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Jüdische Volkszeitung · 1874-08-11 · 32 (11.8.1874) · p. Seite 255

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
32 (11.8.1874)
Date
1874-08-11
Page
Seite 255 (sequence 7)
Language
German
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255 über die Maurerarbeiten enthalt, aus dem hervorgeht, daß die Hebräer unter militärischer Ueberwachung täglich eine bestimmte Anzahl Ziegel abliefern mußten. Aehnliches erzählt bekanntlich auch die Bibel. Man hat lange Zeit hindurch über den Platz gestritten, auf dem Ramses aufgeführt war. In Folge der auf Anordnung des Khedive angestellten Nachgrabungen kann man mit voller Sicherheit annehmen, daß die gigantischen Ruinen des alten Tanis, das egyptisch Zan, hebräisch Zoan hieß, die Reste von Ramses seien, wohin der 68. Psalm den Schauplatz der Wunder verlegt. Ramses lag an dem damals sehr breit gewesenen tamitischen Arm des Nil; dieser Arm berührte die Festung Migdol, vön der die Bibel ebenfalls spricht, und floß in der Nähe des von Moses gleichfalls erwähnten Bezirkes Pitom. Von Ramses bis Migdol verfolgten die Israeliten bei ihrem Auszuge genau denselben Weg, den, wie eine Papyrusrolle des Britischen Museums erzählt, ein egyptischer Beamter behufs der Verfolgung flüchtig gewordener Sklaven einschlug, welche die Wüste zu erreichen suchten, indem sie von Ramses nach Sukoth, Etham und Migdol eilten, sämmtlich Orte, welche die Bibel ebenfalls aufzählt. Auch die biblischen Angaben über die Wüstenreise der Israeliten stimmen mit dem Inhalte der erwähnten und ähnlicher Documente. So durchziehen sie die Wüste Schur, die zwischen dem Mittelmeer und dem Golf von Suez liegt. In jenen Gegenden kamen, wie Strabo und Diodor erzählen, häufig verderbliche Hochfluthen vor, die einmal eine Armee des Perserkönigs Artaxerxes vernichteten. Die bitteren Wässer der Jsraeliten bei Mara sind die Bittersalzseen von Suez; der Ort Elim, wo sie lagerten, heißt gegenwärtig Ein Muss, und erst nach dem Umwege über die Landenge von Suez zogen sie zum Berge Sinai herab. Aus befreundeter Hand erhalten wir zwei Actenstücke im Original, deren Form und Inhalt für unsere geehrten Leser wohl einiges Interesse haben mögen. Wir werden sie nach einander nach dem Urtexte vorführen. I. Um Eine Bessere ordnung Bey derNellenburgl: Judenschüft Einzuführen, wird dem Land Rabiner rfaiomon Wölfl’ Levi zu gailingen die Erlaubnis hiemit Eingeraumet, um 20. Reichs Thaller in nachstehend ausgesezten Fällen Salro tarnen Recursü an das Kail. Königl. Ober Amt Straffen zu därffen, als und 1= Wenn sich Ein Jud gegen das Jüdische Ceremoniel Verfehlet. 2= Wenn Sie in der Synagog sich unEhrenBiethig aufführen. 3= Wenn Sie dem Rabiner den gehörigen Respect nicht geben. 4= Wenn Sie dessen Befehlen nicht gehorsammen. oder 5L Wenn Sie sich Überhaupts gegen denselben ungehorsamm Bezeigen. Mann Verstehet sich jedoch gegen den Rabiner, derselbe werde in allen dingen mässigung Brauchen, und ohne grundt nicht sogleich zu Strass Erkenntnissen für schreitten. Stodach den 11ZL 7 1784. Kail. Königl. Nellenburgl. Ober-Amts Kanzley. Vermißtes. (Dankbarkeit.) Aus dem Leben des rheinischen Dichters und Domherrn in Aachen, Dr. Wilhelm Smets, erzählt das vom Notar Zuccalmaglio zu Grevenbraiß herausgegebene ״National-Wochenblatt für Stadt und Land" folgenden hübschen Zwischenfall: Den jungen Smets drängle (1818) eine hoffnungslose Liebe, die er in Sonetten feierte, zum Priesterstande. Unter den Freunden Brentano's und Görre's fand er überschwängliche Aufmunterung, aber keine Mittel dazu. Was ihm aber die katholischen Glaubenshelden versagten, sollte ihm von der Dankbarkeit der Coblenzer Juden gewährt werden. Obwohl Smets die Bühne für immer verlassen hatte, so beschäftigte er sich doch mit Theaterkritiken, wodurch er sein knappes Lehrereinkommen vermehrte. Damals machte die Posse: ״Unser Verkehr", worin die Juden verspottet waren, Glück. Unser Kunstrichter aber trat mit größter Entrüstung seines sittlichen Gefühles dagegen auf, verrief die Posse als nichtswürdig, weil sie gerade das verspottete, was auch dem Chrfften am heiligsten sein sollte, die Eltern-Ehrfurcht, und brachte es -durch sein verwerfendes Urtheil dahin, daß das Stück nicht mehr gegeben werden durste. Sest dieser Zeit, so erzählte uns der Dichter, ward ihm die Aufmerksamkeit der Juden äugenfällig. Er sah Mütter, die ihre Kinder emporhoben, wenn er vorüberging, ihren Kleinen den Mann zeigten, der eingestanden für die vielgeschmähten Juden. Doch nicht nur die Achtung, auch die Dankbarkeit der Israeliten sollte er erfahren. Eines Abends kam der Vorsteher dortiger Juden'gemeiirde zu ihm und erzählte, seine Glaubensgenossen hätten erfahren, daß er sich dem geistlichen Stande zu widmen' wünsche, ihm aber die Mittel dazu fehlten. Seine dankbare Gemeinde hätte sich entschlossen, ihm zu helfen, und für drei Jahre eine Summe gezeichnet, die dem Bedürfnisse reichlich entspreche. Smets traute seinen Sinnen nicht, und als der Rabbi sich nicht im Nebel auflöste, sondern die harten Silberthaler für das erste Semester auf den Tisch zählte und der anfänglichen Ablehnung des Dichters so liebevoll, so rührend zu begegnen wußte, da nahm dieser, vor Freude und Bewunderung weinend, mit Dank an. (Emtiafimc der üchaum im Juki 1874. I. Spenden. Von Herren E. Holzinger, 30 kr., S. Holzinger fl. 1., Hirsch Holzinger 30 kr., Gebr. Stern fl. 2., Mayer Gutmann fl. 1., Wolf Weihermann fl. L, Simon Weihermann fl. 1., Jacob Weihermann fl. 1., Gabr. Weihermann fl. 1., Joel Weihermann 80 kr., B. Gunzenhäuser fl. 1., Abr. Ullmann 30 kr., Jos. Ganzen- Häuser fl. 1., N. Regensburger fl. 1., Wohlthätigkeitsverein fl. 3. 30., säinmtlich in Feuchtivangen. — N. & M. bei einer freudigen Veranlassung fl 50. — N. N. fl. 175. — Frau Friederike Bergmann in Nürnberg nach einem Unwohlsein fl. 1. 45. — Durch Lehrer Marx in Alsheim von Hrn. Bl. Wallach in Mannheim bei der Verheirathung seiner Tochter Helene mit Hrn. Adolf Gerson fl. 10. — Von den Hinterbliebenen des sel. Hrn. Bernhard Hockheimer an dessen Sterbetage 17. Juli fl. 50. — Hrn. Hermann Reis in Frankfurt bei Gelegenheit der Confirmation seines Sohnes Julius fl. 10. II. Ehrenmitglieder. Herren Martin Löhren in Frankfurt, Phil, und Äernh. Neckarsulmer in Aachen, Jacob Levi in Offenbach, Samuel Treidel in Mayen, Bd. Goldmann in Hannover, Frau S. Katzenstein in Meinbressen, Herren Gottschall Sohn in Feudenheim, Jul. Deusch in Fürfeld. III. Mitgliederbeiträge. Herren I. Lehmann in Feuchtwangen, W. Blumenthal in Steinheim (Nachz. 1 Thlr.), Cramer in Gleichenwiesen, I. Oppenheim in Herleshausen, S. Cohnhoff in Dannenberg, Hommel in Thalmessing, A. Bender in Darmstadt, M. Hirsch in Großbiberau, H. Meyer in Salzkotten, D. Reinheimer in' Gedern. E. Eichstetter in Eppingen fl. 14., H. Morgenthal in Idstein, vr. Rülf in Memel, I. Dorfzaun in Zell. M. Braunschweig in Moirchsroth, M. Croner in Pr. Stargard, I. Eichengrün in Meinbressen, David Falk in Wallau, S. Gutmann in Sennfeld, S. Mach in Reichensachsen, H. Kleimenhagen in Schwerin, S. A. Friedberg in Coblenz, R. Rosenheimer in Feudenheim, M. Weiler in Wüstensachsen (Nach). 1 Thlr.), M. Kaufmann in Fürfcld. JV• 3tnfe»׳ halbjährige. Von fl. 1000. 3V3% Hess- Oblig. ff- 30. — fl. 1000. 4«/,׳ Hess. Oblig. fl. 20. — 22 Coupons österr. Lomb. ^Prioritäten ä fl. 5. 50. ----- 123. 20. Frankfurt a. M., 1. August 1874. Leopold Dann, d. Z. Cassier.

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