Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 42 (20.10.1874)
- Date
- 1874-10-20
- Page
- Seite 338 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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338 der!" Und mit beiden treuen Manneshänden umfaßt und drückt er die dargebotene Rechte; in diesem innigen Drucke fühlt der Andere das Herz des wiedergemonnenen Freundes. Das ist eine herrliche Veranschaulichung der hehren Versöhnungslehre, in ihrer Bedeutung noch mehr hervorgehoben durch die zwei gleichgültigen Nebenfiguren apathischer Frömmigkeit, des ״lernenden" Halbrabbi, der in der Mischna liest, und des polnischen Vollblutgelehrten, der über eine schwere Stelle im Talmud grübelt. Das liebe Bübchen auf dem Bänkchen veranschaulicht mit den übrigen vier Knaben, die über das Bild symmetrisch vertheilt sind, den altjüdisch traditionellen Gedanken pflichtmäßiger Angewöhnung des jüngeren Geschlechtes zu Gotteshaus und Gottesdienst. Ein überaus schönes, wir möchten sagen, wohlthuend versöhnendes Gleichmaß führen uns die dreizehn^) Figuren in den drei geschilderten Gruppen vor — drei in der Mitte, und je drei auf beiden Seiten, pyramidalisch geordnet,neben den zwei Hauptfiguren links und rechts — eine höchst gelungene, malerische Ordnung, mannichsaltig in der Einheit. — Diese Einheit aber und Krone des Ganzen gewinntunser Bild erst durch die beiden hohen Mittelfiguren, welche erhaben über allen anderen stehen — es ist die eheliche Liebe, die Säule und Grundfeste des jüdischen Familienlebens, welche hier gefeiert und aus der göttlichen Liebesurquelle des Sühnetages aufs Neue geweiht wird. — Nach der schönen altjüdischen Sitte, daß Mann und Weib zusammen den Gang zur Synagoge antreten, erscheinen die zwei jugendlichen Gestalten noch zusammen im Portale des Gotteshauses, wo sich aber ihre Wege scheiden werden — der Mann wird sich die Stufen hinab zu den Männern, das Weib die Stufen empor zu den Frauen begeben. Allein, wie flüchtig es auch *) Die Zahl dreizehn ist im Judenthum heilig, da sie die 13 Momente der göttlichen Gerechtigkeit und Güte enthält, deren die Gebete des Sühnetages so oft innigst erwähnen. (Vgl. 2. B. M. 34, 6. 7.) geschehen muß, einen innigen Blick haben sich die Beiden noch zu senden, Auge in Auge, Herz zunr Herzen fühlend, bevor das Auge sich ausschließlich zu Gott, das Herz sich ungetheilt zum Vater des Erbarmens wende. Sie drücken einander innig die Hand. ״Wir bleiben verbunden in Ewigkeit!" Der Man schweigt, seine Blicke reden. Das überwallende Herz des Weibes kann nicht schweigen; sie öffnet den Mund und sagt: ״faste gut!" So scheiden sie und haben einander noch inniger lieb in Gott. Und so scheiden auch wir ungern von diesem fesselnden Kunstblatte, und inniger werth ist uns der schöpferische Kunstler worden, in dessen Bild mit seinen reichen Gestalten wir itns, innig und wonnig, ntit Andacht versenkt haben. Und mit Wehmuth scheiden wir von dem Bilde; denn unsere ganze Jugendwelt tauchte bei seiner Betrachtung in uns auf aus dem Borne heiliger Erinnerung. (Schluß folgt.) Briefkasten -er Redaction. Ich danke dem freundlichen Winkgeber ״von der Elbe" in der ,Jisr. Wochenschrift" herzlichst für die freundliche Mittheilung, daß אחרי מות קדושים אמור nicht vier, (wie wir wohl irrthümlich in Nr. 34 d. Z. schrieben), sondern nur drei Sidras find. Wer,hätte es sonst gewußt, daß אתדי מות eine Sidra ist? Ich lese freilich seit 30 Jahren regelmäßig die Thora vor aber ohne opv — wie die isr. Wochenschrift ist: wer kann daraus etwas lernen? Ich habe lange vergeblich nachgedacht, welchem freundlichen Geschicke ich den Freundeswink ״von der Elbe" zu verdanken Hütte. Ich wußte mir nicht zu erklären, wodurch ich mir den Freund errungen, bis ich die Volkszeitung nachschlug: da siel mir's bei: halt, das ist's! du hast ja einen Mann aus Magdeburg— und das liegt an der Elbe und der Mann ist so Etwas bei der ״Jsr. Wochenschrift" — vor der Lächerlichkeit bewahrt. Wer diesen Mann gesehen, gehört oder gar etwas von ihm gelesen hat: wer überhaupt seine wissenschaftlichen Antecedentien kennt, würde sich der nicht vor Lachen ausschütten müssen, wenn er sich diesen selben Mann als ״Leiter eines Institutes zur Förderung der israelitischen Literatur" denkt? Darum also! Nun gut! Den Dank, Dame, begehr' ich nicht. Ich thats ja gerne. Beweisen Sie mir bald, daß ich nicht deutsch lesen kann, wie Sie versprechen — und Sie sollen anders gedankt bekommen. Bingen a. Rhein. Beginn des Wintersemesters am 2. November k. Beste Referenzen. — Prospecte gratis und franco. — Eintritt kann jederzeit erfolgen. (H. 62363.) Geschirr. Soberuheim. Vacanzen. Ascheuhaufen. Ein Lehrer, Vorbeter und Schächter. Gehalt 200 Thlr., vom 1. Januar 1875 ab 280 Thlr. excl. Alterszulage, freie Wohnung mit Garten. Meldungen an das großherzoglich sächfische Landrabbinat zu Lengsfeld. Pirnitz bei Jglau in Mähren. Ein Lehrer an der deutschen israel. Privat- Volksschule. Gehalt 450 fl. nebst freier Wohnuttg. Meldungen an den Cultus- Vorstand. Markt-Berolzheinr, Bezirksamt Gunzenhausen. Ein Religionslehrer und Vorsänger. Gehalt 350 fl., 50 fl. aus Stiftungen rc., freie Wohnung und nicht unbedeutende Nebeneinkünfte. Eintritt Anfangs November. Für den mehrgenannten wohlthntigen Zweck find ferner bei uns eingegangen, womit wir die Sammlung schließen: Von den Herren Siegmund Metzger in Weisenau 1 Thlr., Abraham Katzenstein in Frankenberg 2 Thlr., PH. Dilloff das. 1 Thlr., Rüben Marx das. 15 Sgr., Marcus Dilloff das. 10 Sgr., I. Katten j das. 1 Thlr., D. Katz das. 15'Sgr.,!L. Marx das. 1 Thlr., die Erben d. I. j Willon Wwe. das., 1 Thlr., D. Blum!das. 15 Sgr., Fürst das. 1 Thlr., L. 'Dilloff das. 5 Sgr., S. Ullmann in! Westerburg 1 Thr., Ungenannt 15 Sgr., j Summa 11 Thlr. 15 Sgr. Red. der jüdischen Volkszeitung. Reisender gesucht, gewandter Verkäufer, streng religiös, für die größten Plätze Nord- und Süddeutschlands. Die mit der Branche unb Kundschast vertraut (Specialität in Gummizügen rc. für Schuhfabriken) erhalten den Vorzug. S. Mannsbach, Cöln. Anr grü. Hoch. An die vereint Maclionen der Zeitschriften, welche mit uns in Change stehen, die wiederholte Bitte, bei der Zusendung durch Post immer an die Redaction der Jüdischen Volkszeitung zu ©ßcr-Jngcfficim in Ufieinfiefen adressiren zu wollen, worauf dann die Expedition unseres Blattes auf dieselbe Weise regelmäßig und pünktlich erfolgt. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: I. Klingenstein in Ingelheim. — Verlag und Druck von Heinrich FischerLCo. m Leipzig. 83552^