Israelitische Schulzeitung
- Journal
- Israelitische Schulzeitung
- Volume
- 1 (1882). Bestand LBI
- Issue
- 10 (10.1882)
- Date
- 1882-10-01
- Page
- Seite 40 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 40 — Schulnachrichten. Breslau. Ein Mißstand, der sich bei fast jeder jüd. Religionsschuleherausstellt, ist bekanntlich die Collision mit Privatstudien, vr. Ioel spricht sich in seinen jüngsten Jahresbericht wie folgt darüber aus: „Das Recht darf ein Unterricht in der Religion für sich in Anspruch nehmen, daß er den Vortritt hat vor allem, was nicht obligatorisch von den Schülern gefordert wird. Man tritt im Geringsten nicht den Künsten und Fertigkeiten zu nahe, die neben den obligatorischen Gegenständen zur Zierde des Lebens der Jugend beigebracht werden, wenn man behauptet, daß an den Schmuck erst gedacht werden darf, wenn das Unerläßliche beschafft ist. Was dem Leben Halt und Stütze gemährt, was die Jugend vorbereitet, dem Leben in seinen Wandlungen ein demüthiges und doch auch tapferes Herz entgegenzubringen, was sie zur Pflicht erzieht und ihr das Leben in etnem edleren Lichte zeigt durch seine Verbindung mit einem Ewigen und Übersinnlichen, kurz, die Religion sie muß als Erziehungsgegenstand höher stehen als das, was nur zu Annehmlichkeit oder zum äußeren Schmucke dient, so wenig auch das zu 'verschmähen ist. Auch in einer andern Beziehung wäre eine tiefere Erfassung des Werthes, den der Religionsunterricht hat, zu wünschen. Es ist die Einsicht nicht verbreitet genug, daß wohl das Kindesalter das allein geeignete sei für alles, was in der Religion Gedächtnißsache ist, daß aber ein eigentliches Verständniß der Lehren der Religion nur einem Alter vermittelt werden kann, an dessen Denkkraft schon einigermaßen Ansprüche zu stellen möglich ist. Sollte uns das nicht veranlassen, gerade dem Lebensalter von 14—16 Jahren nicht das zu entziehen, was es früher überhaupt nicht sich aneignen kann? Ich weiß wohl, tungszeit ihrer Kinder für das Leben so lange auszudehnen, daß gar viele Eltern nicht in der Lage sind, die Vorbereirede aber von solchen, welche den Religionsunterricht den einzigen sein lassen, den sie um seine besten Jahre kürzen. Sie vergessen, daß selbst bei begabten Kindern eine gewisse Geistesreife nicht vor den Jahren kommt, so daß sich das Pensum der späteren Jahre unmöglich in die früheren Hineinpressen läßt." (Jüdische Fortbildungsschulen thun noth. Red.) Ans der Pfalz wird zur Characterisirung des Verfassers der zwei Broschüren: „Die historische Weltstellung und die religiöse Weltstellung der Juden" von Dr. E. F. H emann mitgetheilt, daß besagter Hemann ein Sohn des vor ungefähr 40 Jahren sammt seiner Gattin Frummet, einer geb. Goldschmidt, unter dem Einflüsse des damaligen pietistischen Subrektors D., zum Protestantismus übergetretenen jüdischen Lehrers Hirsch David zu Grünstadt ist. Elftere kehrte nach mehreren Jahren renmüthig zu ihrem jüdischen Glauben zurück, in Frömmigkeit und Gottergebenheit ihr Lebensschicksal bis zu ihrem Tode beklagend. Ihr Grabstein auf dem jüdischen Friedhof zu Grünstadt erzählt in wenigen Worten ihre Lebens- und Leidensgeschichte. David alias Hemann siedelte alsbald nach Basel über und übernahm dort das Amt eines Missionärs; auch einige seiner Söhne gehören heute dem geistlichen Stande an. Pest. Der „Ung.-Jsr." bringt wiederholt an der Spitze seines Bl. in fetter Schrift folgende Mittheilung: „Und Ignaz Führer, der Talmudverächter und Judenfeind, ist noch immer Lehrer ander Uebungsschule der israel. Lande s- Lehrer-Präparandie." Was sind das für Zustände? Paris. Arbeitsschule. — Zwei an dieser Schule von der Alliance placirte Zöglinge, Namens Emanuel Kowo und Rissim Papo, haben, der erste eine Broncemedaille erster und der zweite eine solche zweiter Klasse, bei dem jährlichen Concours für geometrische und industrielle Zeichnung an der Municipal-Zeichenschule der Stadt Paris erhalten. Feuilleton. Aus dem Spruchschatz des Talmud. Poetisch übertragen non Max Weinberg. (Fortsetzung.) 41. Wer über seine Kraft verwendet, Ob noch so wenig, der verschwendet. 42. Zähl' Deines Lebens trüben Stunden Erst nach, wenn Du sie überwunden. 43. Unkraut, auch ungepflegt, gedeiht. Doch Frucht will Pflege, Schutz und Zeit. 44. Ein Arzt, der keinen Lohn begehrt, Ist selten großen Lohnes werth. 45. Beim Geben, Trinken und im Zwist, Da zeigt der Mensch sich, wie er ist. 46. Das Laster bindet wohl GenossG, Doch ist aus seiner Saat noch nie Wohl echte Freundschaft aufgeschossen. 47. Und sch eint's auch falsch, 's bleibt ewig wahr: Ein halber ärger als ein ganzer Narr. 48. Das ist es, was am losen Wort, Des Kindes uns verstimmt. Daß meistens, was es draußen spricht. Zu Hause es vernimmt. 49. Zähl's dreist zu den unmöglichen Sachen: Aus schlechtem Fell gut Pelzwerk machen. 50. Wie groß auch Ungemach und Plagen, Die Zeit, sie hilft sie alle tragen. 51. Daraufhin wage jede Wette: Kein Pfuscher, der nicht Jünger hätte. 52. Ein Wunder täglich noch geschieht, Nur sehen's nicht die Thoren: Ein jedes Ding verwest, vergeht. Und doch geht nichts verloren. 53. Wer sich im Zorn nicht in der Hand hat. Der wähne nicht, daß er Verstand hat, 54. Merk ein Sprüchlein, das nicht rostet, Das die Väter mich gelehrt: Wenn das Wort zehn Thaler kostet. Ist das Schweigen zwanzig werth. 55. Oft hat sein Spiel gewonnen. Wer klein und still begonnen, Jndeß bald war zerronnen. Was prahlerisch entsponnen. 56. Gleicht nicht der Arme in der Noth Dem Säugling, dem die Mutter todt? Aerantn»»rUlcher Redacleur Dr. Stahmer tn Magdeburg. Druck von H. Horbach in Barby. Verlag von Stsrerr Friese i*.