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Jüdische Volkszeitung · 1874-09-08 · 36 (8.9.1874) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
36 (8.9.1874)
Date
1874-09-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdische Volk ioctansclmft fitt! ^reunä^ äeK Jjwtedtritig in ^emeinäe unä Hclnlle. IynJgogö unä ^eben. Lrstekksngra nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich 171/2 Sgr. Herausgegeben von I. Kkingenftein in Ingelheim. 3nserate sind an Heinrich Fischer & Co. in Leipzig zu senden, preis der 3 g»sV- 3t1lt 2 ägr. No. 36. Leipzig, de» 8. September. 1874. Inhalt: Leitartikel: An unsere Leser!— Einige Aufgaben des Judenthums in der Gegenwart. — Ein Hilferuf der galizischen Juden. Correspondenzen: Aus Baden, Hamburg, Lemberg. Rundschau: Frankfurt a. M., Magdeburg, Homburg, Metz, Wien, Brody, Paris. Literarisches: Rückerinnerungen an Beethoven, Goethe und Mendelssohn. — Die Lebensalter in der jüdischen Literatur. — Erinnerungsblätter an die Confirmation oder Bar mizwah-Feier. Feuilleton: Ein englischer Romanjude. — Eine Gerichtsverhandlung in Wien. — Mortara. Briefkasten der Redaction. Anzeigen. An unsere Leser! Mit dem 1. October beginnt ein neues Quartal unserer Zeitschrift und tritt dieselbe den 3. Jahrgang seit ihrem ersten Erscheinen in dieser Form an. Wir haben, wie unsere geschätzten Leser sich wohl überzeugen konnten, uns stets bestrebt, mehr und mehr unserer Aufgabe gerecht zu werden. Wir haben insbesondere im letzten Quartal die inhaltliche Erweiterung und Vervollständigung herbeigeführt und werden auf dem eingeschlagenen Wege nicht allein beharren, sondern stets mehr und mehr die Entwicklung der Zeitschrift uns angelegen sein lassen. — Wir werden auch in der Folge unverdrossen eintreten für den entschiedenen Fortschritt, wie für die Einigung, Er- Haltung und Befestigung des Judenthums, der Gemeinden und deren Institutionen. — Mehr als je ist in diesem Momente die thätige Theilnahme für diese Bestrebungen heilige Pflicht eines jeden denkenden Israeliten. Denn mehr als je erhebt der Zelotismus sein finsteres Haupt und entwickelt alle seine Macht und eine einer guten Sache würdige Thätigkeit, um das Judenthum zu zerspalten und die uralte Einheit desselben aufzulösen; die Gemeinden und deren Institutionen zu unterwühlen. In solcher Zeit ist es heilige Pflicht eines Jeden, einzutreten für die gemeinsamen Güter, das geistige Band, das uns Alle umschließt, zu festigen und die innere Läuterung zu fördern und zu unterstützen. Diese Aufgabe hat die jüdische Volkszeitung; ihre Unterstützung ist Ehrensache der denkenden Israeliten. Mögen endlich auch die Männer des Fortschritts sich auftaffen! Wir dürfen nicht mehr theilnahmlos Zusehen, wie all das Lichte, Gute und Schöne, was unsere Väter und wir erstrebt und errungen haben, von einer kleinen, rührigen Partei verhöhnt und untergraben wird. Unsere heiligste Pflicht ist es, mit Eifer und Hingebung für unsere UebErzeugungen einzutreten. Wir dürfen daher die Unterstützung aller Gesinnungsgenossen erwarten, da nur ein energisches, muthvolles Eingreifen den Sieg ermöglicht. Ober-Ingelheim, den 8. September 1874. Der Herausgeber. Einige Aufgaben äe8 Inäentbums in äer Gegenwart. Festbriefe an die geehrten Leser der ״Volkszeitung". I. Neujahrsbrief. Neujahrsbriefe! Welche Fülle von wohlthätigen Erinnerungen bieten sie uns! Herzen, die in der Ferne für uns schlagen; Geister, die an unserem Ringen und Streben den ' regsten Antheil nehmen, treten uns wieder näher durch Zeugnisse ihrer Gefühle und Gesinnungen, erfreuen und beglücken uns. Alte, halb vergessene Erinnerungen werden wieder wach; neue Hoffnungen geben sich kund; Wünsche werden ausgetauscht; Beschlüsse werden gefaßt und das Fest kommt mit seinen heiligen Anregungen — damit wir uns selbst erneuern mit dem Neujahrsfeste. Sollen wir nun diese Zeit nicht nützen, um auch den geehrten Lesern dieser Zeitschrift unsere Hoffnungen und Erinnerungen, unsere Bestrebungen und Beschlüsse, so weit sie das Judenthum der Gegenwart betreffen, kund zu geben? Der Gesammtheit Anregungen zu bieten, damit die Fülle des Segens, welche insbesondere in dieser Festeszeit liegt, von Neuem sich bewähre? ״Das Judenthum — ist tobt!" So ruft man uns von den verschiedensten Seiten zu. ״Was wollt Ihr, die Ihr an dem tobten Körper Euch abmühet? Ihr trachtet umsonst, ihm neues Leben einzuhauchen. Laßt Eure Federn ruhen und spart Eure Worte, die keine Zauberkraft besitzen. Müht Euch nicht ab — und bemühet uns nicht. Da sind Darwin, Vogt, Moleschott, David Friedrich Strauß und wie die lange. Kette dieser geistvollen Männer heißet; die haben der Religion den letzten Todesstoß gegeben, dem Judenthum nicht minder als den anderen Religionsideen und-Gesellschaften. Und Tausende von Juden haben die Religion ihrer Väter längst vergessen, ״sie wenden ihr den Rücken und nicht das Angesicht"; was wollt Ihr Friedensstörer mit Euren armseligen Worten und Erinnerungen? Bei uns vermöget Ihr nichts mehr!" ,,Ihr, Ihr Neuerer seid es ja", ruft man uns von der entgegengesetzten Seite zu, ״die dem großen, ganzen Juden-

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