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Mitteilungs-Blatt des Jüdischen Volksrats Posen · 1919-02-01 · 1 (2.1919) · p. Seite 12

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Journal
Mitteilungs-Blatt des Jüdischen Volksrats Posen
Volume
1 (1919)
Issue
1 (2.1919)
Date
1919-02-01
Page
Seite 12 (sequence 14)
Language
German
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S^ite 12 Mitteilungs-Blatt des Jüdischen Volksrats Nr. 1» (Erster Aufruf des Jüdischen Volksrats. Jüdische Mitbürger! Ein jüdischer Volksrat zur Wahrung der rationalen und persönlichen Rechte der Juden in Stadt und Land Posen ist gebildet. Jüdische Mitbürger! Wendet Euch an uns in allen Fragen, die den Schutz Eurer Rechte, Freiheit und Sicherheit betreffen. Jüdische Soldaten! Sagt uns alle Eure Sorgen, und verständnisvoller Rat und Hilfsbereitschaft sind Euch sicher. An der allgemeinen Bürgerwehr nehmen wir teil Unser Büro befindet sich Berlinerstrasse Nr. 5ü (Fernsprecher 1576) und ist den ganzen Tag geöffnet. Jüdischer Volksrat Posen. Gemeinschaftliches Flugblatt des Jüdischen und Polnischen Volksrats. An unsere polnischen Mitbürger! Der Waffenlärm aus den Strassen Pose ns ist geschwunden Es besteht die Gefahr, dass eine starke Verbitterung zurückbleibt. Diese Gefahr wird gesteigert durch die falschen Berichte Berliner Blätter über die hiesigen Vorgänge. Wir sind diesen übertriebenen und großenteils unwahren Berichten sofort entgegengetreten und werden in Zukunft gleichfalls allen Entstellungen hiesiger Vorgänge entgegentreten. Auch an dieser Stelle weisen wir wiederholt darauf hin, dass die Ausbreitungen keinen Pogromcharakter getragen haben. Wir haben auch das feste Vertrauen, dass bei den hiesigen Vorgängen eine derartige Absicht nicht bestanden hat. Um so mehr halten wir es für erforderlich, dass auch den Gerüchten aufs Schärfste entgegeugetreten wird, die geeignet sind, bei unseren polnischen Mitbürgern eine feindliche Stimmung gegen die jüdische Bevölkerung zu erzeugen. Polnische Mitbürger! Bekämpft alle diesen falschen Gerüchte, die von einer durch nichts erwiesenen und nicht vorhandenen Feindselig, eit der jüdischen Bevölkerung gegen über der polnischen sprechen! Diese Gerüchte dienen nur dazu Verbitterung und Misstrauen zu schaffen. Wenn Ihr zum Wohle des Ganzen die Ordnung herstellen und mit uns in Frieden leben wollt, so sorgt für Schutz von Person und Eigentum aller Mitbürgern und zei-t durch die Tat, was Eure Führer uns versichert haben, dass Ihr bereit seid, mit uns in Eintracht zu leben. Wir sind dazu bereit. Posen, den 5. Januar 1919. jüdischer Volksrat. Gegen die Verleumdungen! Es wimmelt in der deutschen Presse von unbegründeten und tendenziösen Mitteilungen über die letzten Posener Ereignisse. Unter anderem schrieb das ,Berliner Tageblatt*, die Synagoge sei während des Gottesdienstes beschossen worden und es seien hierbei, eine Anzahl Juden verletzt worden, ln einer anderen Nummer wurde berichtet, dass die Polen in Posen Judenpogroms veranstaltet haben. Auch <ias Woiff’sche Telegraphenbüro in Berlin hat sich diese Unwahrheiten zu eigen gemacht. Wir stellen fest, dass alles dies ungeheuerliche Lügen sind, bewusst darauf berechnet, die Polen als kulturloses Volk hinzustellen. Zur Brandmarkung dieser Lügen berufen wir uns auf das Zeugnis der Juden selbst und insbesondere des Jüdischen Volksrats, der in dem nebenstehenden Aufruf die genannten Mitteilungen als unwahr bezeichnet. Der Jüdische Volksrat ist bemüht gewesen, die Darstellungen in den Berliner Blättern richtig zu stellen und will in Zukunft darauf hinwirken, das$ derartige Verleumdungen verhindert und wahrheitsgemäße Darsiellungeri gegeben werden, Wir unsererseits stellen bei dieser Gelegenheit erneut fest, das das polnische Volk wie in der Vergangenheit so auch weiterhin den Juden volle Toleranz und Gleichberechtigung ge w äh rle ist et. Wie den anderen nationalen Minderheiteil, so billigen wir auch dem jüdischen Volke volle Gleichberechtigung zu. Indem wir das versichern, berufen wir uns auf unsere Geschichte, von ihrem Anfänge bis zur ewig denkwürdigen Konstitution vom 3- Mai 1791, sowie auf die gegenwärtigen Anschauungen und Ueberzeugungen und den wahren Willen unseres polnischen Volkes, vor allem auch auf den in dieser Hinsicht vom polnischen Landtage vom 4. Dezember 1918 gefassten formellen und feierlichen Beschluss Zwar haben die unwahren und tendenziösen Nachrichten der deutschen Presse eine verständliche und tiefgehende'Entrüstung in unserer Gemeinschaft wachgerufen Wir haben jedoch von der massgebenden jüdischen Instanz, dem Jüdischen Volksrate, die Versicherung, dass die Juden nichts Gemeinsames mit der Verbreitung der falschen Nachrichten haben und diesen Nachrichten?ntgegentreten werden. Wir wenden uns daher an alle Polen mit der dringenden Aufforderung, den Kampf gegen die unsere Nationalehre berührenden und grundlosen Anschuldigungen zu erleichtern. Man muss daher unbedingt und absolut alles vermeiden, was unseren Feinden auch nur einen Vorwand geben könnte, Waffen gegen uns zu schmieden. Vor allem verbreitet nicht grundlose Nachrichten und wiederholt nicht leere Gerüchte über die Juden. Indem wir alles, was die nationalen oder religiösen Leidenschaften entfachen oder reizen kann oder die Empfindungen anderer beleidigen könnte, vermeiden, werden wir den glänzenden Ueberlieferungen unserer Vergangenheit treu bleiben, v erden wir den Beschlüssen unseres Landtages gerecht werden und gleichzeitig für das künftige staatliche Gedeihen des erstehenden Polens arbeiten. Posen, den 5. Januar 1919. Polnischer Volksrat. Die Unterzeichneten Volksräte werden von nun ab in gemeinsamer Arbeit bemüht sein, die gegenseitigen Beziehungen zwischen der polnischen und jüdischen Bevölkerung zu regeln und dadurch ein für beide Teile gedeihliches Verhältnis aufrecht zu erhalten. - Posen, den 5. Januar 1919. Polnischer Volksrat. jüdischer VolksraU Verantwortlicher Schriftleiter: Rechtsanwalt Dr. Oho ne, Posen. Für den' Anzeigenteil verantwortlich: Leo Eisig, P' nv Druck D. Goldberg, Posen.

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