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Jüdische Volkszeitung · 1874-11-24 · 47 (24.11.1874) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
47 (24.11.1874)
Date
1874-11-24
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdische Volkszeitung. Keftelkungra nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich Agr. Herausgegeben von 3• Klingenstein in Ingelheim. Inserat« sind an Heinrich Fischer & Co. in Leipzig zu senden. Preis der I gesp. Zeile L Sgr. No. 47. Leipzig, den 24. November. 1874. Aichatt- Leitartikel: Erinnerungsfeier für vr. Abraham Geiger. Correspondenzen: Ingelheim, Aus dem Großherzogthum Hessen, Aus Oppeln, Wien, Aus Rumänien. Rundschau: Berlin,Würzburg, Nizza, New-Aork. Vermischtes. Achawa: Einnahme im Oktober 1874. Briefkasten der Redaction. Anzeigen. Erinnerungsfeier für Dr. Mrakram Geiger. Breslau, den 7. Novenlber 1874. Wie für die gebildete Welt überhaupt und ganz besonders für diejenigen Israeliten, denen ein Leben emsigen Forschens, ein Leben muthigen Kampfes für eigene Ueberzeugung gegen geistige Finsterniß und wahnwitziges Vorurtheil Bewunderung und Liebe abgewinnen kann, so hat auch hier der Tod Geiger's in den gebildeten Kreisen, nicht blos unserer jüdischen Bevölkerung, sondern darüber hinaus bei Nichtjuden die schmerzlichste Theilnahme, tieffte Trauer hervorgerufen. Und hier mußte das ja noch ganz besonders der Fall sein, hier, wo der Verstorbene Decennien hindurch gelebt und gewirkt und nicht blos in seiner Eigenschaft als Geistlicher, sondem auch in Folge seiner vorzüglichen Charakter- und Herzenseigenschaften sich Freunde und Verehrer in großer Zahl erworben hatte. Freilich hatte — und das ist ja über die Grenzen Schlesiens hinaus bekannt — Geiger, wie das eines jeden großen Mannes Schicksal ist, auch erbitterte Gegner, wie unter seinen Glaubensgenossen im Allgemeinen, so hier im Besonderen, und eine wie elende Gesinnung auch damit bezeichnet werden mag, einzelne seiner Gegner — ich kann es nicht verschweigen — konnten selbst durch seinen Tod nicht bestimmt werden, endlich ihre gehässigen Aeußerungen über ihn, wie sie sonst oft laut geworden, einzustellen. Schon am ersten Tage nach dem allgemeinen Bekanntwerden von dem harten Schlage, der uns Alle getroffen, brachten die Tagesblätter die dankbar schmerzlichen Nachrufe, welche dem Verstorbenen von verschiedenen Vereinen Berlins gewidmet wurden, so von der Gesellschaft der Freunde, einem nach jeder Richtung hin sehr ansehnlichen Vereine, von derBrüdergesellschaft, welcher Geiger besonders nahegestanden hatte, wie er auch für diese speciell ursprünglich sein Gebetbuch redigirt hatte, so von dem Vereine Breslauer Handlungslehrlinge, der Industrieschule für Israelitische Mädchen u. s. w. Aber auch der redaktionelle Theil unserer Zeitungen zollte dem Namen des Verewigten mehr oder minder ausführliche Worte treuester Verehmng und dankbarster Erinnerung. Auch in der Synagoge wurde gleich an dem auf Geiger's Tod folgenden Sabbathe seiner von unserm Rabbiner, Herrn Dr. Joel, gedacht, der, durch die plötzliche Nachricht zu tief noch erschüttert, sich nicht für fähig erklärte, in der sogmannten Schrifterklämng, wie sie hier an dem sogenannten gewöhnlichen Sabbathe gehalten wird, fortzufahren und dafür, einen eigentlichen Nachruf für einen besonders anzuberaummden Gottesdienst zusichernd, allgemeine Betrachtungen vorführte, wie sie uns der Tod berühmter Männer, also auch der Geiger's, zum Bewußtsein bringen. Der Vortrag schloß sinnig mit den Anfangsworten der Sidrah: לך לך מארצך וממולדתך ומבית אביך. An dem Begräbnisse Geiger's betheiligten sich, wie es gebührlich war, einzelne Deputirte des Gemeindevorstandes (ich meine Herrn Commerzienrath Friedenthal, den von den Synoden her bekannten Herrn D1\ Honigmann) und auch aus den oben erwähnten Vereinen waren, wie wir hören, Abgesandte erschienen, um dem Verstorbenen die letzte, ihm in so hohem Grade schuldige Ehre zu erweisen. Am 1. November versammelte sich der bessere Theil unserer Gemeinde mit einer Anzahl nichtjüdischer Verehrer des Verstorbenen zu dem ״in der Neuen Synagoge Breslau stattfindenden Trauergottesdienste zum Andenken an den verewigten Herrn Rabbiner Dr. Abraham Geiger". Der Gemeindevorstand und das Repräsentantencollegium war beinahe vollzählig erschienen und auch die übrigen Corporationen officiell durch ihre Vorsteher vertreten. Das Innere der Synagoge, wenigstens das Emporium zum ארון קדש und die hellstrahlenden Leuchter waren schwarz drapirt. Die feierliche Sülle, die das Ganze beherrschte und erst durch die den Gottesdienst einleitenden Orgeltöne unterbrochen wurde, mußte selbst den gewattig ergreifen, der mehr Freund einer innerlichen stillen Trauer, eine so öffentliche Todtenfeier gerade nicht für den angemessenen Ausdruck wenigstens seiner eigenen Gefühle hält. Der eigentliche Gottesdienst begann mit einem Choräle, der von dem Synagogenchore unter Leitung unseres tüchtigen, mit einer ausgezeichneten Stimme begabten Cantor Deutsch, der sich ja durch seine Vorbereitungsschule für jüdische Vorbeter und seine theoretischen Arbeiten in diesem Fache einen Namen geschaffen, ganz vortrefflich executirt wurde. Dem darauf folgenden Sologesange des genannten Vorbetes: ״Herr, was ist der Mensch, daß du dich seiner annimmst rc." schloß sich die Predigt an, auf die ich wohl um so eher hier ausführlich eingehen kann, als sie ja von vornherein allgemeinstes Interesse erwecken muß, insofern sie von einem wenigstms sachlichen Gegner

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