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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-01-09 · N° 2. (9.1.1878) · p. Seite 10

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 2. (9.1.1878)
Date
1878-01-09
Page
Seite 10 (sequence 2)
Language
German
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10 — immer das richtige Verständniß für das, was wahr und nicht geheuchelt ist. Doch wir wollen die Erscheinung im Dornbusch betrachten, die dem Moses die Religion unserer Väter in ihrer ganzen Tiefe und Wahrheit, in ihrer — man möchte sagen — täglich sich erneuernden Gestalt vorführte. Es heißt Cap. 3, 2: „Gott erschien dem Mose in einer Feuerflamme mitten in einem Dornbüsche, und er sah, daß der Dornbusch brannte, aber nicht ganz verzehrt wurde. Ohne Bild würde es heißen: Die Menschheit, die hier unter dem Bilde des Dornbusches gemeint ist, denn sie ist doch Gott gegenüber mit dem Dornbusch, dem niedrigsten Gestrüpp, zu vergleichen — sah Moses von einem Feuer durchglüht. Daß von der Religion wie von einem heiligen Feuer gesprochen wird, ist nichts Ungewöhnliches. Es heißt ja: „Denn der Ewige,- Dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer", und bei den Propheten wird an sehr vielen Stellen von der Religion wie von einem göttlichen Funken geredet. Also Moses sah etwas Merkwürdiges. Der Dornbusch brannte und verbrannte nicht. Mil anderen Worten, er sab, daß die Religion zündet, aber sie verzehrt nicht. Er stand damals wohl noch aus der ersten Stufe der Leiter, die ihn zu Gott emporheben sollte, und in seiner naiven Weise sagte er V. 3: „Ich will hingehen und näher ansehen die große Erscheinung, warum verbrennt denn der Dornbusch nicht?" Die Erscheinung muß auf ihn merkwürdig gewirkt haben, er muß ergriffen gewesen sein von der Wahrheit deffen, was ihm gezeigt wurde. Auch uns geht es ja oft so. Wenn wir plötzlich einen Aufschluß bekommen über etwas, was uns Jahre lang bewegt und beunruhigt hat, so schwimmt das Herz in dem Flammenmeere der Begeisterung. In einer solchen Extase muß sich Moses befunden haben, und schnellen Schrittes will er dem Feuer sich nähern. Die Schnelligkeit ist gemalt und ausgedrückt in den Worten: mmu K3 m^DK. Aber da rief ihm die göttliche Stimme schnell ein Halt zu, und wie wundervoll sind wieder die Worte: „Gott rief dem Mose mitten aus dem Dornbüsche" — d. h. mitten aus der Menschheit heraus erscholl die Stimme: „Tritt nicht näher!" In der Nähe kannst Du das Feuer nicht sehen; „sehen und greifen kannst Du cs nicht, aber fühlen kannst Du es, im Herzen lodern lassen kannst Du es, begeistern lassen, Dich sowohl als die Menschheit, kannst Du für den Gott, der sich Dir hiermit offenbart. Und nun die Schlußworte: „Ziehe ab die Schuhe von Deinen Füßen, denn der Ort, wo Du stehst, der ist heilig." Ueberall, wo Du von diesem Gotte, der der Gott unserer Väter war und bleiben wird, aus innerem Drange, aus voller Ueberzeugung sprechen wirst, da wird der Ort heilig sein. Rur so ist das Ganze verständlich und klar. Freilich muß man dabei selbst fühlen und empfinden, freilich gehört dazu mehr als gewöhnlicher Verstand, um die Worte in ihrer ganzen Schwere und Tiefe zu erfassen. Dem Mose wurde die Gottesidee in ihrer Abstraktion, losgelöst von allem Irdischen und Vergänglichen, als eine Feuermaffe gezeigt, die in die Menschheit als Zündstoff gelegt wurde. Sehr recht hatte der Verfasser des Artikels in Nr. 41, wenn er sagt, daß wir Manches in der h. Schrift erst jetzt zu verstehen anfangen. Der universale Blick, den wir jetzt für die h. Schrift haben, macht uns manches verständlich was Jahrhunderte lang falsch gebeutet und ausgelegt wurde. Ein Sporn möge es aber für uns sein, dem Sprachstudium obzuliegen. Wir haben heute nichts mehr als die Thora mn minn pn -WL? pt- Aber sie genügt, sie ist so reichlich von unseren Vorfahren ausgebeulet worden, sie enthält für eine jede Zeit — und thatsächlich ist ja die Zeit in jedem Jahre eine andere, wenn wir bedenken, daß jedes Jahr so und so viel Geister mit dein Tode abgehen und wieder neue hinzukommen — so viel Wahres und Erhebendes, daß wir ihr von Rechtswegen Jahr aus Jahr ein obliegen sollten. Berichte und Correspondenzen. Deutschland. Stettin, 3. Januar. Zu der an das Haus der Abgeordneten zu richtenden Petition wegen Befreiung der Rabbiner und jüdischen Lehrer von der Commutt alfteu er (f. Nr. 49 v I.) sind mir einige zwanzig Zustimmungen zugegangen. Unter den Herren, welche mich somit ermächtigt haben, in ihren» Namen die Petition zu unterzeichnen und zu überreichen, sind viele, welche schon jetzt keine Communalabgaben zahlen, sei es, daß die betreffenden Magistrale ohne Weiteres angenommen haben, die den „Geistlichen" gesetzlich zustehende Befreiung gelte auch für die jüd. „Religionsdiener", sei es, daß die städtischen Behörden auf Reclamation und Bitte die Steuer niedergeschlagen und erlassen haben. Zu der Zeit, als ich die Aufforderung erließ, war die Sache sehr bringend, weil der Gesetzentwurf, der in 8- 14 die Exemtion der Kirchendiener u. s. w. aufrecht erhält, bereils eingebracht war. Wenn das Gesetz in dieser Fassung durchginge, so würde wahrscheinlich in manchem Orte die bisher etwa stillschweigend bewilligte Befreiung der Rabbiner u. s. w. zurückgezogen werden, jedenfalls würde es genügen, daß irgend ein Mitglied des Magistrats oder des Sladtverordnetencollegiums diese Befreiung monirle. Die Sache würde dann vor die Negierung gebracht werden müssen und diese würde gegen die Befreiung entscheiden, weit die Staatsbehörden, wie erst in den letzten Wochen wiederholt hervorgehoben worben ist, an der Interpretation festhalten, wonach die Rabbiner nicht unter den Geistlichen mitinbegriffen sind. Es ist daher ganz richtig, wenn auch diejenige,» mit vorstellig werden, welche bisher keine Cummunaladgaben bezahlt haben. Da inzwischen der Gesetzentwurf »vegen der Communalsteuer von der Tagesordnung abgesetzt »vorden rvar, so habe ich die parlamentarischen Weihnachlsferien und die Hieherkunft unseres Abgeordneten abgewarlet, um mit demselben mündlich Rücksprache zu nehmen. Er hat mir verspräche»», die Petition selbst überreichen r»nd bestens fördern zu wollen Ec bemerkte dabei (wie ich voraussehen konnte), daß seine Partei und viele liberale Mitglieder des Hauses zwar in erster itmie für die Aufhebungen aller Exemtionen seien, wenn aber die Kirchendiener befreit würden, dann »vürden sicherlich nur wenige Mitglieder des Hauses die jüdrschen Reltgionsdienec zurückgesetzl wissen wollen. Ich werde sonach mit Absendung der Petition noch bis etwa den 18. Januar warten und fordere nochn»als dieRabbiner und sonstige jüdii che Cultusbea in te in Preußen auf, mich s ch leu nigst von ihrer Z u - sti»nmun g zu der fraglichen Petition in Kenntniß zu setzen. Berlin, 3. Januar. (Or. Corr.) Sie haben im Leitartikel voriger Nummer Ihres Blattes am Schluffe von B e rlin und Mainz gesprochen. Es iei, meinen Sie, nicht zu fürchten, daß es dort und hier gelingen »verde, das Band der Zusammengehörigkeit der Juden so »veit zu lockern oder zu zerreißen, daß man auch in Hinsicht auf Wohlthätigkeit und

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