Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 50 (15.12.1874)
- Date
- 1874-12-15
- Page
- Seite 402 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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402 // / j Zweiges und Theilen entspricht der schönen Außenseite des Gebäudes. Herr Lachmann hat sich damit ein ewiges Andenken gesichert.. Oesterreichisch-Ungarifche Monarchie. Pesth. Voriges Jahr ist plötzlich der hiesige Kleider- Händler Kohn aus seiner Wohnung verschwunden, und in der- 'יeiben Nacht wurde auf der Donaubrücke sein Hut und sein Stock, wie auch ein Schreiben, das an seine Frau gerichtet war, gefunden. In diesem Schreiben nahm er von seiner Frau Abschied und zeigte an, daß ihn die in Folge des schlechten Geschäftsganges erlittenen Verluste zum Selbstmorde getrieben haben. Die Frau, welche ihren Mann sehr liebte, legte sammt ihren Kindern Trauerkleider an, die sie noch heute tragen. Um sich und ihre Kinder ernähren Zu können, war sie gezwungen, schwere Arbeit zu verrichten. Als das Trauerjahr zu Ende war, machte ihr ein geachteter, wohlhabender, kinderloser Wittwer einen Heirathsantrag, kam beim Rabbinate um eine Heirathsbewilligung ein, die ihm aber nicht gewährt wurde. Die Frau wäre, um ihre Kinder gut versorgt zu wissen, aus den Antrag eingegangen. Während der Zeit, als sich Beide bemühten, die Heirathsbewilligung zu erlangen, kam der todtgeglaubte Mann in sein Haus zurück, abgerissen und abgezehrt wie ein Bettler. Der Mann hatte sich nämlich seit dem vorigen Jahre in Nieder-Ungarn Herumgetrieben, bis ihn endlich der herannahende Winter zur Heimkehr gezwungen hatte. Hut und Stock, wie auch jenes Schreiben ließ er damals absichtlich auf der Brücke, damit man an die Ausführung eines Selbstmordes glaube. (״Jüd. Pesth. Ztg.") Frankreich. Paris. Während in Hannover mehreren israel. jungen Leuten der Eintritt in den Militärdienst, der gerade aus Jom Kipur geschehen sollte, auf später gestattet wurde, ebenso in Italien auf die Eingabe des Oberrabbinen Levi in Vercelli die Aufnahmsprüfungen in die Militärschulen aus demselben Grunde für die Israeliten auf einen Tag später verlegt wurde, hat ein Candidat in Frankreich, der sich am 21. Sept. in Melun präsentiren sollte, obgleich er eine diesbezügliche Eingäbe gemacht, eine solche Datumsänderung nicht erlangt. Eine Mißachtung der Gewissenssreiheit, wie sie in Frankreich gewiß ehr elten ist. (״Arch. Jsr.") Vermißtes. (Die zehn Stämme Israels wieder gefunden.) Aus London, 3. d. M-, schreibt man: ״Die so lange schon verlorenen und von so Vielen gesuchten und nicht Wenigen auch an allen möglichen Orten schon gefundenen zehn Stämme Israels sind von Herrn Edward Hine, der gestern über seinen Fund in dem Woolwicher Rathhause eine Vorlesung hielt, wiedergefunden worden, und zwar in — England. Die zehn Stämme sollten, der Bibel zufolge, auch nach ihrem Verlorengehen ein heiliges Volk' bleiben, nach jahrelangen Wanderungen in den westlichen Inseln ein großes Reich unter einem dem Hause David entsprossenen Könige bilden, sich so vermehren, daß sie andere Länder occupirten, die erste unter den Nationen sein u. s. w. Die Prophezeiungen der Bibel müssen nach Herrn Hine in Erfüllung gehen, und kein anderes Volk entspreche dem biblischen Gemälde so, wie das englische. Die Angelsachsen zudem können bis zu der Stelle verfolgt werden, wo die Spuren der zehn Stämme aufhören. Die Bauart der englischen Kirchen und mehrere Phrasen in dem Kirchengebetbuch führt Redner auf jüdischen Ursprung zurück. Es gibt in England hier und da Gelehrte und Ungelehrte, welche die Richtigkeit der Hine'- schen Theorie etwas bezweifeln. (Didaskalia.) (Alte Thorheiten, welche sich von Zeit zu Zeit wiederholen.) (Ein berühmtes Berliner Hans) soll in seiner jetzigen Gestalt vom Erdboden verschwinden. Es ist das Mendelssohn-Haus, Spandauerstraße Nr. 68, an dessen Front eine schwarze Marmortafel die Inschrift in goldenen Lettern trägt: ״In diesem Hause lebte und wirkte Unsterbliches M. Mendelssohn, geboren zu Dessau 1729, gestorben in Berlin 1786." — In diesem Hause wohnten nacheinander Rammler, Mylius, Nicolai, Lessing und Mendelssohn, in dessen Eigenthum es schließlich überging. Das reiche Handelshaus Mendelssohn hat sich um die ferneren Schicksale dieser Wiege auch seiner Größe nicht weiter gekümmert, sondern dieselbe gleichgültig in fremden, vielfach wechselnden Besitz übergehen lassen, und der gegenwärtige Eigenthümer, dem sich das Haus in seinem jetzigen Zustande zu wenig rentirt, hat nun beschlossen, dasselbe gänzlich umbauen zu lassen. Warum auch nicht? Was bedeutet das Vater- Haus für Kinder, welche ihren Vater verläugnen, nachdem sie das Gut, wofür derselbe gelebt und das er durch sein ganzes Sein gestützt, preisgeben? — Wird sich in Berlin kein Jude finden, der mehr Pietät für das Haus Mendelssohn hat, als die Enkel des Mannes? Die sind aber doch nur reiche Bankiers, und Kinder getaufter Juden, wie es deren noch sehr viele gibt — was wären sie mehr, trügen sie nicht den Namen Mendelssohn? שדחנם (Schadchanim) welche Bekanntschaften in mittleren und größeren Städten Süd- und Mitteldeutschlands haben, werden von einem reichen jungen Mann um Adresse, resp. um Offerte gebeten, welche letztere unter Chiffre 0. Y. 336 zur Weiterbeförderung an die Annoncen-Expedition von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M. zu richten sind. _(D. 8902.) :rfag von Otto Meissner in Kamburg. Mrsrhr Von W. Herzberg. Zweite Ausgabe. 15 Sgr. Vttlag rrn Johann Friedrich Hartknoch in Leipzig. 11 V Ein jüdisches Haus- und Volksbuch unter Mitwirkung befreundeter Gelehrten und zum l)c|im de8 vom deutfdUisraefiiifcfwi ®raieindelnuul zu (Segri'uuWm Beamlen-Uiiterstützimgsvereins herausgegeben von Emil Xj elmim-am-mn ל Rechtsauwalt in Dresden. Cartonnirt in elegantem illustrirtem Farbendruckumschlag mit Leinwandrücken. Preis 1 Thlr. 10 2fgr• Gegen Einsendung des Betrags liefert die Verlagshandlung das Buch stanco. Herausgeber und verantwortlicher Redacteur: I. Klingenstein in Ingelheim.-Verlag und Druck von Heinrich Fischer L Co. in Leipzig. ־־־< *־־"‘Htfa-glfiii-ry-jnti *r