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Jüdische Volkszeitung · 1874-10-06 · 40 (6.10.1874) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
40 (6.10.1874)
Date
1874-10-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ff ־־־/ doc!!en8cllrijst (m! J ruuntty fo§ J|0rt8clmtt$ in ^emeinäe und ^elrulq, ^ynngoge unä eben. Lesttlkungtk nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis uierieljährlich 17*/$ Agr. Herausgegeben von 3. Kliageaftein in Ingelheim. Inserate sind an Heinrich Fischer & Co. in Preis No. 40. Leipzig, de» 6. Oktober. 1874. Inhalt: Leitartikel: Einige Aufgaben des Judenthums in der Gegenwart. IV. Correspondenzen: Aus Sllddeutschland, Aus Schweden, Aus Amerika. ■ Rundschau: Berlin, Altona, Carlsruhe, Freiburg, Wien, Krakau, Paris Unterrichts- und Erziehungswesen: Rundschreiben des Statt- Halterei-Präsidiums Galiziens. Feuilleton: Die Juden in Rom. Eingesandt. Zur Notiz an die Verlagsbuchhandlung von F. A. Brock- Haus in Leipzig. Anzeigen. Einige Aufgaben des Judentliums in "der Gegenwart. Festbriefe an die geehrten Leser der ״Volkszeitung". VI. FestnachklÜnge. Von Jiob wird erzählt: Wenn die Reihe der Festtage uni war, welche seine Kinder in ihren Häusern regelmäßig hielten, stand er des Morgens auf und brachte Ganzopfer nach der Zahl aller seiner Kinder, die sich zu diesen Festen in den Häusern ihrer Geschwister versammelt hatten: ״Denn", sagte er, ״vielleicht haben meine Kinder gesündigt und sich von Gott losgesagt in ihren Herzen. (וברכו אלהים בלבבם) Dieses Gefühl, daß wir durch die Feste uns versündigt haben, daß wir an ihnen nicht in ganzem Maße unsere Schuldigkeit gethan haben, könnten, daß Religion und Sittlichkeit durch unsere Schuld nicht fest genug wurzelte in unfern Kindern, spricht sich auch in einem halbvergessenen Brauche der Synagoge aus: Zweimal des Jahres wurden unmittelbar nach den Festen in der Synagoge freiwillige Fasttage verkündet, zur Frühlings und zur Herbstjahreswende שני וחמשי שני. Haben wir nun die geschlossene Festeszeit benützt? Sind allüberall die Gedanken gepflegt worden, welche sie anzuregen berusensind? Sindsie,dieFesttage,wiederfüruns, für die Synagoge der Gegenwart, für das Judenthum unserer Zeit מקראי קדש v heilige Festversammlungen und Verkündigungen geworden, die die Einheit des Judenthums, sein Streben nach innerer Kräftigung dieses Einheitsbewußtseins, sein geistiges Ringen manifestirten? Wir wollen es hoffen! Wir haben unsererseits unseren Wünschen und Hoffnungen, die wir an die Erweckung durch die Feste knüpfen, Ausdruck gegeben. Wir haben, getreu der Aufgabe der jüdischen Presse, dasjenige hervorgehoben, was wir in erster Reihe zu unterstützen, zu kräftigen und zu fördern verpflichtet sind. Die Aufgabe der jüdischen Presse! O, daß sie so oft verkannt, daß ihre Bedeutung so sehr unterschätzt wird; daß die Unterstützung, die man ihr gewährt, auch wenn sie auf dem ihr zugewiesenen Gebiete mit Treue und Hingebung ausharrt, eine so flaue ist! Freilich sollte die Presse auch ihre Aufgäbe oftmals besser erkennen. Sie sollte nicht immer und immer wieder in den Eingeweiden der Vergangenheit wühlen, sondern vorzüglich die lebendigen Fragen der Gegenwart frisch und frei besprechen. Es ist der jüdischen Presse, Gott sei Dank, ein großer Theil ihrer Aufgabe entzogen worden durch die Macht der Zeit. In den civilisirten Staaten sind die Ausnahmegesetze aufgehoben und die Cultur unter den Juden ist so allgemein verbreitet, daß auf diesem Gebiete nur wenig mehr für uns zu wirken ist. Wir haben in dieser Richtung nur mit Entschiedenheit den Standpunkt der Gleichberechtigung zu wahren und jede Ungebühr abzuweisen. Umsomehr müssen wir das Bewußtsein der Zusammengehörig- : feit vermittelst der Presse zu kräftigen suchen, müssen klar und wahr, volksthümlich und überzeugungstreu das hervorheben, was uns einigt und vorwärts bringt! Es liegt in der Natur der geistigen Entwickelung der Gegenwart ein Moment der Zersplitterung, das man sogar oft als ein Zeugniß des Strebens nach Einheit und Einigung aufgefaßt sieht. Die kleineren Vereine, in welchen sich oft die ״sociale Idee" ausspricht und die allesammt eine gewisse Selbstständigkeit beanspruchen, behindern in mannichfacher Weise das Zusammenfassen großer, weit verbreiteter und verzweigter Gemeinschaften, wie das einseitige Nationalbewußtsein die allgemeine Menschenliebe nicht aufkommen läßt. Und dazu koinmt nun noch der schwerwiegendk Umstand, daß in den Zeiten des Drucks, des Leidens der Zurücksetzung, die Gemeinsamkeit des Elends, und des Strebens, aus ihm herauszukommen lebendiger gefühlt wird. Unsere Väter wußten, warum sie stets das ״eine und einzige Israel" betonten, warum sie sich das Bewußtsein > der Zusammengehörigkeit nicht rauben ließen. Heute sind i andere äußere Mittel erforderlich, kräftige, die Idee in der Art und Weise, wie es unserer Zeit angemessen ist, verkörpernde Veranstaltungen, um dies schwindende Bewußtsein zu erneuern, darzustellen und zu erhalten. Wir wenden uns heute an unsere Gesinnungsgenossen.! Von ihnen erwarten wir die Erneuerung und Wiederher-! stellung solcher Institutionen, welche dem Gedanken der Ein-! heit des Judenthums entsprechen. Von ihnen, von unseren!Gesinnungsgenossen erwarten wir, daß sie die Krone Israels!nicht sinken lassen; daß sie den Selbsterhaltungstrieb haben!für das geistige Leben und Streben des Judenthums einzu- : treten mit voller Kraft und im Bewußtsein redlichen Wollens.

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