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Israelitische Schulzeitung · 1882-11-01 · 11 (11.1882) · p. Seite 44

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Journal
Israelitische Schulzeitung
Volume
1 (1882). Bestand LBI
Issue
11 (11.1882)
Date
1882-11-01
Page
Seite 44 (sequence 4)
Language
German
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— 44 — Ziehungen zur zweiten Heimath geworden war. Vor zwei Jahren traf ihn ein Schlaganfall, von dem er sich nicht ganz wieder erholt hat. Noch in diesem Sommer suchte er Stärkung in der Heilquelle zu Ems. Anscheinend wohl kam er zurück, um sich kurz darnach auf das Krankenbett zu legen, von dem er nicht wieder erstehen sollte. Eine Lungenentzündung raffte ihn nach dreiwöchiger Krankheit dahin. Er stand im 72. Lebensjahre und hinterläßt seine Wittwe und seine Kinder in wohlsituirten Verhältnissen. Der Verstorbene hatte sich für den Lehrerstand und alles, was ihn betrifft, das regste Interesse bewahrt, gern versah er an den hohen Festtagen einen Theil der Vorbeterfunktionen, er hat auch mehrere Jahre das Amt des Rechnungsführers in unserer Gemeinde verwaltet. Er war wegen seines leutseligen, biedern und bescheideneu Wesens sehr beliebt und geachtet, darüber herrscht in unserer Gemeinde wie im christl. Publicum und besonders unter seinen Nachbaren nur eine Stimme. Dieser gab auch der Lehrer der jüd. Gemeinde am Grabe Ausdruck unter Zugrundelegung von Jes. 57 N2X pNLN „Em Braver ist heimgegangen." Möge die Erde ihm leicht sein! nasjri. Aus Würtemberg. Die heurige Plenarversammlung des israel. Lehrer- und Unterstützungsvereins in Württemberg ist ausgefallen, weil in der Ernteoakanz die ersten Mitglieder des Ausschusses gesundheitshalber aus Kurplätzen waren; am 10. October aber wurde eine Ausschußsitzung abgehalten; der Ausschuß von sieben Delegirten, war bis auf Herrn Lehrer Preßbürg er von Lepingen, der wegen Krankheit abgehalten war. vollzählig. Der Vereinsvorstand Herr Lieb mann theilte die verschiedenen Einläufe mit. Hocherfrculich wares, daß Ihre beiden Königl. Majestäten in hoher Munificenz dem üiiterstützungsoerein Gaben zuwendelen; Seine Majestät König Karl 50 Mk., Ihre Majestät Königin Olga 45 Mk. und ließen demselben ihre Gewogenheit aussprechen. Vom Vorstande des allgemeinen paritätischen Volksl hrer- und Untere ftützungsverein in Württemberg wurde ein Dankschreiben für die ihm überwiesenen 50 Mk. zu Unterstützungszwecken verlesen. Der Vereinskassier L. Stern trug den Rechenschaftsbericht vom Jahre 1881 vor; Unterstützungen wurden vkra'areicht 920 M. das Vereinsvermögen beträgt 23087 M. 45 Pf. und hat um 2025 M. 46 Pf. zugenommen. Dem Cassier wurde Decharge ertheilt und für seine ausgezeichneten, opferwilligen Leistungen der wohlverdiente Dank ausgesprochen Die Tagesordnung führt zu Berathung und Feftellung der nächstjährigen Tagfahrt ter Plenarversammlung. Da der Mißstand sich herausgestellt, daß die Plenarversammlungen in der Erntevakanz lückenhafte Frequenz durch die Abwesenheit solcher Mitglieder bietet, die sich gesundheitshalber an Kurorten besinden, wird beschlossen: die Plenarversammlung je ln beu Herbstserien zu veranstalten und die Einberufung dem engeren Ausschüsse zu überlassen. Für die Volksschulen Württembergs besteht seit 21. Mai 1870 ein gesetzlicher Normal-Lehrplan, — Blg. III. — in welchem der israel. Neligions - Unterricht normirt ist und die Königl. israel. Oberkirchenbehörde hat unter dem 8. Juni 1870 eine besondere Instruktion für die jüdischen Unterrichtsfächer erlassen. Durch die in 12 I ihren gemachten Erfahrungen ist dieser Lehrplan der Revision bedürftig und da dieser nur auf die Volksschulen berechnet ist, so wäre einweiterer für die specisischen R.ligionsschulen und für die Schüler der Real-, höheren Töchterschulen und Gymnasien zu entwerfen. Herr Walsenvater und Seminarlehrer Stern aus Eßlingen wird über diesen Gegenstand in der nächsten Plenarversammlung Thesen aufstellen und einen Vortrag halten; die gefaßten Beschlüsse werden höher» Orts vorgelest werden. — Die Frequenz der israel. Waifenanstalt Wilhelmspflege in Eßlingen ist auf 48 Zöglinge gestiegen, dabei erhalten noch die Schulamtszöglinge Kost und Wohnung in der Anstalt, die nöthige bauliche Erweiterung der Anstalt ist vollendet und der neue Betsaal, in dem alltäglich Gottesdienst abgehalten wird, ist dem frommen Zwecke schon überwiesen und eröffnet worden. Feuilleton. Aus dem Spruchschatz des Talmud. Poetisch übertraqen von M ax Weinberg.. (Fortsetzung.) 57. Der Landmann in der Arbeit Drang, Hat Acht nicht auf der Lerche Sang. 58. Wer hungrig ist und Brod hat, Gleicht dem nicht, der dran noth hat. 59. Wer ist der reichste Mann hienieden? „Wer mit dem, was er hat, zufrieden." — Wer ist der Starke, der nicht unterliegt? „Wer eig'ne Leidenschaft besiegt." — Und weißt Du wer ein weiser Mann? „Der weiß, daß er von Jedem lernen kann." Doch ei'qner Ehren hält man den nur werth? „Wer auch den Nächsten schätzt und ehrt." 60. Wo Fische selten, Auch Fischchen gelten. 61. Königs Knecht, Königs Recht. 62. Das nenn' ich klüglich weilerstreben: Vier Sou die. Haut und vier dem Gerber geben! 63. Wen ein Filou den Mund geküßt. Zähl', ob er keinen Zahn vermißt. . 64. Unweise handelt, wer da nicht erwägt. Daß den Priester aufschreckt, wer den Götzen schlägt. 65. Was mehr als zwei betreiben, Wird's wohl Geheimniß bleiben? — 66. Was eines Lammes Magen füllt Noch nicht des Löwen Hunger stillt. 67. Wenn Hunger herrscht in Deinem Lande, So knüpfe keine Ehebande. 68. Nicht nur vor Gott erscheine rein, Auch vor den Menschen sollst Du's sein. 69. Auch selbst des Wissens bar, Respect dem Mann von Jahren, Denn wenn er auch nichts werß. So hat viel er doch erfahren. 70. Wer Unrecht thun gescheut hat. Niemals es wohl bereut hat. 71. Was Du im höchsten Schmerz gesprochen. Läßt Gottes Milde ungerochen. 72. Ob noch so schwer des Lebens Bürde, Vergiß nie Deine Menschenwürde. 73. Auch mit des Bösen Sippschaft, Vermeide alle - Liebschaft. 74. Wenn Riese sich mit Riesin paart. Was anders giebts als Heldenart? 75. Träger Bote, halber Prophet, Weiß schon Antwort, eh' er geht. 76. Wenn Meister spricht und Jünger spricht, Wein glaubt man und wem glaubt man nicht? 77. Der Trinker sieht auf den Becher, Der Schenke aus beu Zecher. 78. Auch unter Dornen selbst und in der Dornen Land, Tie Myrthe Myrthe bleibt und wird dafür erkannt. 79. Von Bösen mache früh Dich lvs, Hund schlechter Race zieh' nicht groß. (Fortsetzung folgt.) PeranlworlUcher Rebacreur Dr. 'Jialjmer in Magdeburg. Druck von H. Hvrbach in Barby. Perlag von Robert Friese in Leipzig.

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