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Mitteilungs-Blatt des Jüdischen Volksrats Posen · 1919-04-01 · 3 (4.1919) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungs-Blatt des Jüdischen Volksrats Posen
Volume
1 (1919)
Issue
3 (4.1919)
Date
1919-04-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Ein Wanderer sah, da er von Ort zu Ort zog, einen grossen, herrlichen Palast in hellen Flammen stehen, und niemand achtete des Feuers und niemand löschte den Brand. Da sprach er verwundert: „Sollte man . nicht meinen, dass dieser Palast herrenlos sei?" Doch schliesslich zeigte sich ihm der Herr des Palastes und gab sich als Eigentümer zu erkennen. So lehrt der Midrasch des ewigen Gottes oft unsichtbares Walten. * „Knechte waren wir dem Pharao in Aegypten, aber der Ewige, unser Gott, hat uns mit starker Hand und ausgestrecktem Arm von dort herausgeführt." Mit 70 Seelen ward Jakob nach Aegypten gezogen : dort aber vermehrten sich seine Nachkommen so sehr, dass Angst und Abscheu die Aegypter erfasste. Durch Bedrückung und Knechtschaft, ja, durch Kindermord selbst suchten sie Israels Zahl zu vermindern. Doch ohne Erfolg. „Je mehr sie Israel drückten, desto mehr vermehrte es sich und breitete es sich aus." Aber schwer lastete Pharaos Hand auf Israel; ihr Leben ward verbittert, alle Hoffnung war geschwunden, keine Befreiung, keine Rettung schien möglich, ihr Untergang — gewiss; denn von Tag zu Tag schwerer, von Jahr zu Jahr unerträglicher wurde die Knechtschaft. Und nirgends war der Ewige zu sehen, nirgends der Väter Hott zu spüren. Er schien sie verlassen zu haben, preisgegeben dem Drucke Pharaos. Schliesslich aber, nach Jahrhunderten, hört Gott ihr Flehen und gedenkt des mit den Vätern geschlossenen ewigen Bundes. Mose wird ausgesandt, dem Volke als Retter zu nahen. Aber, haben die Geknechteten noch die Kraft, ihrer Seele Schwingen zu regen und an die Befreiung zu glauben? — Zu verheerend hat die Knechtschaft auf sie eingewirkt. „Sie hörten nicht auf Mose vor Kleinmut und schwerer Arbeit". Und wird Pharao in die Forderung willigen und die Sklaven ziehen lassen? —Zu lange schon hatte er sich ihres Dienstes erfreut und ihre Arbeit ausgenützt. Da er die Botschaft vernimmt, erschwert er noch mehr des Volkes Last, und klagend ruft der Führer aus: „0 Herr, warum hast du diesem Volke Böses getan? warum hast du mich gesandt? Da ich zu Pharaö kam, in deinem Namen zu reden, behandelte er dieses Volk noch schlimmer; gerettet aber hast du dein Volk; nicht."* Gott aber erwidert und spricht: „Nun — jetzt gerade —wirst du sehen, was ich an Pharao tun werde." Und ob auch alle Hoffnung geschwunden war, wurde doch die Gotteswaltung sichtbar: Israel ward nicht nur Befreiung zuteil, sondern auch die seelische Kraft und die geistige Erhebung, die es befähigten, als Gottesvolk am Sinai zu stehen und unsterblich durch die Geschichtezu wandeln. — So lehrt der Auszug aus Aegypten des ewigen Gottes oft unsichtbares Walten. * * * „Nicht einer nur stand gegen uns auf, uns zu vernichten: sondern in jedem Geschlechts erhob man sich gegen uns, um uns zu vertilgen." Feinde über Feinde, Dränger und Verfolger, Vernichter und Zerstörer kamen über Israel; und oft im Wandel der Geschichte schien es, als ob Jakobs Söhne zugrundegehen müssten, als ob für sie keine Aussicht, keine Möglichkeit mehr bestünde, sich als Volk aufrechtzuerhalten. Immer abef. wenn alle Hoffnung geschwunden, war doch Gott als Retter erschienen. Israel, das schwache und winzige Volk, so oft schon dem Tode geweiht und dem Untergange preisgegeben, es lebt und besteht noch immer, lebt vielleicht kräftiger und hoffnungsfroher denn je, während seit den Tagen des Altertums ungleich kraftstrotzendere und blühendere Völker spurlos vom Schau platze der Geschichte verschwunden sind. Dafür haben die Männer der grossen Synode, „der Gottesherrlichkeit wieder den alten Glanz verleihend“, unserem täglichen Gebete ein deutliches Symbol eingefügt. Mose, der Sendbote der ägyptischen Befreiung, hat gebetet: „Grosser, mächtiger und erhabener Gott!“ Jirmijahu aber der Prophet, und Daniel, der Gottesmann, die Zeugen des Niedergangs und der Zerstreuung, haben nur gesagt: „Grosser Gott!" Doch die Männer der grossen Synode, die aus Babylons Verbannung fröhlich heim kehrten, haben von neuem den Ruf erhoben: „Grosser, mächtiger und erhabener Gott!" „Denn," sprachen sie, „das ist doc.i wahrlich ein Zeichen seiner Macht, das wahrlich ein Beweis seiner Erhabenheit, dass ein Volk, so schwach wie Israel, vor so vielen mächtigen Nationen bestehen kann." So lehrt die Geschichte Israels, des unsterblichen Volkes, des ewigen Gottes oft unsichtbares Walten. * * ' : , * „Das ist's, was unsern Vätern beigestanden und uns." ln den letzten Jahren, da eine Welt in Flammen stand und dem Menschengeiste der tausend- und. millionenfach gehäufte Jammer ganz unfassbar und unbegreiflich schien,

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