Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 3. (16.1.1878)
- Date
- 1878-01-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 3. 1878. Jahrga» s«s-!rrische Wocheil-Zchrift für die religiösen und socialen Interessen des Zudenthums. Erscheint jeden Mittwoch u kostet sammt dem allwöchentlich erscheinende« ^lld Literaturblattvon Rabb vr.M. Rabmer bei allen Postämtern u. Buchhandlungen vierteljährlich S Mark SV Pf. Mit direkter Zusendung: m Deutschland 12 Mk. (7 fl.); nach dem Ausland«: 15 Mk. (18 Arcs.) jährlich. Einzelnummern der „Wochenschrift" » 25 Pf. des »Literaturblatts" ä 15 Pf. Beranlwoctlicher Redakteur u«d Herausgeber Rabbiner vr. X Treuenfels in Stettin. Magdeburg, 16 Januar. Inserate für die „W o'ch.en s ch r i f(t", die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum 25 Pf., (für das „Literaturbl att" a 20 Pf.,) find durch fämmtliche Annoncen-Expeditionen oder direct an die Expedition der Israelitischen W o ch e n f ch rift in Magdeburg" einzusenden. — Bei Wiederholungen Rabatt. Beilagen, 2500 Stück, werden mit 15 Mark berechnet. Inhalt: Leitende Artikel: Victor Emanuel. Berichte und Lorrespondenzen: Deutschland: Berlin. Aus Bayern. Aus Württemberg. Kobylin. Oesterreich: Wien. 5 Frankreich: Paris, ** Großbritannien: London. •' Rumänien: Bukarest. Jassy. vermischte und neueste Nachrichten: Berlin. Hamburg. Hanau. Neustadt a. d. H. Mühlhausen (Elsaß). Triest. Krakau. Zürich. Aus Rumänien. Constantinopel. Aus Amerika. Aeuilletou r So rächt sich ein Jude. Inserate. Wachen- Januar. 1878. Schwat. 5638. Mittwoch - . . 16 12 Donnerstag . . 17 13 Freitag .... 18 14 Sonnabend . . 19 15 Sonntag . . . 20 16 Montag.... 21 17 Dienstag . . . 22 18 Kalender. Chamischo ossor. Schiro. (Ende SU.» M.) Victor Cmanuel. Dem Andenken des eben verstorbenen „ersten Königs von Italien" den Tribut warmer Anerkennung und aufrichtigster Dankbarkeit zu widmen, scheint uns unerläßliche Pflicht für ein den Interessen des Judenthums dienendes Organ zu sein. Wir beschränken uns bei diesem Nachruf allerdings auf den engumschriebenen Kreis dieser israelitischen Beziehungen und Interessen. Alles Uebrige bleibt der Tagespresse übcrlassen, die zu dieser Stunde bereits in allen Ländern und Sprachen und von den verschiedensten Parteistandpunkten aus, ihre Nekrologe, Urtheile und Betrachtungen über Victor Emanuel ausgesprochen haben wird. Was wir denn hier zu sagen haben, läßt sich in wenige Worte, läßt sich in einen einzigen Satz zusammenfassen, aber es ist darum um so inhaltsreicher und bedeutungsvoller. Es hat noch keinen König gegeben, in dessen Tagen sich ein so großartiger, vollständiger und — günstiger Umschwung für die Juden seines Landes vollzogen hat, wie dies bei Victor Emanuel der Fall gewesen ist. Und mit dem Ausdruck „in seinen Tagen" meinen wir nicht seine Lebenszeit (seit 1820) nicht einmal seine ganze Regierungszeit (seit 1849), sondern nnr den für die Entwickelung völkergeschichtlicher Dinge gar winzigen Zeitraum seit der Proclamirung des Königreichs Italien (1861). In dem Reiche seines Vaters waren die Juden noch rechtlos wie in den Jahrhunderten des Mittelalters; in eben diesem Zustande übernahm sie Victor Emanuel in all' den Ländern, welche er nach und nach anuectirte. In Neapel und Sicilien durfte überhaupt kein Jude athmen; im Kirchenstaat war die Last des Joches in.den ersten Jahren der Regierung Pius IX. für einen Augenblick gelüftet worden, dann seufzten die Israeliten wieder unter allem Elend des Ghetto und des Priester^Mxaents. In Toscana war es etwas besser, in den Kleinstaaten um so schlimmer; nur im oberitalischen Königreich, wo die verd— Tedeschi, die Fremden, die „Barbaren" herrschten, waren die Juden verhältnißmäßig günstig gestellt; aber dieses Lund gehörte auch nur nach dem „geographischen Begriff" zu Italien. Die Israeliten in dem (damals) eigentlichen Italien waren die unglücklichsten von allen in der Welt; denn sie waren gebildet, standen im täglichen Verkehr mit den Bewohnern der civilisirten Länder, sie fühlten Schmach und Elend viel tiefer, als die Juden Rußland's oder Marocco's. So war's also biH zum Jahre 1861, und in der ältesten und unglücklichsten Gemeinde Europa's, in Rom, bis zu dem 20. September 1870, da Victor Emanuels Truppen in die Stadt einrückten. So waren die Juden Italiens weit zurückgesetzt gegen ihre Glaubensgenossen in freien Ländern. Aber was sich für diese.im Laufe von 30, von 50, ja 90 Jahren vollzogen hatte, das ist von den Juden Italiens in diesem kurzen Augenblick erreicht oder ihnen zu Theil geworden; sie haben alle Anderen, die ihnen so weit voraus waren, eingeholt, ja überholt! Der Maaßstab, den wir hierbei anlegen, wird wohl als ein brauchbarer anerkannt werden. Es ist folgender. Die Zahl der italienischen Juden, welche im Parlamente sitzen, höhere Staatsämter bekleiden, höhere Lehrstühle einnehmen, in Kunst und Wissenschaft sich Hervorthun, Auszeichnungen jeder Art erlangt haben, zu Ehrenämtern in städtischen und Verwaltungsbehörden gewählt oder befördert worden sind, ist mit Berücksichtigung der numerischen Verhältnisse drei, vier, fünfmal größer als in irgend einem Lande der Welt. Wie erinnern nur daran, daß im italienischen Parlamente 11 Israeliten gesessen haben.