Israelitische Schulzeitung
- Journal
- Israelitische Schulzeitung
- Volume
- 1 (1882). Bestand LBI
- Issue
- 7 (7.1882)
- Date
- 1882-07-01
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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sehr einfache und leichte Sache, die sich in einigen Monaten, ja Wochen, erzielen läßt. Fertiges Lesen ist nur durch fortgesetzte Hebung zu erzielen, wobei die Mithülfe des Elternhauses*) als Bedingung vorausgesetzt werden muß." Um 7ll2 Uhr Abends wurden die Verhandlungen des ersten Tages geschlossen und der Synagogen-Vorstand lud die Tbeilnehmer der Conferenz zu einer gemüthlichen Zusammenkunft auf 8'/a Uhr im Kühne'schen Garten ein. Bei einem Glase prächtiger Bowle wurde viel getoastet. Mehrere der Herren Vertreter der Dortmunder Gemeinde hatten ihre Damen mitgebracht, durch deren Gegenwart die Gemüthlichkeit sehr erhöht wurde. Erst spät trennte sich die Gesellschaft in heiterster Stimmung. Da der Vorsitzende Blumenau abzureisen genöthigt war, so übernahm für den zweiten Conserenztag der zweite Vorsitzende, Herr Vlumenfeld, den Vorsitz. Die Verhandlungen begannen um 9 Uhr. Vor der Tagesordnung machte Herr Seminarlehrer Treu auf die von ihm herausgegebene, einem wirklich gefühlten Bedürfnisse abhelsende „Liederlust für israelitische Elementarschulen" aufmerksam und vertheilte eine Anzahl Exemplare, die der Verleger den Conferenzbesuchern gratis zur Verfügung gestellt hatte. Herr Levy-Neuß hielt nun seinen Vortrag über das Thema: „Nach welchen Principien ist bei der Auswahl eines Buches für den biblischen Geschichtsunterricht zu verfahren und welche Bücher entsprechen diesen Prinzipien?" — Um den guten Eindruck, welcher die wohldurchdachte Arbeit auf alle Anwesenden gemacht hatte, nicht zu verwischen, wurde beschlossen, keine Discuffion daran zu knüpfen; vielmehr wurden folgende vom Referenten aufgestellte Thesen eu bloc angenommen: 1) Der Unterricht in der biblischen Geschichte ist der wichtigste Religionsunterricht. 2) Das Buch enthalte nur diejenigen Erzählungen, die des geschichtlichen Zusammenhangs wegen oder durch ihren erziehlichen Inhalt von Bedeutung sind. 3) Die Erzählungsweise sei eine kurze, zusammenfassende, leicht verständliche, nur da wörtlich nach tum Urtexte, wo ein wörtliches Auswendiglernen verlangt werden muß. 4) Dem Geiste nach hat sich das Lehrbuch strengstens nach dem Urtexte zu richten, ohne aus irgend eine religiöse Richtung im Judenthum Rücksicht zu nehmen. 5) Lehren und Nutzanwendungen sind den Erzählungen nicht beizudrucken; ein entsprechender Vers aus der heil. Schrift kann beigesügt werden und zwar am Ende der Erzählung. Der Vorstand der Syuagogengemeinde Dortmund hat sich erboten, den Vortrag drucken zu lassen; er wird demnächst in Brochürenform erscheinen. Für die nächstjährige Conferenz wurden außer der Revision der Statuten der' Unterstützungskasse noch folgende Themata festgesetzt: 1) Die Freunde und Feinde der jüdischen Schule. Referent: Oppenheimer-Mühlheim a. d. Ruhr. 2) Der Pessimismus und die Erziehung. Referent: Ostwald-Witten. In den nun folgenden „freien Besprechungen" legt Herr Ostwald-Witten den Collegen warm an's Herz, mehr noch als bisher für die Unterstützung der in Rußland verfolgten Glaubensgenossen zu wirken. Herr Seminarlehrer Treu macht aus die „israelitische Lehrerzeitung" aufmerksam. Herr L ö b -Cöln bringt die Lesebuchfrage zur Sprache und es wurde eine Commission gewählt, bestehend aus dem Seminardirektor Herrn i>r. Steinberg und den Seminarlehrern Herren Treu und Feinstein in Münster, die der Conferenz im nächsten Jahre ihre Ansicht darüber mittheilen soll, welches von den vorhandenen Lesebüchern für jüdische Schulen sie als das *> Diese Forderung der Schule an das Haus kann nicht eins dringlich und oft genug mt-fterhoH werden iRed ) Beste empfehlen kann. Hieraus wurde zur Sprache gebracht daß Herr vr. Philippson in Bonn in einer der jüngsten Nummern der „Allgem. Zeit, des Judenthums" bei Besprechung des vom Collegen Wolfs in Rostock herausgegebenen Buches „der jüdische Lehrer, sein Wirken und Leben" den jüdischen Lehrern eine ungenügende Vorbildung und mangelhafte Charakterbildung zum Vorwurf gemacht hat. Die Conferenz spricht ihr tiefstes Bedauern darüber aus, daß Herr I)r. Philippson dem ganzen jüdischen Lehrerftande diesen Vorwurf in's Gesicht geschleudert hat. Um 12*/, Uhr schließt Herr Blumenfeld die Conferenz mit herzlichen Dankesworten an die Mitglieder des Vorstandes, des Schulvorstandes und der Repräsentation 'und der Gemeinde überhaupt für die überaus große Gastfreundschaft, die die Conferenzbesncher in Dortmund genossen haben, sowie für das rege Interesse, mit welchen viele derselben den Verhandlungen unausgesetzt beigewohnt haben. „Auf frohes Wiedersehn in Essen!" Der Schriftführer: Joseph Gossel -Camen. Schulnachrichten. Frankfurt a/M. Nach dem Bericht über die isr. Religionsschule betrug die Gesammtzahl der Schüler und Schülerinnen 220, die in 4 Knaben und 4 Mädchenklassen von 6 Lehrern und 2 Lehrerinnen unterrichtet wurden. (Die dem Berichte separat beigegebene Schrift des die Religionsschule leitenden Herrn Rabbiner fr. Horovitz: Frankfurter Rabbiner (1200—1614) ist im „Literaturblatt" bereits eingehend besprochen.) Erwähnen wollen wir hier noch den 5. Bericht des Mädchenstiftes pro 1881, wonach dasselbe 24 Zöglinge zählt. Das Stift hat nach § 1 der Statuten den Zweck, 'herangewachsenen nur einer geeigneten Häuslichkeit entbehrenden Mädchen, welche sich einem mehr als Elementarbildung erforderlichen Berufe widmen, den Schutz eines geordneten Hauswesens zu gewähren und event. die Gelegenheit zur Fortbildung zu verschaffen. Aufnahme in die Vereinsanftalt können nach § 4 nur solche Mädchen finden, bei welchen die Voraussetzungen des § 1 zutreffen und welche außerdem gut beleumundet und nicht unter 15 Jahren alt sind. Mädchen, welche das 24. Jahr vollendet haben, sind in der Regel von der Aufnahme und dem Verbleiben in der Anstalt ausgeschlossen. Elternlose Waisen und nach diesen solche, welche den Vater oder die Mutter verloren haben, sowie Töchter hiesiger Eltern, sind bei der Aufnahme bevorzugt. London. Die Fleischule isr. Handwerkslehrlinge in West» minfter hat eine interessante Ausstellung von Schülerarbeiten mit einer Preisvertheilung veranstaliet. Es ist die erste ihrer Art in England und beweist, wie die Juden zum Handwerk durchaus nicht ungeschickt sino. Aus dem Spruchschatz des Talmud. Poetisch übertragen von Max W e i n b e r g. (Fortsetzung von Nr. 5 und 6.) 29. Vom Felde, das zu früh geschnitten, Hat auch das Stroh an Werth gelitten. 30. Er stieg hinab ins tiefe Meer Und brachte als Beute — einen Scherben her. Jüdisch deutsche Vorschriften systemaliich geordnet, Zum rasche» Erlernen des jüdischen Schreibens. IO hefte ä 28 Vorschriften für 1 Mark (1 > eft l3 Pfennigversendet franco die Expedition der „Israelitischen Wochenschrift."_ Verantwortlicher Retzactenr Dr. Stal) me r m Magdeburg. Druck von H. Horbach in Barvy. Verlag von Moberl Friese in