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Israelitische Schulzeitung · 1882-07-01 · 7 (7.1882) · p. Seite 26

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Journal
Israelitische Schulzeitung
Volume
1 (1882). Bestand LBI
Issue
7 (7.1882)
Date
1882-07-01
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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nismus, und man komme zum Ziele. Die Hauptarbeit bleibe doch immer dem Lehrer. — Herr Fauerbach ist der Ansicht, daß, wie bei allen Unterrichtsgegenständen auch bei dem Unterricht im Pentateuch die allgemeinen pädagogisch-didaktischen Grundsätze zur Anwendung kommen müßten. Das mechanische s. g. Chumefch- Hersagen sei geistestötend und zu verwerfen, da es ersahrungsmäßig zu keinem erwünschten Ziele führe. Das Kind müsse so früh als möglich mit Verständniß lernen. Es komme ihm nicht aus die Quantität, sondern daraus an, daß das Kind lerne, wie man lerne. Er betrachte den grammatischen Unterricht auch nicht als Zweck, sondern als Mittel, aber als solches sei er absolut nicht zu entbehren und daher auch nicht bedeutungs- und zwecklos. — Am Schluffe der Debatte sprach Herr Dr. Guttmann, gestützt auf praktische Erfahrungen, die Ansicht aus, daß es für den gedeihlichen ^Unterricht im Pentateuch, resp. der Bibel, dringlich nothwendig sei, einen Auszug zu besitzen, 'der als Schulbuch alle anstößigen, sittliche Bedenken erregenden oder für den Schulunterricht nicht zu verwerthenden Stellen ausschließe. — Herr Dr. Prager anerkannte die Dringlichkeit des Bedürfnisses nach einem solchen Auszüge nicht; er glaubt, daß er zu entbehren sei, wenn man weder in der Schule noch zu Hause bei der Präparation eine Uebersetzung zulaffe?)— Obwohl die Majorität der Versammlung sich zur Ansicht des Dr. Guttmann bekannte, verständigte man fick, um der nicht geringen Minorität, die den Ausführungen des Di. Prager zustimmte, gerecht-zu werden, zu folgender Resolution: „In Anerkennung der Schwierigkeiten, welche dem Pen- ' tateuchunterricht aus denjenigen Stellen erwachsen, die entweder in geschlechtlicher Beziehung oder wegen ihres sonstigen Inhalts für das kindliche Alter nicht angemessen erscheinen, in fernerer Erwägung, daß in einigen der lehrreichsten und das kindliche Gemüth ganz besonders ansprechenden Stellen einzelne Ausdrücke in geschlechtlicher Beziehung beim Unterricht Anstoß erregen, beschließt die Versammlung, in Verbindung mit den anderen jüdischen Lehrervereinen Deutschlands in die Erörterung der Frage einzutreten, ob nicht die Veranstaltung einer Schulausgabe des Pentateuchs, resp. einer Schulausgabe der Pentateuchübersetzung, in Aussicht zu nehmen sei, welch' letztere den Schülern zur häuslichen Vorbereitung in die Hand zu geben wäre. — Der Vorstand wird beauftragt, mit den jüdischen Lehrervereinen dieserhalb in Verhandlung zu treten." Es folgte nunmehr der zweite Vortrag vom Lehrer Horwitz-Wunstors: „Charakter und Charakterbildung." Der wohldurchdachte und mit Fleiß und Geschick ausgearbeitete Vortrag wurde beifällig ausgenommen, gab jedoch zu einer eingehenden Debatte keinen Anlaß. — Sodann hielt Lehrer Vogelsdorfs-Dransfeld einen Vortrag über das Thema: „Welche positiven Zuchtmittel lassen sich in der Schule anwenden?" Referent stellte in gedrängter aber klarer Weise das Hauptsächlichste zusammen, was die allgemeine Pädagogik in dieser Beziehung lehrt. — Bei der Debatte, die vornehmlich auf die körperliche Züchtigung sich bezog, betonte man vielseitig, daß die Strafe nach der Individualität und den häuslichen Verhältnissen zu bemessen und körperliche Züchtigung nur selten und im äußersten Rothfalle anzuwenden sei. — Stern-Hildesheim hält es für erforderlich, nur gelinde Strafmittel im allgemeinen in Anwendung zu bringen, damit nöthigenfalls dieselben gesteigert werden können und man auch bei bösartigen Kindern ausreiche. Eckmann-Nienburg will die Strafe, namentlich bei Ungezogenheiten und Rohheiten, energisch und möglichst sofort *) Das läßt sich bei den häuslichen Arbeiten schwerlich verhüten. (Red.) ertheilt wissen, weil dieses überrasche und einen tiefen Eindruck bewirke. — * Rosenbaum - Hameln tritt entschieden für die Ausschließung einer jeden körperlichen Züchtigung iu der Religionsschule ein, was jedoch mehrseitigen Widerspruch hervorries. Hiermit schloß. Mittags 1 Uhr, die Vormittagssitzung. Die Vereinsmitglieder folgten sodann der seitens mehrerer Mitglieder der Gemeinde Hildesheim an sie ergangenen freundlichen Einladung zum Mittagsmahle. Um 3 Uhr Nachmittags wurden die Verhandlungen fortgesetzt und es kam zunächst das Referat des Lehrers Selig- Gleidingen: ' „Wovon hängt vorzllgsweise der Erfolg des Unterrichtes ab?" zum Vortrage. Referent sprach sich in seinem wohldurchdachten und sehr erschöpfenden-Vortrage Nahm aus, daß die Klagen über ungenügenden Erfolg des Unterrichts seltener gehört würden, wenn die Lehrer den Grund weniger in den Schülern als in sich selbst suchten. — Ein günstiger Erfolg des Unterrichts sei nur dann zu erwarten, wenn der Lehrer völlig Herr des Unterrichtsstoffes sei, frei vortrage, zu den Lektionen sich gewissenhaft vorbereite, das Pensum genau bestimme, die beste Methode zur Anwendung bringe und eine gute Disciplin zu hallen verstehe. — Redner empfahl noch als geistig anregend und belehrend die „Israel. Schulzeitung"> die zwar bislang den nichtjüdischen Schulzeitungen nicht gleichkommen, die aber gewiß viel mehr bieten werde, wenn ihr von Seiten der Lehrer mehr Interesse Zugewandt würde. — . Die Ausführungen des Referenten fanden keinen Widerspruch und gaben zu einer Debatte keine Veranlassung. — Hierauf referierte Lehrer Fauerbach-Hildesheim über die Frage: „Ist es noch nöthig, die hebräische Cursivschrist zu lehren, event. in wie weit ist hierbei der deutschen Recht- 1 schreibung Rechnung zu tragen?" Referent verneinte die Frage und meinte, man könneän - der Religionsschule die Zeit nützlicher verwenden. Herr Dr. Guttmann sprach sich dahin aus, daß dieser Unterricht nicht mehr obligatorisch, sondern fakultativ bestehen bleibe?) Wo die Zeit es gestatte, da möge die Cursivschrift ruhig weiter gelehrt werden; besondere Opfer brauche man jedoch in dieser Beziehung nicht zu bringen. — Bezüglich der Anwendung der deutschen Rechtschreibung konstatirt Fauerbach, daß dieselbe bereits vielseitig mehr oder weniger angewandt würde. — Es sei dahin zu streben, daß in dieser Beziehung weiter gegangen werde, und die deutsche Rechtschreibung thunlichst ganz und allgemein zur Anwendung komme. — Herr Dr. Guttmann wünscht die deutsche Rechtschreibung nur insoweit zur Anwendung gebracht zu wissen, als durch sie das Verständniß der Cursivschrist nicht gestört werde. — Dannt war die Tagesordnung erledigt. Herr Dr. Guttmann gab noch anheini, daß der Verein gleich mehreren andern Vereinen sich mit der Frage bezüglich eines „Normal-Lehrplans für Religionsschüler" befasse und empfahl zu diesem Zwecke eine Commiffion zu ernennen, die der nächsten Conferenz einen Plan, der sich praktisch verwerten lasse, zur Vorlage bringe. — Die Versammlung erklärte sich damit einverstanden und wählte zur Commission die Herren Landrabbiner Dr. Guttmann-Hildesheim, Seminardirektor Dr. Prager-Hannover, Oberlehrer Baßsreund-Hannover, Lehrer Philipp-Lünebnrg und Lehrer Eckmann-Nienburg. — Hieraus machte der Vorsitzende Schlesinger die Mitteilung, daß die vor zwei Jahren beschlossene Statutenveränderung noch nicht zum Abschluß gebracht sei und ersuchte die Bersammsung, sich darüber zu äußern. — Dieselbe verzichtet *) So geschieht es auch hier in Magdeburg; bei Zugrundelegung der methodisch geordneten judisch-deutschen Vorschriften ist das Opfer an Zeit sehr gering. (Red.)

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