Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 14. (3.4.1878)
- Date
- 1878-04-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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14. Jahrgang IX. die religiösen und foclalm Znlereffen Iudeuthums Erscheint jeden Mittwoch u kostet sammt dem allwöchentlich erscheinenden stüd Liter aturblatt" von Rabb. 0r. M. Rabmer bei allen Postämtern u. Buchbandlungen vierteljährlich S Mark 50 P f. Mit direkter Zusendung: in Deutschland 12 Mk. (7 fi.);nach dem Auslande: 15 Mk. (18 Frcs.) jährlich. Verantwortlicher Redakteur nnd Herausgeber Rabbiner Dr. Ä. Treuenfels in Stettin. ---i- Inserate für die „Wochenschris t", die dreigefpaltene Petitzeile oder deren Raum 35 Pf., (für das „Literaturblatt"» 20 Pf.,) sind durch fämmtliche Annoncen « Expeditionen oder direct an die Expeditto" der Israelitischen Wochenschrift in Magdeburg" einzusenden. — Bei Wiederholungen Rabatt. Einzelnummern der „Wochenschrift" » 25 Pf. des „Literaturblatts" » 15 Pi. Magdeburg, 3 April. Beilagen, 2500 Stück, werden mit 15 Mark berechnet. Inhalt: Leitende Artikel: Die Trotz-Orthodoxie und unser Verhältniß zu ihr. Wachen- April. 1878. Adar II. 5638. Kalender. Berichte und Correspondenzen: Deutschlanv: Magdeburg. Stuttgart. Buchau. Beuthen. Mittwoch - . . 3 29 Roseh Chodesch Nissan Oesterreich-Ungarn: Wien. Gr. Kanizsa. Donnerstag . . 4 1 Schweiz: Zürich. Freitag .... 5 2 Italien: Rom. Sonnabend . . 6 8 mm (Ende 7 u. 21M.) Vermischte und neueste Nachrichten: Berlin. Berlin. Wolfenbüttel. Heilbronn. London. London. Sonntag ... 7 4 Feuilleton: Täuschungen. Montag .... 8 5 Inserate. Dienstag . . . 9 6 Die „Trotz-Orthodoxie" und unser Verhältnis zu ihr. Wir haben in Nr. 10 eine Abhandlung von einem jüd. Arzt in Worms gebracht, welche Vorsichtsmaßregeln für die Beschneidung empfiehlt. Der Verfasser hatte zunächst eine Stelle aus einem neu erschienenen Lehrbuch der Chirurgie citirt, welches die Art, wie die Beschneidung und Nachbehandlung (hier und da noch) geübt wird, scharf tadelt. Wir haben dies Citat aus guten Gründen weggelassen und in einer Anmerkung darauf hingewiesen, daß die dort besprochenen Mißbräuche, welche der Chirurg allerdings als Rohheiten bezeichnen müsse, in civilisirten Ländern längst antiqnirt seien, daß auch überhaupt die Beschneidung bei vernünftiger Behandlung ein durchaus ungefährlicher Akt sei, daß man aber jeden guten Rath in Betreff derselben dankbar annehmen muffe, und daß ein Zuviel in Beziehung auf Vorsicht dabei besser sei als ein Zuwenig. Der Verfasser hatte im Vorbeigehen auch das Aussaugeu des Blutes (Mezizah) verworfen, und wir hatten in der Anmerkung gesagt: „die Mezizah wird in Deutschland nur noch von der Trotz-Orthodoxie geübt." In diesem Satze ist uns wohl das Wort „zumeist" oder „vorzugsweise" in der Feder geblieben; es ist aber aus dem ganzen Inhalt und Zusammenhang der Anmerkung klar, daß wir weder solche lebende Mohelim tadeln wollten, die in ihrer Einfalt ohne Prüfung und Nachdenken thun, was man ihnen einst vorgemacht und gezeigt hat, noch gar (behüte Gott!) verstorbene, ehrwürdige Männer, die gethan haben, was man zu ihrer Zeit für recht und nützlich hielt, mir halten diejenigen im Sinne, die sich an maßen zu wissen und zu verstehen, die auch wohl in Wirklichkeit zwischen dem, was religiöse, unverbrüchliche Satzung und was ein auf nichts Positives fußendes Herkommen ist, zu unterscheiden I gelernt haben, die aber aus Starrsinn keine Vernunft ^ruchmriz, auf Gründe nicht hören wollen und darum trotzig Me^Mweichung von Herkommen verwerfen, als ketzerisch brandmarken. Das sind die Trotz-Orthodoxen; ihr Verfahren in Betreff der Aufrechterhaltung der Mezizah hatten wir „frech und ruchlos" genannt. Wir hätten die Ausdrücke etwas gelinder wählen sollen — es ist eben in der Eile des Redigirens und des Niederschreibens von Noten zu eingesendeten Arbeiten nicht immer Zeit genau zu feilen, und Correctur können wir nicht lesen — wir werden jedoch die Worte dem Inhalt nach erklären und rechtfertigen. Die „Jüd. Presse" hat alsbald ibr Anathema gegen unfern Herrn Correspondenten und gegen uns ergehen laffen; es fehlt wenig oder eigentlich gar nichts, daß sie uns denjenigen gleichstellt, welche in Wort und Thal des Judenthums heiligstes Gebot m5C0 abschaffen wollen. Wir nehmen diesmal die Gelegenheit zu einer Auseinandersetzung gern wahr; dieser Streit über die Mezizah ist recht geeignet, den Unterschied zwischen den Männern der „Jüd. Preffe" (resp. des „Israelit") und uns, zwischen unserer Orthodoxie und der Trotz-Orthodoxie jener Leute darzuthun, und Jeden in Stand zu setzen, daß er prüfe, ob jene uns mit Recht zu den „Reformern" zählen. Wir brauchen zu dem Behufs nicht auf eine gründliche halachische Erörterung einzugehen, wozu hier nicht der Ort ist, noch auf medizinische Erwägungen, zu denen wir nich competent sind. Die ganze Sache ist für Venünftige längst vollständig erledigt, sie war daher von dem Arzte und von uns nur beiläufig erwähnt, die Frage hat schon ihre Geschichte, es bedarf nur einer kurzen Recapitnlation. Von diesem Geschichtlichen daher zuerst einige Worte.*) *) Wir geben die hier folgenden Notizen lediglich nach dein Ge-