Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 43 (27.10.1874)
- Date
- 1874-10-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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1 1 י־! .Ütf לדז Jüdische Volkszcitung. ijjocknsclmft fm! fmmdß fa§ forl8clmft$ in Hemeinde und AWNgog^ und Ifekn. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und . Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich 17x/2 Agr. No. 43. Herausgegeben von I. Kkiagenftem in Ingelheim. Leipzigs den 27. Oetoüer. Inserate sind an Heinrich Fischer & Co. in Leipzig zu senden. Preis der 3 gefp. Zeile 2 Agr. 1874. Inhalt: Leitartikel: Alliance israMte universelle. — Meine Empfindungen bei ver Synagogen-Einweihung in Nürnberg. Correspondenzen: Aus Norddeutschland, Aus Unterfranken, Bayern, Kuppenheim. Rundschau: Koschmin,Memel, Lemberg,Wien,Paris,Vereeil. Feuilleton: Bilder aus dem altjüdischen Familienleben. (Schluß.) Briefkasten der Redaction. Anzeigen. Äkkiance israefite linkt ersöffe. Wir haben uns seit fast zwei Jahren darauf beschränkt, immer nur dasjenige aus den Monatsberichten der Alliance unsern Lesern bekannt zu geben, was uns als das Wichtigste erschien und wovon wir glaubten, daß es die geehrten Leser unseres Blattes am meisten interessiren dürfte. Wir konnten uns darin in einzelnen Fällen täuschen. Die Ansichten und Einsichten der Menschen und insbesondere der Israeliten der Gegenwart sind höchst verschieden. Was uns interessant erscheint, läßt vielleicht Andere durchaus kalt; was uns gleichgültig dünkt, kann Anderen höchst interessant sein. Zuletzt entscheidet der Geschmack. Allein: worin wir uns nicht täuschen, das ist eine gewisse Lauheit der Propaganda, eine Erschlaffung in der Thätigkeit insbesondere südwestdeutschenLocalcomite's, soweit diese Thätigkeit auf das Ganze gerichtet erscheint, und nicht gwissermaßen festbestimmte Zwecke selbstständig und selbstthatig nur im Namen der Alliance isra. univ. verfolgt; — wie etwa die Erziehung und Ausbildung westrussischer Waisen durch das eifrige Comits zu Cöln, welches in dieser Richtung wahrhaft Großes geleistet und noch leistet. Zwei Jahre sind seit der Berliner Conferenz, welche die Umbildung der Allianc bezweckte, vorüber. War damals schon zu erwarten, daß der Erfolg der Versammlung kein bedeutender sein werde, so konnte man gleichwohl hoffen, daß nicht Alles verloren gehen würde, nicht Alles vergeblich wäre, daß man doch in der einen oder andern Richtung Nutzen ziehen würde von den klaren Zielen, welche eine so bedeutende Zahl würdiger Vertreter des Judenthums sich vorgezeichnet hatten. Aber Nichts — gar Nichts ist geschehen. Die Ver- Handlungen, welche eine Einigung auf Grund jenes Berliner Programms bezweckten, haben sich zerschlagen. Das Berliner Comite hat sich aufgelöst, die Commission ist nicht berufen worden und — Alles ist beim Alten geblieben. Mittlerweile sind dem Centralcomits zu Paris für einen Zweig seiner Thätigkeit überaus reiche Mittel zu Gebote gestellt worden, so daß in dieser Richtung wohl Großes und Ausgiebiges geleistet werden kann, insofern die materiellen Mittel Anstalten dieser Art überhaupt stützen, fördern und erhalten können und nicht andere Faetoren in Rechnung kommen, deren Bewilligung nicht immer in der Hand der Menschen liegt. Herr Baron M. v. Hirsch aus Paris — übrigens ein Deutscher; ein Glied der altberühmten Familie Hirsch in Würzburg — hat eine Million Francs gestiftet, welche speciell zurVerbefferung der Lage der Israeliten des türkischen Reiches durch Unterricht nnd Erziehung bestimmt ist. Die Verwaltung und Leitung der Stiftung ist der Alliance, resp. deren Central- Comits in Paris übergeben. Eine solche Stiftung erhebt eine Anstalt auf ein höheres Niveau. ■ Sie übergiebt ihr reiche Mittel und eröffnet ein großes und weites Feld gesegneter Thätigkeit. Sie giebt viel und fordert viel. Jedenfalls ist nach dieser Richtung die Thätigkeit der Alliance jetzt so gestellt, daß sich Großes erwarten und leisten läßt. Vorausgesetzt ist allerdings eine tiefe theo« retische und praktische Einsicht in das Gebiet der bestimmten Thätigkeit selbst. Es ist der Alliance damit ein überaus großes Feld praktischer Erziehung, eines bisher geistig zürückgebliebenen Therls der Judenheit überwiesen. Möge' sie sich, zum Heil für ganz Israel, als voll ״von der Weisheit der Pädagogik" erweisen. Eine andere, nicht minder ersprießliche Thätigkeit entfaltet die Ackerbauschule zu Jaffa. Der jüngste Bericht desHerrn CH. Netter, der in wohlthuendster Weise den Stempel eines geraden und edlen Sinnes und der Wahrhaftigkeit trägt, bezeugt daß erfreuliche Fortschreiten dieser Anstalt. Gerade die einfache Darlegung der Sachlage, das Geständniß, daß noch viel, viel anders und besser werden muß, daß lange noch nicht Alles rosenfarben in dieser Anstalt sich entwickelt hat, daß der Hemmungen und Störungen, der Hindernisse, mit welchen die Anstalt gu kämpfen hat, viele sind, begründet unsere Hoffnung, daß die Anstalt dennoch auf gutem Wege ist. Herr Netter legt seinen aufs Praktische gerichteten Bericht eigentlich nicht direkt der Alliance, sondern der Anglo Jewish Association, also Engländern vor, von welchen einige sich durch Augenschein überzeugt haben, und die praktischen Engländer lassen sich nicht durch Phrasen täuschen. Wir haben also hier einen sicheren Erfolg der Thätigkeit der Alliance zu verzeichnen, welcher dermaleinst großen Segen in dem von allen Juden stets hochgehaltenen heiligen Lande verbreiten wird, wenn, — ja wenn seine Thätigkeit nicht paralysirt, durch entgegengesetzte Thätigkeit erstickt wird. — In der Ackerbauschule befinden sich jetzt 30 Zöglinge und mehr noch harren der Aufnahme. Anfangs waren die Aufnahmegesuche selten, jetzt gehen sie sehr zahlreich ein; sechs haben bereits ihre Lehrzeit beendet; einzelne sind fl