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Jüdische Volkszeitung · 1874-11-03 · 44 (3.11.1874) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
44 (3.11.1874)
Date
1874-11-03
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdische ^jocbnsclirift (111! j|m1mlc äeä j|ortecltriit| in ^emeinäe uni! ^ynngog^ unil ^eben. /iestelkunflen nehmen alle Postanstatten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich 171/2 Sgr. Herausgegeben von I. Kkingenftein in Ingelheim. Aaferake sind an Heinrich Fischer & Co. in Leipzig zu senden. Preis der 3 zelp. Zeile L Sgr. No. 44. Leipzigs den 3. November. 1874. Inhalt: Verwahrung. Leitartikel: Dr. Abraham Geiger. — Altes und Neues über Juden und Judenthum und ein richtiges Volksbuch. Correspondenzen: Fürth, Lemberg, Gaya, Tauber-Bischofsheim. Rundschau: Cöln, Constanz, Thorn, Berlin, Wien, Constantinopel. Literarisches: Mekize Nirdamim. — Ausgewählte Gelegenheitsreden. Feuilleton: Bei einem Getauften. — Mortara. Erklärung. Anzeigen. Vcrlvchrunz. Zu unserem größten Erstaunen wurde von einem Ungenannten ein Artikel .Meine Empfindungen bei der Synagogen-Einweihung in Nürnberg" an die Druckerei eingesendet nnd hier wahrscheinlich in der irrigen Voraussetzung, er habe uns Vorgelegen nnd könne von nns abgedruckt werden. Dieser Artikel seichten materialistischen, atheistischen Gepräges würde unser Imprimatur nimmermehr erlangt haben und wir bedauern ganz außerordentlich. daß ein solches Machwerk durch unsere Zeitschrift, die der jüdischen Gotteslehre zn dienen berufen ist, Verbreitung sinden konnte. Wir befürchten fast, daß ein Feind unserer Sache uns diesen Streich gespielt. Es zeigt sich nns hier wiederholt, wie schwach die Sittlichkeit bei rohen Atheisten ist nnd daß bei Menschen von oberflächlicher Bildung Materialismus nnd Unreds lichkeit sich gegenseitig unterstützen. Wir müssen unsere geehrten Leser inständigst ob dieses groben Verstoßes «m Verzeihung bitten. Ober-Ingelheim. Ne-action der Jüdischen Volkszeitung. Dr. Abrabam Geiger ist tobt. Tief trauernd steht die Judenheit an einem frischen Grabe. Die jüdische Wissenschaft, der er sein Leben widmete, beugt klagend das Haupt. Die Schüler, welchen er die reichen Schätze seines Wissens eröffnete in der Stätte, die erst vor wenigen Jahren begründet wurde, deren Werden er begrüßte und deren Zierde er gewesen; die Hörer der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthwns, die Jünglinge, welche die Hoffnung reicher Geistessaat für die Zukunft des Judenthums sind, rufen weinend: Wer wird uns nun weiterführen auf der betretenen Bahn? Wer vermag ihn uns. zu ersetzen, den Mann, der uns leuchtenden Auges die Vergangenheit des Judenthums, seine Geschichte vorsührte, daß.sie uns Führerin sei in der Zukunft in dem heiligen Berufe, dem wir uns widmen wollen? Wer ist ihm gleich in der Kunde des j Alterthums, der reichen Schätze jüdischer Literatur, die er > kunstvoll verband zu einem großen, leuchtenden Ganzen, zu! einem herrlichen Spiegel, darin der Geist Gottes, der höchsten! Offenbarung, ein reiches Entwicklungsleben eines stetig auf-!strebenden, fortschreitenden Volksthums, wiederglänzte? — | Und alle die Mitarbeiter von der Reform des Judenthums! sagen sich bestürzt: Wiederum ist einer unserer tüchtigsten : Kämpfer ins Grab gesunken, ein Mann, geübt in der Führung z der Waffen des Geisteß. — נפלה עטרת ראשנו Eine Krone ist von unserem Haupte gefallen; — Eine (Leder vom Liba- I non gefällt. Abraham Geiger war im Jahre 1810 in Frankfurt a. M. geboren. Er gehörte einer Familie an, die erst vor einigen Jahren ein in der GelehrLenwelt hochgeehrtes Glied, den Dr. Lazarus Geiger, Sohn des noch lebenden Rabbi Salomon Geiger, — Letzterer der ältere Bruder unseres Abraham Geiger — durch den Tod verloren hat. Dem Gelehrten auf | dem Gebiete der Sprachphilosophie — Lazarus Geiger — errichteten seine Freunde und seine Vaterstadt in der Stadtj biblothek zu Frankfurt ein Denkmal; sie stellte seine Büste auf! neben der des berühmtesten aller Söhne Frankfurts, neben IGöthe. Das Judenthum errichtet seinen hervorragenden Lehrern und Führern keine steinernen oder erzenen Denkmäler; es bewahrt ihr Andenken in dankbarem Herzen — und das Herz des Judenthums ist seine Geschichte. So wird auch Abraham Geiger fortleben in der Geschichte des Judenthums, deren Spuren er nachgegangen, deren eifrigster Lehrer, und deren Forscher und Kenner er gewesen! ... — Seine Jugend war der Talmudstudium gewidmet, in dem er schon überaus stütze, als Kind vom zartesten Alter, sich ausgezeichnet haben soll. Er besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt und dann auf kurze Zeit die Universität Heidelberg, siedelte aber bald nach Bonn über. Dort studierte damals auch Samuel Adler, früher in Alzey, jetzt Rabbiner der Emanuel-Gemeinde in Newyork und aus seinem Munde haben wir so manche Kunde erhalten aus jener Studienzeit. — Schon zu 23 Jahren, im Jahre 1833, wurde Geiger als Rabbiner nach Wiesbaden berufen. Nachdem er!schon während seiner Studienzeit eine von der Facultät ge-!stellte Preisfrage gelöst hatte, die später unter dem Titel: ״Was hat Mohamed aus dem Judenthum genommen?" er-? * A:

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