Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 18. (1.5.1878)
- Date
- 1878-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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"m 18. 1878. «imrMischr J-br,-»»» Wochenfür die religiösen und soeialen Interessen des Judenthums KHUNBSEXPEq ' /Wag , ' Erscheint jeden Mittwc> ch «.kostet sammt dem allwöchentlich erscheinenden ,Jüd. Liter atnrblatt" von Rabl,. Ilr. M. Rahmer bei allen Postämtern n. Rnchhandlungen vierteljährlich S Mark 50 Pf. Mit directer Zusendung : in Deutschland 12 Mk. <7 fl.);nach dem Auslände: 1b Mk. (18 Frcs.) jährlich. Einzelnummern der „Wochenschrift" a 25 Pf. des „Lireraturbtatts" a 15 Pf. Beraiitwoctlicher Redakteur und Herausgeber Rabbiner vr. Ä. Treuenftls in Stettin. ---- Magdeburg, 1. Mai. In fera te für die „Wochenfchrif t", die dreigesvaltene Petitzeile oder deren Raum 35 Pf., (für das „Li t era t ur b l a t t" ä 20 P f.,) sind durch fämmtliche Annoncen-Erpeditionen oder direct an die Expedition der Israelitischen Wochenschrift,» Magdeburg" einzufenden. — Bei Wiederholungen Rabatt. Beilagen, 2500 Stück, werden mit 15 Mark berechnet. stände und materiellen Elends vernommen, es werden solche auch fernerhin nicht ausbleiben, nach dem Bibelworte, welches wir anl Schlüsse des Festes lesen, wird es ja nie an Hülfsbedürftigen im Lande fehlen. Aber sollte ein Aufruf zur Abstellung g e i st i g e r Nothstände, mit denen sittliche stets Hand in Hand gehen, nicht auch einmal erhoben werden und Aussicht auf Beachtung haben? Es ist in der letzten Zeit, mehr noch in politischen Journalen und verschiedenen weitgelesenen Zeitschriften, Novellen u. s. w. als in jüdischen Blättern, von dem Chassidismus die Rede gewesen und zwar gerade von der Abart desselben, welche einen Schandfleck des Jndenthums bildet. Mit Verehrung s. g. Rebben, von denen mehrere obendrein üuf tiefster Stufe des Wissens und der Sittlichkeit stehen, mit Wunderschwindel, Wallfahrten, Gaunerei u. dgl., ist in das Judenthum nackter heidnischer Götzendienst eingedrungen, ein Unwesen, das mit der Religion Mose's, der Propheten und der talmudischen Weisen gar keine Aehnlichkeit mehr besitzt. Der Sitz dieses Chassidismus ist hauptsächlich Galizien und die angrenzenden Länder. Die Chassidim in Polen und Rußland gehören zumeist den vernünftigen Arten dieser Sekte an, sie besitzen wenigstens talmudisches Wissen und halten sich von den ärgsten Auswüchsen und Ausschreitungen des Wahnes fern. Dasselbe gilt wohl von dem größten Theile der ungarischen Chassidim; Galizien und die Buckowina bilden den eigentlichen Heerd der Seuche, die von da nach Rußland einerseits, nach Ungarn und der Moldau andrerseits hiuübergreift und ihre Verheerungen anrichtet. Dürfen wir ruhig dem Unwesen zusehen? Es ist ein ihrer halbunzurechnungsfähigen Gläubigen nicht uns zur Last, legen, aber jene Chassidim sind doch einmal unsere Stammesbrüder und (wie wenig man das auch eigentlich sagen kann) unsere Glaubensgenossen. Müssen wir nicht an Hülfe und Rettung für sie denken? Gilt denn etwa gerade in unsrem Mitte der Leib mehr als der Geist, so daß Rettung des Leibes, Stillung seines Hungers, Linderung seines Elends alshöhere und heiligere Pflicht gelten könnte, als Rettung, von Seelen?! Ueber die Ursache der Entstehung des Chassidismus undseines Umsichgreifens und über die Mittel und Wege zu seiner Bekämpfung und Ausrottung ausführlich zu reden, ist hier weder angemessen noch erforderlich. In letzterer Beziehung gibt es nur ein Mittel, aber ein unfehlbares: Bildung und Unterricht. Und zwar gilt es für die betreffenden Kreise zunächst echt-jüdisches Wissen, richtiges, grammatikalisches und logisches Verständniß der hebräischen Bibel durch dag Vehikel einer menschlich-vernünftig gebildeten Sprache anstatt des Jargons, in dessen Sumpfboden der chassivische Unsinn so recht emporwuchern kann. Eine menschenwürdige Sprache legt diesen Sumpf trocken, grammatikalischer Bibelunterricht schneidet den Wucherpflanzen die Wurzeln ab. Wir können auf weitere Begründung dieses Satzes nicht eingehen, rechnen aber auf volle Zustimmung aller Sachkundigen und fügen nur noch das Eine zur Erwägung hinzu, daß vor 100—150 Jahren auch in Deutschland die Juden der Gefahr der Jnficirung durch den Chassidismus sehr wohl ausgesetzt waren, daß viele seiner Grundansichten auch unter den Juden Deutschlands herrschend geworden waren, daß der Glaube an Amulette, Inhalt: Leitende Artikel r Ein Hülferuf für Galizien. — Juden und Uhren. Berichte und Sorrespoudenren: Deut sch lanv Stettin. Stettin. Marburg. Tholey. Schneidemühl. Aus Hessen. Palästina: Berlin. Bermischte und neueste Nachrichten r Berlin. Frankfurt a. M. Magdeburg. Leipzig. Hamburg. Wien. Widdin. Teplitz. Bukarest. Aus Rußland. Feuilletonr Täuschungen. Inserate. Wochen- Mai. 1 Nissan j Kalender. 1 1878. 1 5638. j. Mittwoch . . . Donnerstag. . Freitag .... Sonnabend . . Sonntag . . . Montag.... Dienstag . . . 1 | 28 2 29 3! 30 4 Isar 1 s 2 6! 3 7 > 4; i Rausch Chaudesch, 2 Tage. : 1 — □‘'üHp (Ende 8 U. 14 M.) 1 Ein Hülfernf für Galizien. Wir haben oft Hülferufe zur Linderung leiblicher Nothsehr geringfügiger Trost, daß unsere Mitbürger uns und un | sere Religion soweit kennen, daß sie den ihnen geschilderten $ j finstersten Aberglauben, das Treiben jener Baalspriester und