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Mitteilungs-Blatt des Jüdischen Volksrats Posen · 1919-05-01 · 4/5 (Mai/Juni 1919) · p. Seite 59

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Journal
Mitteilungs-Blatt des Jüdischen Volksrats Posen
Volume
1 (1919)
Issue
4/5 (Mai/Juni 1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 59 (sequence 21)
Language
German
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Hr. 4/5 Seite 59 Mitteilungs-Blatt des Jüdischen Volksrats Aus unserer Urkundenmappe. Bekanntgabe der Eintragung der Genoflenlchaftsbank. 19 Gn. R. 152/2. In unser Genossenschaftsregister ist heute unter Nr. 152 die Genossenschaft „Jüdische Genossenschaftsbank, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht“ mit dem Sitze in Posen eingetragen worden. Gegenstand des Unternehmens ist der Betrieb von Bankgeschäften zum Zwecke der Förderung des Erwerbs und der Wirtschaft der Mitglieder durch Beschaffung der hierfür erforderlichen Geldmittel. Die Haftsumme beträgt Mk. 500.—, die höchste zulässige Zahl der Geschäftsanteile 20. Vorstandsmitglieder sind die Kaufleute Benno Becher, Leo Kollenscher und Moritz Rothstein, sämtlich in Pnsen. Die Satzung ist am 26 März 1910, ein Nachtrag dazu am 23. April 1919 errichtet* Bekanntmachungen erfolgen in den Posener Neuesten Nachrichten durch den Vorstand in der Weise, dass zwei Mitglieder unter die Firma der Genossenschaft ihre Unterschriften setzen, durch den Aufsichtsrat, indem der Vorsitzende oder sein Stellvertreter unrer die Firma d:r Genossenschaft den Zusatz „Der Aufsichtsrat“ und darunter seinen Namen setzt. Willenserklärungen und Zeichnungen erfolgen durch die gemeinschaftliche Namensunterschrift zweier Vorstandsmitglieder. Amtsgericht Posen, den 29. April 1919. Rundschreiben an die Synagogengemeinden und Vertrauensleute betreffend Wirtschaftsfragen. Posen, den 14. Mai 1919. Bei der Provinzial - Tagung des Jüdischen Volksrats am 9. April 1919 in Posen, bei der 32 jüdische Gemeinden vertreten waren, sind wichtige Fragen wirtschaftlicher Natur zur Besprechung gekommen, die eine einheitliche Stellungnahme im Interesse des gesamten jüdischen Wirtschaftslebens in der Provinz wünschenswert erscheinen lassen. Um diese zu ermöglichen, genügt es nicht, dass Anregungen, Beschwerden und Meinungsäusserungen von Einzelkaufleuten an uns gelangen. Bei der Verschiedenartigkeit der Interessen örtlicher Art und innerhalb der einzelnen Geschäftszweige ist die Bildung von Wirtschaftsausschüssen in den Ge- * meinden der Provinz unbedingt erforderlich. Hierbei ist darauf zu achten, oas> in diesen Ausschüssen möglichst alle am Platze vorhandenen wichtigen Geschäftszweige vertreten sind. Wir bitten Sie, auch in Ihrer Gemeinde baldigst einen solchen Wirtschaftsausschuss zn bilden und uns den Namen des Vorsitzenden mitzuteilen. Für die Tätigkeit der Wirtschaftsausschüsse liegt zur Zeit folgendes Material vor: 1. Eintragung aller jüdischen Kaufleute ins Handelsregister. 2. Stellungnahme zu der vorgeschlagenen Gründung von Einkaufsgenossenschaften. 3. Bericht über etwaige Missstände bei der Verteilung der der Zwangswirtschaft unterliegenden Waren, Bezüglich der ersten beiden Gegenstände verweisen wir Sie auf beifolgende Anlagen und bitten Sie; uns Ihren Bescheid recht bald zukommen zu lassen. Hochachtungsvoll Der geschäftsführende Ausschuss. Die Wirtschaftskommission. Anlage 1. Eintragung in das Handelsregister. Der schwere wirtschaftliche Kampf, der den Juden in unserer Provinz bevorsteht, zwingt die jüdische Kaufmannschaft, mit allen gesetzlichen Mitteln die hervorragende Stellung aufrecht zu erhalten, die sie bisher im Handel der Provinz Posen und in seiner amtlichen Vertretung, der Handelskammer, hatten. Es wird nun, wie uns berichtet wird, versucht, das zablenmässige Uebergewicht der Juden in der Handelskammer dadurch zu beseitigen, dass eine Menge kleiner nicht jüdischer Gewerbetreibenderbestimmtwird, ihre Firmen in das Handelsregister einzutragen und damit Mitglied der Handelskammer zu werden. Dem muss entgegengetreten werden. Einegrosse Anzahl jüdischer Kaufleute in der Provinz, namentlich in kleinen Städten, hat kaufmännische Betriebe, die nach Art und Umfang weit über das Kleingewerbe hinausgehen. Diese Kaufleute scheuen sich vielfach, wegen der damit verbundenen Kosten die Anmeldung zum Handelsregister zu bewirken. Die Kosten der Eintragung sind jedoch ganz unbedeutend, und die Beiträge zur Handelskammer betragen nur einen geringen Prozentsatz der staatlichen Gewerbesteuer. Es wird auch von den eingetragenen Kaufleuten nicht etwa eine besonders schwierige Buchführung erfordert, vielmehr nur die Führung von Büchern, die einen Ueberblick über den Geschäftsbetrieb geben, wie sie auch tatsächlich jeder Kaufmann führt. Andererseits aber gemessen die Kaufleute alle Vorzüge, welche das Handelsgesetzbuch Kaufleuten zubilligt (so z. B erhöhte gesetzliche Zinsen, Anspruch auf Zinsen im weiteren Umfange als Nichtkaufleute, erweitertes Zurückbehaltungsrecht u. s. w,). Diejenigen Kaufleute, deren Geschäft nach Art und Umfang über das Kleingewerbe hinausgeht, sind aber verpflichtet, ihre Eintragung in das Handelsregister zu bewirken Hierüber bitten wir dringend, die in Frage kommenden Handelskreise zu belehren und umgehend Listen einzusenden. Ä. der jetzt ins Handelsregister eingetragenen Kaufleute, (dies kann beim zuständigen Amtsgericht festgestellt werden). B. der nach den obigen Grundsätzen hoch einzutragenden Kau fleute. Da mit einer Auflösung des jetzigen Handelskammervorstandes und einer alsbaldigen Neuwahl zu rechnen ist, bitten wir, der für unsere Kaufmannschaft äusserst wichtigen Angelegenheit Ihr besonderes Interesse zu widmen. Anlage 2. - Gründung von Einkaufsgenossenschaften. Es ist bei uns die Gründung von Einkaufsgenossenschaften angeregt worden, da es feststeht, dass andere Handelskreise bestrebt sind, durch Gründung von Genossenschaften -den kaufmännischen Mittelstand zu stützen und des weiteren grosse Aktiengesellschaften zu schaffen, die in möglichst viel kleinen Städten Zweigniederlassungen einrichten. Dadurch entsteht für die Juden die grosse Gefahr, dass die Konkurrenz, weil sie kapitalskräftiger ist, auch im Einkauf günstiger gestellt wird. Dieser Gefahr sollen nun die jüdischen Einkaufsgenossenschaften begegnen. Es wird jedoch das grösste Gewicht darauf gelegt, dass der jüdische Kaufmann an sich vollkommen frei bleibt, sodass er auch bei Bestehen der Genossenschaft dort einkaufen kann, wo er es im Augenblick .wirtschaftlich für am besten hält. Daneben aber soll die Genossenschaft durch den Einkauf in grossen Mengen den jüdischen Kaufleuten die Möglichkeit bieten, die allgemein übliche Handelsware zu denselben oder zu billigeren Preisen einzuKaufenl als es bei der Konkurrenz der Fall ist. Es wurde vorgeschlagen, dass entweder für jeden Geschäftszweig eine besondere Genossenschaft gegründet wird, für die dann wieder eine Zentrale zu schaffen ist, die mit der Jüdischen Genossenschaftsbank in Geschäftsverkehr bleibt; oder es soll eine einzige Genossenschaft gegründet werden, die in verschiedene, nach den Geschäftszweigen gesonderte, Unterabteilungen zerfällt. Wir bitten den dort zu bildenden Wirtschaftsausschuss, sich möglichst bald mit allen in Betracht kommenden Kauf- und Handelsleuten in Verbindung zu setzen und uns über folgende Fragen zu berichten : 1. Erscheint die Schaffung von Einkaufsgenossenschaften erwünscht? 2. Wird der augenblickliche Zeitpunkt für die Gründung für geeignet gehalten? 3. ln welcher Art soll die Einkaufsgenossenschaft gegründet werden? Wir bitten, den Beantwortungen der obigen Fragen Begründungen beizugeben. Wir weifen darauf hin, daß nach dem Belchluß der Provinzialtagung vom 9. April 1919 am 1. Montag eines jeden Monats nachmittags 6 Uhr in unteren Gefchäftsräumen eine Sitzung des gelehäftsführenden Auslchuffes ftattfindet, zu der die Gemeinden der Provinz, die untere Mitglieder find, Zutritt haben. Besondere Einladungen ergehen nicht. Der gefchäftsführende Auslchuß.

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