Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 49 (8.12.1874)
- Date
- 1874-12-08
- Page
- Seite 393 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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393 r Lebensalter in der jüdischen Literatur. Von philosophischem, rechts-, sitten- und religionsgeschichtlichem Standpunkte betrachtet. Von Leopold Löw (Preis 5 Gulden ö. W.) Szegedin 1875, Druck von Sigmund Burger's Wwe. Selbstverlag des Verfassers. (XI., 460 S. Octav.) Man muß den Verfasser gesehen und gehört haben, um dies Werk in seinem ganzen Werthe erst recht würdigen zu können. Es ist die ganze, markige Gestalt, in körperlicher und geistiger Kraftfülle, wie wir unter den Juden unserer Zeit nicht eine einzige kennen, die sich in dem Werke von so vielseitigem Gehalte und Werthe aussprechen. Der entschiedene und klare, tiefdenkende und mit einer ganz beispiellosen Belesenheit, mit einer ebenso innigen als vielseitigen, wahr- Haft zündenden Beredtsamkeit ausgerüstete Gelehrte reiht hier an die Lebensalter ein Material an, das studirt werden muß, um seinen halachischen, rechts- und religionsgeschichtlichen, Werth beurtheilen zu können. Was packt uns denn so außerordentlich bei den Reden und Schriften von Männern dieser Art? Wir haben uns diese Frage sehr oft vorgelegt, insbesondere daruin, weil wir sie eben fast ausschließlich bei jüdischen Gelehrten finden. Es ist eben der Studiengang, den diese Männer der Uebergangsperiode zu machen hatten, der ihrem ganzen Sein und Leben, ihrem Sprechen und Schreiben den Siegel aufdrückt und sie ganz anders erscheinen läßt, wie viele andere, gelehrte und schreibende Menschenkinder. Es ist Etwas von Autodidaktik und der Unermüdlichkeit, der geistigen Energie des Juden, von dem Drange sich auszusprechen — dem Volke, und nicht vor den Gelehrten oder auf dem Katheder zu sprechen, wie andere ihrer Geistesgenossen. Da haben wir in solchen Schriften in diesem Augenblicke den Philosophen Löw, — den elastisch gebildeten Denker und schon ist der Rabbi Löw der Talmudist und Kasuist im Anzuge, der mit Talmud und Poskim um sich wirft, daß nur die Funken sprühen. — Dann kommt der Literarhistoriker und der Geschichtsforscher, dem die neue und alte Geschichte bekannt, der die Psychologie, die Pädagogik, die Rechtswissenschüft studirt hat — und in den Kahalsstuben bekannt ist, als wäre Alles in seiner Studirstube geschehen. Daß ein solches Werk im Selbstverläge erscheinen mußte! Wird das jüdische Publicum dem Manne den verdienten Ehrensold geben? Wird das Buch eine Verbreitung finden, wie es sie verdient? Bemühen wir uns, so viel wir das im Stande find, ein kurzes Bild von dem reichen Inhalte zu geben. Zuerst spricht der Verfasser von der Art, wie die Lebensalter unter den verschiedenen Völkern eingetheilt worden sind und kommt dann auf das Judenthum in alter und neuer Zeit, in den verschiedenen Lebens- und Literaturepochen. Er geht dann über auf die Behandlung, die die Juden ihren Angehörigen in den verschiedenen Lebensepochen angedeihen ließen und verfolgt so das Leben des Menschen vom Embryo bis zum Tode, indem er überall die Halacha, pädagogische Sentenzen, Poetisches, Gesundheits- und Lebensregeln aus dem jüdischen Schriftthume aufführt. Eingestreut sind wichtige Abhandlungen über streitige Objecte, so über die Lösung der männlichen Erstgeburt, die Mündigkeit oder Großjährigkeit Katon und Ketanah, Mmn, die rituellen Collegien, die Barmizwah-Jnstitution und Confirmation. Von hohem Wissenschaftlichen Interesse ist noch das Alter biblischer und talmudischer Persönlichkeiten u. A. m. So der Inhalt dieses bedeutenden, interessanten Werkes. Wir empfehlen dasselbe allen Freunden anregender und geistesnährender jüdischer Literatur aufs Wärmste und sind gerne bereit, die Vermittlung bei Beziehung desselben zu übernehmen. Sammlung gemeinverständlicher wissenschaftlicher Vorträge, herausgegeben von Rudolph Virchow und Fr. von Holtzendorff. (Berlin, C. G. Lüderitz'sche Verlagsbuchhandlung.) IX. Serie. Heft 206. Ueber das Salz in seiner culturgeschichtlichen und naturwissenschaftlichen Bedeutung, von Dr. I. Möller. Heft 207. Despotismus und Volkskraft. Eine Göthesche Confession, von vr. Franz Cramer. Heft 208. Die Sternschnuppen und ihre Beziehungen zu den Kometen, von vr. G. von Boguslawski. Heft 209. Die Gifte als bezaubernde MachL in der Hand des Laien, von vr. C. Ed. Pfotenhauer, ord. Prof, in Bern. Heft 210. Ueber electrische Fische, von vr. Franz Voll. Heft 211. Das Heirathen in alten und neuen Gesetzen, von vr. I. Baron. Deutsche Zeit- und Streitfragen, Flugschriften zur Kenntniß der Gegenwart, herausgegeben von Fr.- von Holtzendorff und W. Oncken. Ebendaselbst. Heft 41. Die Börse und die Gründungen rc., von vr. Carl Gareis. Heft 42. Anti- Kliefoth oder die gefährlichste Reichsfeindschaft, von M. Baumgarten. Heft 43. Die forstliche Unterrichtsfrage, von vr. Richard Heß. Vermischtes. Die polnischen Israeliten, berichtet ein Correspondent der ״Jewish World", sind bekannt wegen ihres Witzes und ihrer scharfsinnigen Antworten. Unlängst traf ein solcher einen Landsmann, welchen er vor etlichen Jahren schon in Hüll kennen gelernt hatte. Er redete ihn sofort an, in der Absicht, die alte Freundschaft aufzufrischen. Zu seinem Erstaunen vernimmt er, daß sein intimer Freund und sehr indifferenter Jude ein eifriger Christ geworden ist; noch mehr, er ist auf's eifrigste bemüht, auch ihn dem neuen Glauben zuzuführen; er sagt ihm, was für ein herrliches Leben er führe und — wie gut die Sache bezahlt wird. Der jüdische Pole ist nicht zu überzeugen. Scherzweise antwortete er dem Judenchristen: ״Sieh einmal Mosche: Als ich allein Geschäfte machte, waren sie leidlich gut; als ich's aber mit einem Compagnon versuchte, schlugen sie fehl. Nun halte ich mich an Gott, und ich denke, da wird es recht werden; ich weiß aber gewiß, wenn ich mit ״Gott und Cie." anfange, wird mir's wieder fehl schlagen". Der Correspondent von ״Jewish World" fügt hinzu: Es ist wahr, die Antwort ist durchaus nicht würdig; wir können sie nicht loben. Verschlagenheit und gesunder Verstand ist aber daraus zu erkennen. Einem wahren Christen hätte der Jude solche Derbheiten gewiß nicht gesagt. Er war nur Folge des Anträges von diesem Heuchler, welcher ihm zumuthete, seinen Glauben des schnöden Gewinnes wegen zu verkaufen. Einnahme der Nckmwa im November 1874. I. Spenden: Von Herrn vr. E. Neubürger in Frankfurt a. M. am Jahrestage seines Vaters fl. 5. — Frau Phil. Bonn in Franksurt a. M. zum 31. October st. 10. — Von Herrn I. Dreyfuß- Jeidels und Gustav Cassel in Frankfurt a. M. fl. 5. — Durch Herrn S. Tiefenbronncr in St. Johann gesammelt beim Aufrufen zur Thora fl. 47. 41. — Ungenannt zum 6. Kislew fl. 1. — Durch Herrn Lehrer Werthheimer in Alzey von Herrn Lehrer Buchenheimer in Kirchheim an dessen Hochzeitstage fl. 8. 45. — Von Herrn Simon