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Jüdische Volkszeitung · 1874-10-13 · 41 (13.10.1874) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
41 (13.10.1874)
Date
1874-10-13
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Kestckkungra ne5”en®1Smä«fSa?"״nb Herausgegeben von 3. Kkmgeaftem in Ingelheim. Preis vierteljährig!!1k Lgr. Inserate sind an Heinrich Fischer & Co. in Leipzig zu senden. Preis der 3 yesp. Zeile L Lgr. Xo. 41. Leipzig, den i3. Oetoüee. 1874. Inhalt: Ach awa. Leitartikel: Synagogen-Einweihungen. Correspondenzen: Aus Bayern, Alzey, Beuthen, Wangen. Rundschau: Bromberg, Schmeidemühl, Wetzlar, Königsberg, Wien, Paris, Petersburg. Unterrichts- und Erziehungswesen: Rundschreiben des Statt- Halterei-Präsidiums Galiziens. (Schluß.) — Erlaß der königl. Regierung zu Düsseldorf. — Jahresbericht der jüdischen Gemeinde zu Thorn. Achawa: Einnahme im September 1874. Anzeigen. Acüaw«. Wir ersuchen diejenigen unserer Mitglieder, welche mit der Entrichtung des Beitrags pro 1874 noch im Rückstände sind, ihrer Verpflichtung alsbald nachzukommen und die Gelder an unseren Rechner, Herrn Leopold Dann in Frankfurt a. M- (Schnurgasse 36) einsenden zu wollen. Mitglieder unseres Vereins, deren Wittwen und Waisen, welche für das Jahr 1874 wiederholt oder zum ersten Male Anspruch auf Unterstützung zu erheben gedenken, (§ 9 der Statuten) haben ihre Gesuche für sich und ihre Angehörigen nach § 10 unserer Statuten bis längstens den 1. November an den Schriftführer unserer Verwaltung, Herrn Julius Philipp Bonn in Frankfurt a. M-, einzusenden. Später einlaufende Gesuche können, außerordentliche Fälle ausgenommen, unmöglich mehr berücksichtigt werden. Frankfurt a. M-, den 1. October 1874. ׳ Die Verwaltung. A^nagogen-Eimveiüungen. Wir sind nur selten für den Bau neuer Synagogen sehr begeistert. Es ist für manche Gemeinde geradezu bedenklich und in vielen Fällen der Anfang der Zerwürfnisse und des Zerfalls derselben, sobald nur der Plan zur Erbauung einer neuen Synagoge auftaucht. Jedenfalls ist nachweisbar, daß in den größeren Gemeinden Südwestdeutschlands die Gründung der orthodoxen Separatgemeinden der s. g. Religionsgesellschaften, sich auf die Erbauung solcher Synagogen zurückdatiren läßt. Die Ursachen hierzu liegen auf der Hand. Jede Gemeinde möchte dann die andere an Pracht und Ausstattung des Baues überbieten, verlangt etwas Funkelnagelneues, noch nie Dagewesenes. Und auch der Gottesdienst wird von Grund aus umgestaltet, ein besonderes neues Gebetbuch wird gedruckt, das natürlich ein Product der subjectiven Anschauung des jeweiligen Rabbiners oder Predigers ist und vor Allem — neu sein muß in Ideen, Grundsätzen und Ausführung. Ein Chor wird gebildet und mit Begeisterung werden die neuen Gesänge einstudirt. Die Einweihung ist glanzvoll — Alles fühlt sich erbaut, erhoben. Aber bald, schon am nächsten Samsttag, tritt Ernüchterung ein. Das Neue schließt sich nicht dem früheren gewohnten herkömmlichen Gottesdienste an; es ist alles fremd, ungewohnt — die Pietat, die beim Gottesdienst doch das Erste ist, fehlt. Der Chor wird schlaff, nüchtern, lässig, die Zahl der Sänger wird immer kleiner — Zwist tritt ein. Prediger und Cantor sind nicht immer gleich gestimmt, gefallen nicht jederzeit oder gar nicht mehr — die Stimmung kann sich nicht auf der anfänglichen Höhe erhalten. Kälte — äußere und innere — leeren die Bänke, die sich dann nur von Zeit zu Zeit, je an hohen Festtagen, mit Andächtigen filllen. Und wenn der Prediger mit Engelszungen redete, — es kann dem Sturm, der Flucht nicht Einhalt gebieten. Aber noch ein anderer Moment tritt hinzu, der seine Schatten wirft auch in die kleineren und mittleren Gemeinden. Auch in diesen werden allüberall neue Synagogen gebaut; sie sind an vielen Orten vielleicht in dem Moment der Erbauung ein wirkliches, tiefgefühltes Bedürfniß. Man glaubt das mindestens. Hier, in den kleinen Gemeinden, bleibt dabei wohl doch Alles beim Alten; der Schlendrian zieht mit aus der alten in die neue Synagoge — nur die Schulden, die auf dem Baue haften, sind ganz funkelnagelneu und drücken auf die Steuerpflichtigen. Da tritt Mißmuth ein, es soll auf der anderen Seite, an den Beamten, gespart werden. Für wenig Geld bekömmt man jedoch nur schlechte Beamten. Unwissende Cantoren und Lehrer, welche diesen Ehrennamen mit Unrecht tragen. Wo bleibt da die Verbesserung, die Er- Neuerung, die Hebung, welche man von der neuen Synagoge erwartete? Das Gegentheil tritt ein und bald liegt Alles danieder. Und ein anderer Umstand tritt bei kleinen Gemeinden hinzu, von dem wir in Rheinhessen selbst an einigen Orten die sprechendsten Beweise haben. Das ist: vielleicht schon ein Jahr nach der Erbauung der neuen Synagoge wird eine Eisenbahn in der Provinz angelegt, welche den betreffenden Ort nicht berührt.׳ Das Geschäft nimmt eine andere Richtung; die wohlhabenderen Gemeindeglieder ziehen in die benachbarte Stadt, in Orte, welche an der Bahn liegen. Andere werden durch ihre Kinder genöthigt, sich an einem Ort niederzulassen, wo sie denselben einen besseren Unterricht verschaffen können. Und nach wenig Jahren steht die Synagoge leer — nicht einmal das erforderliche Minjan befindet sich mehr am Orte. Wir könnten in einem Umkreise von nur 2 Stunden 3 oder 4 solcher kleinen (Gemeinden nennen, die vor noch

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