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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-02-27 · N° 9. (27.2.1878) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 9. (27.2.1878)
Date
1878-02-27
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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J»2 S. 1878. Jahrgan Wocheil-Zchrift für die religiösen und fotlalm Jntereffen des Judenthums Erscheint jeden Mittwvch ».kostet sammt de», allwöchentlich erscheinende« „Jüd. Liter aturblatt" von Rabb. vr.M. Rah me r bei allen Postämtern u. Buchbandlungen vierteljährlich 8 Mark 30 Pf. Mit direkter Zusendung : in Deutschland 12 Mk. (7 fl.); nach dem Auslande: 15 Mk. (18 Frcs.) jährlich. Einzelnummern der „Wochenschrift" » 25 Pf. deS „Lireraturblatts" a 15 Ps. Verantivoctlicher Redakteur und Herausgeber Rabbiner vr. X Treuenfels in Stettin. -- Magdeburg, 27. Februar. Inserate für die „W o ch e n s ch r i f t", die dreigespaltene Petitzeil« oder deren Raum 83 Pf., (für daS „Literaturblatt" s 20 P f.,) sind durch fämmtliche Annoncen-Expeditionen oder direct an die Expedition der Israelitischen Wochenschrift in Magdeburg" einzufenden. — Bei Wiederholungen Rabatt. Beilagen, 2500 Stück, werden mit 15 Mark berechnet. Inhalt: Leitende Artikel» Zur Tagesgeschichte. Berichte und Correspondenrerr:-Deutschlanv: Stettin. Magdeburg. Dresden. Koschmin. Colberg. Braunschweig. Oesterreich: Wien. Kremsier. Amerika: Cincinnati. St. Louis. Brasilien, vermischte und neueste Nachrichten r Berlin. St. Pölten. Baja. Paris. Italien. Lissabon. Rußland. Algier. Canea. Feuilleton r Täuschungen. — Festgedicht. Inserate. Wachen Mittwoch . Donnerstag Freitag . . Sonnabend Sonntag . Montag . . Dienstag . Rebruar. 1878. Adar I. 5638. Kalender. 27 24 28 25 Märzl 26 2 27 bnjTI (Ende 6 U. 18 M.) 3 28 P. Schekalim. 4 29 5 30 Rosch Chodesch Adar II. Zur Tagesgefchichte. Ein Volksmann aus jüdischem Stamme. Benjamin Disraeli, Lord Beaconsfield, ist kein Volksmann im gewöhnlichen Sinne des Wortes. Er ist kein Demokrat, nicht einmal ein Liberaler nach der Parteischablone, er gehört bekanntlich zu den Conservativen, den Tories, wie man vormals sagte, und ist das anerkannte Haupt derselben. Auch volksthümliche und volkssreunoliche Bestrebungen hat er nie in hervorragender oder ostensibler Weise zu seiner Aufgabe gemacht, und dennoch hat er sich endlich und vielleicht endgültig, jedenfalls aber für absehbare Zukunft als der Mann des Volkes, des englischen Volkes, bewährt, und dabei ist er ein Sohn jüdischer Eltern, als Jude geboren und in den Bund Abrahams ausgenommen. Dies ist es, was uns zu einigen Bemerkungen hier Anlaß gibt. Wir lieben es sonst durchaus nicht, mit denjenigen irgendwie groß zu thun, die, als Juden geboren, in der Jugend oder in reiferem Alter zur herrschenden Religion übergetreten und nachher berühmt geworden sind. Disraeli macht freilich unter den Apostaten des Judenthums eine rühmliche, seltene, vielleicht einzig dastehende Ausnahme; er schämt sich nicht nur seiner Abstammung nicht, sucht nicht nach Möglichkeit sie in Vergessenheit zu bringen, sondern er rühmt sich derselben und ist von seinem ersten Auftreten an, wie bekannt, in oft überschwänglicher Weise ein Lobredner des jüdischen Stammes gewesen. Dessen ungeachtet rühmen wir uns seiner nicht, (obgleich der größere Theil der Juden allerdings anderer Ansicht sein wird,) aber es handelt sich hier um einen augenfälligen Beweis gegen die Auswüchse von Raffen- Iheorien: ein Mann nicht'britischer Abstammung hat gezeigt, daß er in erster Linie ein Vertreter und ein Organ des echtbritischen Volksgeistes ist. Wenn Disraeli selbst bei jeder Gelegenheit seine jüdische Abstammung betont hat, so haben seine politischen Gegner, seine persönlichen Feinde und Neider dieselbe gewiß nicht vergessen, sondern bestens auszubeuten gesucht. Allbekannt ist, daß in der neuesten Zeit die kirchlichen Engländer, welche aus Christlichkeit Türkenfeinde sind, die Russenfreunde aus Ueberzeugung oder Berechnung, die Graeco- und Slavophilen nach Rassenfanatismus, die über Greuelthaten in Bulgarien Ent" rüsteten, die Mucker, denen es von vornherein feststeht, daß ein Christ immer Recht, ein Ungetanster allezeit Unrecht haben müsse, endlich alle Gegner des gegenwärtigen englischen Cabinets, Liberale, Radikale u. s. w. — daß diese alle in versteckter oder offener, grober oder zarterer Weise den Juden Disraeli angegriffen, ihm jüdische Sympathien für die Türkei, jüdischen Haß gegen die Christen des Orients vorgeworfen und diese religiös-nationalen Motive als die Triebfedern seiner Politik in der orientalischen Frage bezeichnet, dem Hasse und der Verachtung preiszugeben versucht haben. Schreibt doch noch dieser Tage ein gewisser Goldwim Smith: „Wenn England in den Kampf gezogen werden sollte, so würde dies ein Krieg sein, mit englischem Blute unternommen, um Gegenstände jüdischer Sympathie zu stützen oder den Juden zugefügtes Unrecht zu rächen." — Dieser Smith ist ein religiös- und politisch Radikaler; er deutet auch mit keinem Worte auf Disraeli hin, aber es versteht sich von selbst, daß seine Behauptung, sinnlos wie sie ist, auf Disraeli gemünzt sein muß. Wir würden nun unsrerseits nicht zu behaupten wagen, daß Disraeli im tiefsten Innern von den ihm vorgeworfenen religiös-nationalen Ab- und Zuneigungen frei sei, aber daraus folgt noch nicht, daß er von ihnen seine Politik

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