Israelitische Schulzeitung
- Journal
- Israelitische Schulzeitung
- Volume
- 1 (1882). Bestand LBI
- Issue
- 1 (1.1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 Schulbücher zu vereinbaren seien, die der Eigenart der einzelnen Gemeinden entsprächen, berief der Verbandsvorsteher, Herr Stadtrath Elösser-Insterburg, der warm und in seltener Hingebung für die Sache eintritt, eine solche ein, die am 9. und 10. d. M. hier tagte.*) Dem Programme gemäß fand am Montag, den 9. Januar, Abends 8 Uhr, ein gemüthliches Zusammensein der Conferenzmitglieder statt, das sich in des Wortes schönster Bedeutung zu einem solchen gestaltete. Nach der Begrüßung trug der hiesige Synagogenchor unter der Leitung des Herrn Cantor Birnbaum Ma tobu und den von ihm compcnirten und mit großem Beifall aufgenommenen Psalm 133 vor. Vergnügt und der ernsten Arbeit, die ihrer harre, bewußt, verweilten die Conferenzmitglieder einige Stunden mit einander. Am Dienstage, dem eigentlichen Conferenztage, Vormittags 9 Uhr, wurde die Versammlung durch den Vorsitzenden, Herrn Dr. Bamberger eröffnet, und die Verhandlungen durch ein erhebendes Gebet, das der im Amte ergraute, würdige Lehrer, Herr Tonn-Allenstein sprach, eingeleitet. Nachdem der Vorsitzende über die der Versammlung vorangegangenen Commissionsarbeiten berichtet und als Mitglieder des Büreau's die Herren Dr. Wolffberg-Königsberg, Rabbiner Weinberg-Insterburg, Prediger Sch erbet-Gumbinnen und Religionslehrer Freyer-Oletzko ernannt hatte, erhielt Herr Stur mann-Osterode das Wort, über einen Normal-Schul- und Stundenplan zu referieren. Als Correferent fungirte Herr Tonn. An jeden Theil des Vortrages, der den bewährten und kundigen Schulmann verrieth. knüpfte sich eine lebhafte Debatte, und wurde durch eine Schlußabstimmung der Normalplan mit großer Majorität angenommen. Wer die Schulverhältnisse unserer Provinz kennt, wird die Riesenarbeit des Herrn Referenten zu würdigen wissen, die sich mit Gottes Hilfe zum Segen wandeln wird für die Schulen Ostpreußens. Nach einer halbstündigen Pause folgte der 2. Gegenstand der Tagesordnung: Berathung über die einzuführenden Lehrbücher, den Herr Ahrenfeldt-Lötzen übernommen hatte. Dieser Vortrag basirte auf dem in der Commission gefaßten Beschlüsse, und schloß sich ihm an der Vortrag des Correferenten Herrn N a t h a n - Wormditt über die Motive, welche die Commission bei der Auswahl der Schulbücher geleitet haben. Hieran knüpfte sich der dritte Gegenstand der Tagesordnung: „Entwurf einer Schulordnung", worüber Herr S t u r m a n n - Braunsberg referirte. Um 272 Uhr Nachmittags fanden die Verhandlungen, die von Herrn Rabbiner Dr. Bamberger mit parlamentarischem Tacte, genauer Sachkenntniß und demselben eigenen Ansicht geleitet wurden, ihre Beendigung. Dem Programme gemäß hielt alsdann Schreiber dieser Zeilen einen Vortrag über die Haltung des Lehrers in der Schule, dem sich mehrere Probelektionen anreihten. *) Die Präsenzliste ergab nachstehende 46 Anwesende: Alexander« Goldapp, Ausschußmitglied, Ahrenfeldt-Lötzen, Lehrer, Dr. Bamberger- Königsberg, Rabbiner, Birnbaum-Königsberg, Kantor, Cohn-Königsberg, Lehrer, Davidsobn-Lötzen, Ausschußmitglied, Davidsohn-Labiau. Lehrer, Stadtrath Elösser-Jnsterburg, Verbandsvorsteher, Finkenstein-Nordenburg, Lehrer, Freyer-Oletzko, Lehrer. Galliner-Ziuten, Lehrer, Grün. blatt-Bischossburg. Lehrer, Dr. Grünfeld-Köniqsberg, Rabbiner, Hertz. Gerdauen, Ausschußmitglied, Jacoby-Bartenstein, Ausschußmitglied, Katz-Wartenburg, Lehrer, Klein-Königsberg, Gemeindesekretär, Lewy-Darkehmen, Lehrer, Löwenthal-Jnsterburg, Lehrer, Meyer-Kömgsberg, Privatlehrer, Mischkowsky-Rastenburg, Lehrer. Nathan-Wormditt, Lehrer, Peffen-Pr. Eylau, Lehrer, Rosenberg-Landsberg, Lehrer, Rosenkrantz- Tilsit, Lehrer, Rosenthal-Rössel, Lehrer, Sack-Schippenbeil, Lehrer, San« dalowitz-Bischofstein, Lehrer, Scherbel-Gumbinnen, Lehrer, Schüler-Guttstadt, Lehrer, Schwarz-Guttstadt, Ausschußmitglied, Schwarz-Warten« bürg, Gemeindevorsteher, Sturmann-Osterode, Lehrer, Sturmann-Braunsberg, Lehrer, Szerbo-Mehlsack, Lehrer. Taborisky-Heilsberg, Lehrer, Tawrogi-Königsberg, Waisenhausinsp., Tonn-Allenstein, Lehrer, Traube- Königsberg, Privatlehrer, Weinberg-Insterburg, Rabbiner, Weinkrantz-Burtenstein, Lehrer, Wiener-Königsberg, Lehrer, Wilkowsky-Goldapp, Lehrer, Dr. Wolssberg-Königsberg, Lehrer, Wolsfgang-Jnsterburg, Ausschußmitglied, Ligum-Königsberg, stuä. philo«. Von dem geschäftlichen Theile ist hervorzuheben die Msttheilung der Vorstandsmitglieder des Gemeindeverbandes^ Herrn W o l f f g a n g - Insterburg, über die statistischen Verhältnisse des Verbandes, daß derselbe außer 34 Gemeinden noch 164 persönliche Mitglieder zähle und ein Vermögen von über 2000 Mk. besitze. Der Vorsitzende des Verbandes, Herr Stadlrath Elösser, sprach alsdann in beredten Worten über das Verhältniß der Gemeinden zu den Beamten und schilderte dasselbe als ein sich immer erfreulicher gestaltendes und den Charakter des Antagonismus immer mehr verlierendes. Redner schloß mit Hervorhebung des Nutzens und der großen Vortheile, welche aus dieser und künftigen Conserenzen resultiren werden, sowie mit der Mittheilung, daß der Ausschuß eine Spende von 400 Mk. der Altersversorgung und eines Stipendiums für einen in die Lehrerbildungsanstalt zu Hannover einzutretenden Seminaristen votirt hat. In Anbetracht der großen Verdienste des Herrn Dr. Bamberger um die Vereinssache wird demselben seitens der Versammlung durch Erheben von den Plätzen der Dank ausgesprochen. Nachmittags 4 Uhr fand gemeinsamer Festgottesdienst unter Leitung des Herrn Cantor Birnbaum statt. Die wahrhaft erhebende Feier verfehlte nicht, ebenso erbauend als andächtig stimmend auf die Versammlung zu wirken. Beim solennen, vom Verband veranstalteten Festmahl, das die Theilnehmer unter der heitersten Stimmung bis zur vorgerückten Abendstunde zusammenhielt, wechselten Toaste ernsten und humoristischen Inhaltes ab, und trug das von Herrn Lehrer Cohn hier verfaßte Tafellied zur Erhöhung der Festesstimmung sehr viel bei. Nachdem das Tischgebet verrichtet war, trennte man sich mit dem schönen Bewußtsein, recht frohe und angenehme Stunden verlebt nnd einander die Hand gereicht zu haben zum gemeinsamen Wirken an der Erreichung und Verwirklichung schöner und edler Ziele. Möge auch das Werk, das unser verehrter Herr Rabbiner in Gemeinschaft mit dem Gemeindeverband ins Leben gerufen, gedeihen; möge diese neue Institution, die im Kranze seiner vielen Schöpfungen als eine der größten und bedeutsamsten leuchtet, der Ausgangspunkt sein zur Veredlung unserer religiösen Jntereffen, zur Hebung des Schulwesens und so zur Förderung des Judenthums in unserer Provinz. Der Gemeindeverband verdient für seine Bestrebungen, die der Lehrerwelt Ostpreußens zu Gute kommen, den besonderen öffentlichen Dank, und ist nur zu wünschen, daß das Band zwischen Conferenz und demselben immer so innig sei und bleibe. A. I. Tawrogi. Zwei preisgekrönte deutsche Lieder?) I. Das mit dem Hauptpreise gekrönte Lied lautet: Lied der Deutschen in Oesterreich. Von Josef Winter, «tuä. naeä. in Wien. Anheben laßt uns allzusamm' Ein Lied von starkem Klange, In Oesterreich den deutschen Stamm Laßt preisen uns mit Sange. Die auf die Ostmark einst gestellt, Dem Feind den Weg zu weisen, Sie stehen heute noch im Feld Und halten blank ihr Eisen. *) Die Redaction der „Deutschen Zeitung" in Wien hatte einen Preis von 100 Dukaten für die beste „Hymne für das deutsche Volk in Oesterreich" ausgeschrieben Es waren 1570 Concurrenz-Arbeiten eingegangen. Die Preisrichter (Vorsitzender Dr. Heinrich Laube) erkannten den obigen beiden Gedichten den Preis zu; beide Verfasser sind Israeliten. -- Dieselbe Zeit, schreibt nunmehr einen Preis für eine Melodie zum Liede Nr. 1 aus. Wir lassen hier die Bedingungen dieser zweiten Preisausschreibung folgen: 1. Die „Deutsche Zeit." setzt den Preis von hundert Du« katen für eine schöne und zugleich einfache und volksthümliche Melodie « dem preisgekrönten Gedichte von Josef Winter aus.