach zuverlässigen Zeugnissen von christlichen Schriftstellern ihre moralische Ueberlegenheit über die christlichen Gläubiger und Gläubigen. Erst vom 14. und 15. Jahrhundert an begann mit dem schweren Drucke das allmälige Verkümmern der Juden. „Es war den Christen endlich gelungen, durch die grausame Tyrannei und Bedrückung ein geistig, sittlich und religiös edel, ja fast ideal angelegtes Volk herabzuwürdigen und in den Koth zu treten." Als eine fernere Beschönigung der Judenverfolgungen und -Vertreibungen galt (und gilt leider noch heute) die Behauptung, daß die Juden in den europäischen Ländern Fremdlinge wären. „Das ist aber — sagt Schleiden — eine kolossale Absurdität und historische Lüge. Eine Absurdität, weil in ganz Europa kein Volk autochthon ist.. eine Lüge, denn thatsächlich sind die Juden frühere Bewohner der meisten Länder gewesen, als diejenigen, welche sie vertrieben." Mit der steigenden Macht einer zügellosen Hierarchie stiegen auch die Qualen der Juden, und wenn hier und da ein selbstdenkender und mitfühlender Christ für sie das Wort ergriff, so wurde er eine Zeit lang oder für immer zum Schweigen gebracht. „In Straßburg wurde 1349 der ganze *) Schluß von Nr. 16 und 17.

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