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Mitteilungs-Blatt des Jüdischen Volksrats Posen · 1919-08-01 · 7 (8.1919) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungs-Blatt des Jüdischen Volksrats Posen
Volume
1 (1919)
Issue
7 (8.1919)
Date
1919-08-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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ITT E1LUNGS-B L ATT DES IÜDISCHEN VOLKSRATS POSEN S7V7D(s^^§^^6^7D<s^7D(s^7D(s7V7D<§IV7D(s^^67V7D(Z^^(27V7D(s7V^O(2^V7DÄ^^6^D(2^7DS7V7D§^D(2^7D(§^ Adresse der Redaktion: Posen, Berlinerstr. 5[I Fernsprecher Nr. 1736. ZWANGLOS ERSCHEINENDE HEFTE HlilllilfllllilllllllH Verlag und Expedition: JÜDISCHER VOLKSRAT POSEN. Büro des jüdischen Volksrats: Posen, Berlinerstr. 511 Fernsprecher Nr. 1736. Nummer 7. POSEN, August 1919 — 5679 Ab. 1. Jahrgang. Nachdruck sämtlicher Aufsätze nur mit Quellenangabe gestattet. Empfang des Jüdischen Volksrats bei der amerikanischen Untersuchungskommission in Warschau. Am 18. und 19. Juli wurden als Vertreter des Jüdischen Volksrats zu Posen die Herren Oberrabbiner Dr. Freimann und Rechtsanwalt Dr. Rollen scher von dem Botschafter Morgenthau zu Warschau empfangen. Herr Morgenthau steht bekanntlich an der Spitze der vom Präsidenten Wilson nach Warschau gesandten amerikanischen Kommission, welche die polnisch-jüdischen Beziehungen untersuchen soll. Unsere Vertreter haben über die Verhältnisse in Stadt und Provinz Posen eingehend Vortrag gehalten. Die An Wesenheit in Warschau ist ferner zu Verhandlungen mit dem einstweiligen jüdischen Nationalrat und mit den jüdischen Abgeordneten zum Sejm benutzt worden. Diese Verhandlungen haben die vollständige D eberein Stimmung unserer Politik mit der von den massgebenden jüdischen Stellen in Warschau geführten ergeben. Vor der Reise der Herren Dr. Preimann und Dr. Rollenscher nach Warschau hatte der Abgeordnete Farbstein aus Warschau dem Jüdischen Volksrat einen Besuch abgestattet, über die politische Lage ausführlich berichtet und unsererseits Informationen entgegengenommen. Auch der Abgeordnete Halpern hat gelegentlich seiner Anwesenheit in Posen den Jüdischen Volksrat besucht. Am 19. August hat der Abgeordnete Rechtsanwalt Hartglass bei uns vorgesprochen. Preffe und Minorit ätenfchutz Die unermeßliche Fülle von Wut und Haß, von der wir Juden umgeben lind, bildet das würdige Erftlings-Kulturprodukt, auf das jene Klique gewissenloser Zeitungsfchmierer, welche ihre Lebensaufgabe in der täglichen Verhetzung der verschiedenen Bevölkerungsgruppen fieht, ftolz und siegreich — wie Pyrrhus — blicken darf. Mit umfo größerer Dankbarkeit müssen wir Juden die politische Weltanschauung begrüßen, deren praktisches Ergebnis der Staatsvertrag über den Schutz der Minoritäten gewesen iss. Der Schutz der Minoritäten iss der krassesse Hiederschlag der Idee von der Freiheit des Individuums und der individuell zufammengehörigen Gruppen. Schon lange vor Wilson find die hier einschlägigen Gedanken gedacht und niedergefchrieben worden. Aber ihm gebührt das unvergängliche Verdienss, den Anfang der Verwirklichung jener Weltanfchauung über das Verhältnis von Staat und Volk unternommen zu haben. Er hat es vor allen Dingen verbanden, feine Ideen zu popularisieren und sie auch dem weniger Gebildeten menfchlich nahe zu bringen, Tief beschämend iss es allerdings für jeden deutschen Juden, daß kürzlich in der Generalversammlung des Zentralvereins der Antrag des Professors Dr. Karl Lewin, der Zentralverein folle „jeden Versuch, aus dem Bekenntnis der Zugehörigkeit zum jüdischen Volke eine Beeinträchtigung der vollen staatsbürgerlichen Gleichberechtigung herzuleiten, aufs entfchiedenfte bekämpfen“ nicht nur abgelehnt wurde, sondern daß man über den Antrag zur Tagesordnung überging. Aber schließlich werden auch diefe Herren einmal mehr oder weniger fanft aus ihrem tiefen, reaktionären Schlummer aufgerüttelt und von der Sonne der Aufklärung belchienen werden. Wenn früher jemand forderte, die Polen müßten innerhalb des Deutschen Reiches ihre national-kulturelle Autonomie haben, oder wenn jemand gar diefe Forderung für die Juden in Rußland erhob, dann hielt man ihn für einen politisch nicht ernss zu nehmenden Ideologen, vielleicht gar für einen Landesverräter. Gewiß iss das Ideal für eine Staatsverwaltung der nationale Einheitsstaat. Aber dieses Ideal

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