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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-03-05 · N° 10. (5.3.1878) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 10. (5.3.1878)
Date
1878-03-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 10. 1878. Jahrgang sksslitischr ochen-Zchrift für die religiösen und socialen Interessen des Audenthums. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber Rabbiner vr. Ä. Treuenfels in Stettin. -m- Inserat« für die „Wo chenfchrif t", die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum 26 Pf., (für das „Literaturblatt"» 20 Pf.,) find durch fämmtliche Annoncen-Srpeditionen oder direct an die Expedition der Israelitischen Wochenschriftin Magdeburg" einzusenden. — Bei Wiederholungen Rabatt. Magdeburg, 5. März. Beilagen, 2500 Stück, werden mit 15 Mark berechnet. Erscheint jeden Mittwoch ».kostet sammt dem allwöchentlich erscheinenden „Jüd. Literaturblatt" von Rabb. De. M. Rah me r bei allen Postämtern u. Buchhandlungen vierteljährlich 2 Mark 60 Pf. Mit direkter Zusendung: in Deutschland 12 Mk. (7 fl.); nach dem LuSlande: IS Mk. (18 Frc».) jährlich. Einzelnummern der „Wochenschrift" » 25 Pf. de» „Literaturblatts" » 15 Pf. Inhalt: Leitende Artikel r Unser Rath. — Zur Beschneidung. Berichte und Eorrespondenren: Deutschlano: Stettin. Berlin. Frankfurt a. SR. Frankfurt a. M. Oesterreich.Ungarn: Wien. Baja. Türkei: Constantinopel. Vermischte und neuest« Rachrichten r Berlin. Berlin. Stettin. Königsberg. Beuthen. Wien. Baja. Zürich. Paris. London» London. Algier. Feuilleton r Täuschungen. Inserate. Unser Rath. Auf religiösem Gebiete ist der Ruf und das Streben nach Trennung der Gemeinde und Jsolirung der Individuen bemerkbar geworden, während auf politischem stets das Bestreben nach Vereinigung der Ländergebiete, Zusammenlegung der verwandten Reiche und Völker herrschend gewesen ist. Auch im Christenthum trat mit der Reformation Spaltung und Trennung ein, — mit der Geltendmachung des individuellen Geistes, des subjektiven Denkens. Im Judenthum war zwar die Freiheit des Denkens nie gehemmt, aber doch fand auch hier eine Sektirung statt, seitdem fremdes Denken, die Anschauungen und Sitten fremder Völker in Israel ihren Einfluß geübt haben. Deßhalb riesen schon die alten Weisen den Freunden hellenistischer Denk- und Lebensweise zu: miJK nHJK wrn vb ntxn ja «nen „Trennt euch von der Gemeinde, von der Gesammtheit nicht!" „Bildet keine Sektirungen!" In unserer Zeit hätten wir diese Warnung nicht den Freunden fremder Anschauungen und reformistischer Bestrebungen zuzurufen, sondern den Anhängern traditioneller Orthodoxie. Von diesen geht jetzt der Ruf nach Trennung, das Drängen nach Separation der Gemeinden und Jsolirung der Individuen aus. Reform d. h. Umbildung des Judenthums in seinen äußeren Formen, wie fortschrittliche Entwickelung seines Goltesbegriffs*), seiner Rechts- und Sittlich¬ *) Um Mißverständnissen und Mißdeutungen vorzubeugen, wollen wir erläuternd hinzufügen, daß der reine Gottesbcgriff im Jlldenthum zwar von Anbeginn gegeben war und an sich keiner fortschrittlichen Entwickelung bedurfte, die Auffassung aber war zu Zeiten vor- und rückschreitend, bald gröber, materieller, bald wieder sich vergeistigend. Daß die C u l t u s formen wandelbar gewesen sind, und daß das heutige Ritual, bis auf gewisse uralte Grundbestandtheile, von dem der talmudiichen Epoche und noch jüngerer Zeit sehr weit abwich, ist wohl allg rmein bekannt. (Red.) Wachen- Llärr. 1678. Adar II. 5638. Kalender. Mittwoch . . . 6 1 Rosch Chodesch II. Donnerstag . . 7 2 Freitag .... 8 3 Sonnabend . . 9 4 vT)j5S (Ende 6 U. 81M.) Sonntag . . . 10 5 Montag.... 11 6 Dienstag ... 12 7 keitsideen war von Anfang an dem Judenthum wesentlich; vielfach waren hierauf auch zeitliche und örtliche Verhältnisse von'Einfluß. Nicht minder hat aber auch dem religiösen Radikalismus und Jndifferentismus unserer Tage gegenüber das Festhalten an orthodoxer Tradition seine Bedeutung und Berechtigung. Der Riß ist vorhanden. Wie ist er verschuldet worden? Wie kann er geheilt werden? Die Schuld liegt an der autonomen Jsolirung der einzelnen Gemeinden, an deren Führung ohne einheitliche Leitung. Jede Gemeinde glaubt sich stark und weise genug, ohne Rücksicht auf die anderen Gemeinden der Gesammtheit Israels ihre eigenen und gesonderten Wege für cultuelle Einrichtungen und religiöses Leben gehen zu können und zu dürfen. Daher die Spaltung und Trennung; daher die heutige Sonderung in cultueller Beziehung, daher auch die Schwächung der kleinen Gemeinden, welche ohne Anlehnung an die großen Gemeinden, ohne Unterstützung seitens der Gesammtheit ihren Halt verlieren und zerfallen. Die großen Gemeinden gehen auch wieder ihre autonomen und selbstsüchtigen Wege, berücksichtigen nur ihre Bedürfnisse und Kräfte und vergessen des Zusammenhanges mit den kleinen Gemeinden und ihrer Verpflichtung für sie. Dadurch ist unsere heutige Zerrissenheit und Spaltung in Israel entstanden. Das Recht centrifugaler, autonomer Selbstständigkeit ist anzuerkennen, nicht minder aber auch die Pflicht der centripetalen Strebung nach dem einigenden Mittelpunkte. Nicht wollen wir damit das System der Geist und Leben tödtenden Centralisation vor der individualijirenden, das religiöse Leben fördernden Selbstverwaltung bevorzugen. Aber ohne einheitliche Leitung besteht keine Gesammtheit, sie vernichtet sich selbst und fällt in Atome auseinander, welche spurlos untergehen. Was ist demnach zu thun, wie ist zu bessern?

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