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Jüdische Volkszeitung · 1874-10-06 · 40 (6.10.1874) · p. Seite 322

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
40 (6.10.1874)
Date
1874-10-06
Page
Seite 322 (sequence 8)
Language
German
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322 dem Namen ״Slutzker Niagid", welcher jetzt in London sich! können, weil sie die englische Sprache nicht hinreichend genug aushält, und durch seine Reden seine dortigen Landsleute in j verstehen, um an englischen Predigten sich zu erbauen, die von Entzücken und Begeisterung versetzt, so grausam und er-! ihnen so lange ersehnte Gelegenheit verweigert, ihren Spergeun, barmungslos versolgt, aus keiner andern Ursache, als um bei! wie die ״Jewish World" ihn nennt, zu hören und an seinen den russischen Fanatikern als hoch angeschrieben zu stehen,! Reden sich zu laben. Herr Dr. Adler sollte doch an der so z. B. bei dem ״Slutzker Rabbi" u. d. g. Diese und! liebreichen und hochherzigen Behandlung, die dem Herrn Dainow andere Finsterlinge verfolgen Herrn Dainow wegen seiner! in Deutschland (?) und Frankreich zu Theil wurde, Beispiel epochemachenden sreisinnigen Reden, in denen er seinen Glaubens-! nehmen: und wo bleibt denn die britische Gastfreundlichkeit, genossen in Rußland den Werth der Arbeit und Bildung in' auf die jeder Britte so stolz ist? — lebhaften Farben schildert und mit dein leuchtenden und! Wir glauben damit genug gesagt zu haben, und hoffen, wannenden Feuer seiner Worte ihnen ans Herz legt, mit dem! daß Herr Dr. Adler sein bis jetzt an Herrn Dainow begrößten Zelotismus, und legen ihn in den Bann. Von! gangenes Unrecht gut zu machen bestrebt sein wird, um die diesen Leuten willlü׳.Adler als״G a o n"und ן מקנא קנאח ה״ צבאות Hochachtung die er verdienter Weise überall genießt, durch eine gehalten werden? Es ist uns auch nicht im mindesten auf-!so unedle wie unhumane Handlung nicht einbüßen zu müssen, fallend, wenn die Herren Rabbinen in Rußland, die alles! Berlin, den 8. September 1874. andere außer dem Talmud als unnütz und eitles Ding be-! Unu8 pro Multis. trachten, die das Leben und dessen gesellschaftliche Bedingungen > ______ nicht kennen, — wenn sie einen Mann wie Herrn Dainow verketzern, der auf der Kanzel nicht von Paradies und Hölle, nicht von Engel rmd Teufel, sondern vom Leben und seinen Bedürfnissen, von der Gegenwart und ihren Anforderungen spricht, einen Mann, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, seine imglücklichen Brüder in Rußland, welche durch Beeinslussung der Neb bes ihre besten Jugendjahre in בתי מדרשות vergeuden, Bildung und Arbeit verabscheuen, und sich mehr für den Tod als für das Leben vorbereiten, aus dem Abgrrmde des Elends und des Unglücks durch beständige Predigte:: und Ermahnungen emporzuheben, und durch das Feuer seiner Reden m ihnen edlere Gefühle zu wecken, ihnen die Augen zu öffnen, damit sie ihre Lage erkennen und sie durch Bildung und Arbeit verbessern. Aber eher müssen wir die Vcrfolgung eines frommen und :vahrhaft religiösen Mannes seitens eines wissenschaftlich gebildeten Rabbiners ansehen. Es setzt uns in Bezug auf die englische Judenheit .in Erstaunen, wenn ihr Oberhaupt, durch niedrige Motive verleitet, den Finsterlingen seine Hand bietet, und den in seinem Lande verfolgten, auch auf fremdem Boden herzlos behandelt. Ist es nicht ein himmelschreiendes Unrecht, wenn Herr Di׳. Adler den in England wohnenden polnischen Juden verbietet, den Herrn Dainow in ihren Synagogen predigen zu lassen, und damit nicht allein dem Herrn Dainow die größte!שפיכות רמיב verursacht, sondern auch Taufende von Juden, die in England ihrem religiösen Bedürfnisse keine Befriedigung verschaffen Zur Notiz für die DerLagshandlung von F. A. Srockhaus in Leipzig. Eine uene Auflage des Conversations-Lexicons wird eben in den Zeitungen angekündigt - In der letzten (elften) Auflage find dem Schinderhannes und ähulichem Gelichter wohl besondere Artikel gewidmet; aber einer der edelsten 6'haraetere der Neuzeit, ein begeisterter Kämpfer für Gewissensfreiheit und zugleich Grkümpfer derselben, eines der einflufzreichsten Mitglieder der deutschen National - Versammlnng zu Frankfurt a M, der am 22. April 1863 verstorbene Dr. Gabriel Messer, hat in höchst auffallender Weise keinen Platz in derselben gefunden! Ja, in dem ganzen Werke wird nicht einmal fein Name genannt, obgleich in verschiedenen Artikeln die dringendste Beranlassnng hierzu war. Vorstehende Zeilen bezwecken nun, die in der Neberschrift genannte Verlagshandlnng aufmerksam zu machen und zu bestimmeu, dieses Versehen denn eine Absichtlichkeit können wir bei dem humanen Geiste, der in diesem Werke nns im Allgemeinen entgegentritt, doch nicht wohl annehmen — in der neuen Auflage gut zu machen. Wiesbaden, September. S—d.?11 Im Wintersemester 5635 werden lesen: Der Unterzeichnete: Talmud, statarisch, Piecen (שימות) aus Tractat תוריי. wöchentlich Z Stunden. Jerusalem. Talmud, Tractat שבת, Fortsetzung, wöchentlich 1 Stunde. Geschichte, die Makkabäer, wöchcntl. 2 Stunden. — Derselbe wird auch halachische und homiletische Hebungen reiferer Hörer leiten. Ul׳. Berliner: Literaturgeschichte, Gramatik und Massora, Exegese und Liturgie während der Geonim- Periode, wöchentlich 2 Stunden. Di. Hoffmann: Talmud, curso!risch, Tractat מנחות fol, 29—44 und | Tractat מגלה, wöchent. 4 Stunden. ן Ritual-Codex: 201 § יורה דעה (nebst Mischna Tractat מבואות, wöchentl. 5 Stunden. Pentateuch-Exegese: Die Gesetze im Deuteronomium, wöchentl. 2 Stunden. 1)1׳. Barkh: Neligionsphilo- , sophie, die 8 Perakim des Maimonides!im arabischen Original, wöchentl. 1 St.! Exegese: Hosea, Joel und Amos, > wöchentlich 2 Stunden.! Derselbe wird zugleich ein Privatissimum im Syrischen halten und exegetische Uebungen leiten. Für die Anfnahme als ordentlicher Hörer ist erforderlich: a) int Talmudischen die Befähigung zum selbstständigen Erfassen eines mittelschweren talmudischen Textes nebst Raschi, Tosesot und Noten ,des מהר״שא; b) im profanen Wissen die!Reife für die Prima eines Gymnasiums.! Mit dent neuen Semester wird die : bereits früher in Aussicht gestellte Unter- Abtheilung eröffnet, in welcher außer den hebräischen und talmudischen Fächern zunächst das Lchrpensum der Secunda eines Gymasiums absolvirt werden wird. Ztrr Aufnahme in diese Abtheilung ist außer der oben erwähnten Befähigung int Talmud noch die Reife für die Secunda eines Gymnasiums erforderlich. Beginn der Vorlesungen am 12. October c. Meldungen nimmt der Unterzeichnete im Seminar, Gipsstr. 12 a, entgegen. Der Rector Di׳. Hildesheimer. H^sg^er und verantwortlicher Redacteur: I. Klingenstein in Ingelheim. - Verlag und Druck von Heinrich FischerckEo. mLeipzig.

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