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Mitteilungs-Blatt des Jüdischen Volksrats Posen · 1919-08-01 · 7 (8.1919) · p. Seite 76

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Journal
Mitteilungs-Blatt des Jüdischen Volksrats Posen
Volume
1 (1919)
Issue
7 (8.1919)
Date
1919-08-01
Page
Seite 76 (sequence 14)
Language
German
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Seite 76 Mitteilungs-Blatt des Jüdischen Volksrats Nr. 7 3. Der heute begründete Verein der Beamten und Vertragsangestellten der Synagogen-Gemeinde Posen beauftragt seinen Arbeitsausschuss, im Sinne der zu 1 und 2 genannten Grundsätze bei den in Betracht kommenden Dienststellen vorstellig zu werden und der nächsten Vollversammlung über den Erfolg seiner Bemühungen zu berichten. Die Resolution wurde auf Grund des Referats einstimmig gefasst. Der Jüdische Volksrat, der schon seit längerer Zeit die Änderung der Stellung der Gemeindsbeamten diskutiert hat, begrüsst diese Gründung aufs wärmste und wird sich aufs lebhafteste für die Besserung der Lage der Gemeindebeamten einsetzen. Erklärung der Orthodoxie gegen die Assimilanten. Die jüdische Presszentrale Zürich veröffentlichte vor einiger Zeit folgende Kundgebung der politischen Kommission, die die Weltkonferenz der orthodoxen Organisationen in Zürich eingesetzt hatte: „Die politische Kommission" der in Zürich jüngst stattgehabten Weltkonferenz der jüdisch-orthodoxen Organisation sieht sich gegenüber neuerlichen, nach Presseberichten veranstalteten oder geplanten Kundgebungen einzelner jüdisch - assimilatorischer Gruppen zu folgender Öffentlichen Erklärung veranlasst: . „Wir protestieren im Namen der orthodox gesinnten Massen des jüdischen Volkes, welche hinter der „Weltkonferenz" stehen, aufs schärfste gegen jeden grundsätzlichen Einspruch, welcher gegen den Gedanken der Gründung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina erhoben wird und müssen jede derartige Kundgebung von unberufener jüdischer Seite in diesem Augenblicke als Verrat an der heiligen Sache des gequälten jüdischen Volkes kennzeichnen. Wir erklären, dass die von uns vertretene jüdische Orthodoxie der Welt die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina als ein vitales Interesse der jüdischen Gesamtheit betrachtet und für die Verwirklichung dieser Forderung, im Sinne der von der Weltkonferenz gefassten Beschlüsse, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln einzutreten entschlossen ist. Oberrabbiner Prof. Dr. S. H. Margulies, Florenz. Oberrabbiner B. Schapiero, Kowuo, Vorsitzender der politischen Kommission. Oberrabbiner Dr. Th. Lewenstein, Vors, der Weltkonferenz der jüdisch-orthodoxen Organisationen." Diese überaus erfreuliche Kundgebung, mit der die Orthodoxie zwischen sich und der Assimilation einen dicken Trennungsstrich zieht und das Verhalten der jüdischen Gegner des Palästinagedankens gebührlich kennzeichnet, beweist, wie sehr heute der dem Juden immanente nationale Palästinagedanke den Führern der Orthodoxie bewusst geworden ist. _ (Aus der Jüd. Rundschau). Ein permanentes jüdisches Komitee zur Wahrung der jüdischen Rechte. Das Kopenhagener Zionistische Bureau berichtet aus Paris : In vier Plenarsitzungen des Komitees der jüdischen Delegtaionen, die vom 25. bis 28. Juli stattfanden, wurden die Vorschläge der jüdischen Delegationen aus Russland und der Likraine bezüglich der zukünftigen Gestaltung und Tätigkeit des Komitees in einzelnen besprochen. Es wurde beschlossen, nach Schluss der Friedenskonferenz ein permanentes Komitee zu organisieren, dass auf einer breiteren Grundlage vor der Liga der Nationen und überall folgende vom Komitee formulierte Ziele vertreten soll: Zweck des Komitees ist: Verteidigung der bürgerlichen, politischen und nationalen Rechte der Juden der verschiedenen Länder und ihre Weiterentwicklung; Verteidigung der jüdischen Bevölkerung gegen Pogrome, Ausschreitungen und Lebergriffe; Mitarbeit bei der Organisierung der jüdischen Auswanderung. Zusammenarbeit mit den jüdischen Hilfsorganisationen, insbesondere zwecks Wiederaufbau des durch die Katastrophe des Krieges zerstörten ökonomischen Lebens. Die zionistische Pälästinakommission zurückgekehrt. Kopenhagen, 8. August. (Tel. der „Wiener Morgenztg.") Das Kopenhagener zionistische Bureau meldet: Die zionistische Kommission, bestehend aus Brandeis, de Haas, Friedenwald, Szold und Rosoff, ist nach mehrwöchigem Aufenthalt in Palästina in London eingetroffen. Die zionistischen Führer vor der Mandatskommission. Warschau, 9. August. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Wie dem „Jüdischen Volk" aus Paris telegraphiert wird, soll die Mandatskommission der Friedenskonferenz in den allernächsten Tagen über die Frage bezüglich des Mandats über Palästina beraten. Zn diesem Zwecke kehrt Professor Weizmann aus der Schweiz, Louis Brandeis aus Palästina nach Paris zurück. Auch Professor Frankfurter kommt nach Paris. Aus unserer Urkundenrnappe. Rundschreiben an die Synagogengemeinden betreffend Waren Verteilung. Posen, den 13. August 1919. Bei einer Besprechung, die unsere Vertreter jüngst bei dem Urzad Rozdzielczy hatten, ist ihnen von den dortigen Beamten nahe gelegt worden, dass die jüdischen Kaufleute in der Provinz Posen den bestehenden polnischen kaufmännischen Verbänden beitreten sollten. Es ist unseren Vertretern insbesondere erklärt worden, dass die polnischen Verbände in den kleineren Städten die Verteilung der ihnen durch das Urzad Rozdzielczy überwiesenen Waren hätten, und dass es sich schon aus diesem Grunde empfehle, dass die jüdischen Kaufleute den Verbänden und damit den Verteilungsausschüssen beiträten. Wir bitten deshalb, wenn in der dortigen Gemeinde solche Vereine bestehen, die jüdischen Kaufleute zu veranlassen, sich als Mitglieder zu melden. Sollte die Aufnahme von Juden verweigert werden, so bitten wir, uns dies mitzuteilen. Ferner bitten wir zu erwägen, ob es sich nicht empfiehlt, wenn die jüdischen Kaufleute nicht in die polnischen Berufsvereinigungen aufgenommen werden sollten, selbständig jüdische kaufmännische Vereine zu gründen und durch diese einen Einfluss auf die Verteilung von Waren und sonstigen kaufmännischen Angelegenheiten zu gewinnen. In der gleichen Angelegenheit erhielten wir heute das nachstehend in Abschrift gebrachte Schreiben des Urzad Rozdzielczy. Wir bitten daher, uns umgehend mitzuteilen, wie sich dort die Verteilungskommission zusammensetzt, damit wir Gelegenheit haben, uns unmittelbar mit den zuständigen Verteilungskommissionen in Verbindung zu setzen. Ferner ersuchen wir Sie, uns alle Fälle von ungerechter Verteilung unverzüglich mit voller Namensnennung der Beteiligten und der Nichtbateiligten anzugelien, damit wir dem Urzad Rozdzielczy seinem Wunsche gemäss hiervon Kenntnis geben können. Mit vorzüglicher Hochachtung Der geschäftsführende Ausschuss. Anlage. Poznan, den 11.8. 1919. An den Jüdischen V olksrat POZNAN ul. Berlinska 5. In höflicher Erwiderung Ihres werten Schreibens vom 30. Juli er. teilt Ihnen der Urzad Rozdzielczy mit, dass die Gemeinden — Verteilungskommissionen nicht durch den Urzad Rozdzielczy gegründet wurden. Selbige entstanden aus eigener Initiative und der Urzad bedient sich solcher, um die Verteilungen schnell durchzuführen. Der Urzad ist vorläufig nicht in der Lage, eine Neubildung der Kommissionen durchzuführen, ist dagegen streng darauf bedacht, dass Verteilungen ohne Unterschied der Confession gerecht vor sich gehen. Bis jetzt waren nur sehr wenig Waren zur Verteilung vorhanden und nur deshalb erklärt sich die nicht ausreichende Zuweisung auch an jüdische Kaufleute. Der Urzad bittet, ihm einen jeden ev. Fall von Ungerechtigkeit sofort mitzuteilen, um solche Fälle zur Klärung an die Kreiskommissionen weiter leiten zu können. TJrzad Rozdzielczy [przy Naczelnej Radzie Ludowej w. z.: Marchwicki. Verantwortlicher Schriftleiter: Rechtsanwalt Dr. Oho ne, Posen. Für den Anzeigenteil verantwortlich: Leo Eisig, Posen* Druck D. Goldberg, Posen.

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