Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volkszeitung · 1874-08-04 · 31 (4.8.1874) · p. Seite 247

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
31 (4.8.1874)
Date
1874-08-04
Page
Seite 247 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9588641-9578923-9579199--757-9579206
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

247 Geburtsstätte und verbreiteten sich in vielarmigen Strömen nach wissensdurstigen Gauen aller Länder. Die Freiheiten, welche die Israeliten in Fürth Vorzugsweise genossen, riefen eine Selbstständigkeit bei ihnen hervor, wie sie bei den übrigen Juden jener Zeit nicht leicht anzuliten in Fürth viel Ungemach erdulden. Sie baten daher beim Rath der Stadt Nürnberg, ob ihnen nicht gestattet werde, gegen Ausstellung eines Reverses in der Vorstadt Gostenhof sich niederzulassen. Ihre Bitte wurde ihnen mit dem Zusatze abgeschlagen, ״die Juden sollten sich in die Zeit schicken und treffen war. Würfel erzählt als charakteristisch, wie sie sich . das Uebel mit Geduld ertragen." eine Reihe von humoristischen Beinamen gegeben haben und j Von den Synagogen in Fürth ist wegen rhres Alters, so manche ״Wörtchen" aus Fürth werden noch heute erzählt! ihrer Schönheit und Größe vor allen die Haupt- oder Alt- und gerne gehört, obwohl sie das Ohr des jüdischen Hörers!schul zu nennen. Sie wurde 1616 ״aus harten Steinen", Me unserer Zeit oft so fremdartig berühren als ein Citat aus dem?die Chronik sagt, erbaut. Ihr Alter lehren die Worte, welche Sanscrit oder aus irgend einem Buche mit sieben Siegeln: an einer Säule zwischen dem Stern und dem Ausgang einverschlossen. Den historischen Nachrichten, welche Würfel über den Hofmarkt Fürth 1754 veröffentlicht hat, zufolge, soll ein gewisser Männel, ein Sohn Simelins, ehemals Weinschenk in Nürnberg, welcher sich bald in Bamberg, bald in Schnattach (Schnaitach) aushielt, nach vielem Bemühen im Jahre 1528 vom Hochfürstlichen Haus Brandenburg Onolzbach die Erlaubniß erwirkt haben, in Fürth sich niederlassen zu dürfen. Bald soll er es dahin gebracht haben, daß er außer der Wohnung, welche er mit den Seinigen schon besaß, noch ein neues Gebäude für einen anderen Israeliten, Namens Michel, hinter gehauen waren. Es sind die Worte aus Ps. 29, 11. .ה׳ יברך את עפו בשלום לפ״ק Die Jahreszahl ist also in dem Worte שלום, welches in der Zahl 376 ausmacht, bezeichnet. Zu diesen 376 Jahren 1240 als Differenzzahl addirt, gibt die gewöhnliche Zahl 1616. Die ursprüngliche Altschul ist in der neueren Zeit^) durch Umbau bekanntlich verändert. So viel mir bekannt, ist aber der Prat (die Säule mit der Jahreszahl) erhalten geblieben. In dieser Altschul ist ein werthvolles פרוכת mit כפורת, welches ein Vorsänger Elkan für die jüdische Gemeinde in Amsterdam verfertigt hatte.׳ Weil dasselbe aber zu kostspielig ausfiel, so dem Brandenburgischen Geleitshause, aufrichten durfte. Michel, wurde das פרוכת von Amsterdam wieder zurück gesendet. Fastammte aus Dornberg, wohnte früher in Schwabach und von: milie Gumberts in Fürth hatte es hierauf erkauft um den 1537 an in Fürth. Michel muß ein bedeutender Geschäfts- > damaligen hohen Preis von 1200 fl. und es großmüthig mann gewesen sein, denn der Markgraf erließ ihm in dem; zur alten Hauptschul gestiftet. Schutzbrief: ״als Diener der römisch kaiserlichen königlichen! Rabbi Henoch Levi, ein Wiener Exulant, hat zur Dank- Majestät*) re. wider dieselben zu dienen." Die Reichsstadt j harkeit, daß er seinen Aufenthalt in Fürth gefunden, der Nürnberg erhob lange Vorstellungen gegen die Aufnahme der! Hauptschul eine besonders schön geschriebene Sepher thora Juden in Fürth auch bei dem Bischof Weigand in Bamberg.! übergeben. Derselbe hat auch anderwärts seine Mildthätigkeit In den Jahren 1540, 1542 und 1557 wurden abermals bewährt, da auch Burgkundstadt ihm durch eine Stiftung ein jüdische Familien von dem Markgrafen ausgenommen; 1566! ehrendes Andenken bewahrt. waren bereits fünf jüdische Familien daselbst ansässig, 1582 j Diese Altschul .war vielen Fatalitäten unterworfen. Im betrug die Anzahl der Juden. irr Fürth 200.*ן(״ wurde sie zu einem Roßstall verwandelt. Das Schon im Jahre 1607 bestand ein jüdischer Friedhof in Fürth. Bis dahin wurde von einzelrren Israeliten der Leichenhof in Baiersdorf benützt. Wollte sich der Fremde ohne Willen des Rabbiners und der Parnosim häuslich niederlassen, so konnte man ihm den Besuch der Synagoge, Handel und Wandel beim höchsten Bann verbieten. So stand es auch dem Rabbiner urrd den Parnosim frei, ob sie einen Juden länger unter sich dulden wollten oder nicht. Wollten sie einem das Bürgerrecht nicht länger gönnen, so zeigten sie es ihm an, dann durfte er wohl noch bei ihnen wohnen, aber Schulmantel oder Kragen durfte er am Sabbath nicht mehr tragen. Das Handwerk war auch den Fürther Israeliten ausdrücklich verboten; aus besonderer Gnade war gestattet, daß sie zwei oder drei jüdische Schneider in ihrer Mitte hatten, weil die genaue Beachtung des Verbots wollener und leinener Fäden, Schaatnes von der Gewissenhaftigkeit eines Religionsgenossen und von keinem andern erwartet werden durfte. (5***) Ebensowenig durften sie unbewegliche Güter besitzen. Jndeß erwarben sich doch viele ihre eigenen Wohnungen und zwar meistens auf dem Markte und in den besseren Straßen, ״was, wie auch in Nürnberg, großes Aufsehen machte." In den Kriegsjahren 1628 und 1641 mußten die Jsrae- *) Pfalzgrafen bei Rhein, der Herzöge in Payern, des Landgrafen Georg zu Leuchtenberg. **) Nürnb. Arch. Cons. Extract rc. ***) Würfel, Histor. Nachrichten. Feuer hat ihr auch einige Mal mitUntergang gedroht. 1680 schlug auch der Blitzstrahl in dieselbe ein; auch von: Diebstahl blieb sie nicht befreit. Georg Maindel von Trausnitz entwendete aus derselben die Lampen, Bücher und Anderes, was er zu Geld machen konnte. Er und seine Complice Marie Knapp, welche das gestohlene Gut verkauft hatte, wurden zu Nürnberg 1690 auf den Pranger gestellt. Außer der Hauptschul gab es noch die neue Kahalsschul, erbaut 1697, weil die alte Schul die Andächtigen nicht mehr fassen konnte. Nebst den beschriebenen beiden Synagogen waren noch mehrere Neben-Synagogen, wie die des Rabbi Jsak, Rabbi Bärman mit dem Beth hamedrasch, die Schul von Rabbi Salomon Fränkel, 91 Salman Klef. Wir übergehen die weiteren Bemerkungen, welche die Chronisten an diese Synagogen knüpfen. Sie kennzeichnen sich allesammt durch ein gehässiges Raisonnement, wozu ihnen die den alten Synagogen innewohnende Unordnung und die vielen Mißbräuche stets eine gute Handhabe lieferten. Würden sie ״das Fürth unserer Zeit" mit seinem mustergültigen Gottesdienste unter der Leitung des geachteten Rabbinatsverwesers Herrn vr. Neubürger und des verdienstvollen Cantors Herrn Ebert sich betrachten können, sie würden — wie Bileam segnen müssen. Das Hospital stammt aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.**) Die dort behandelten Kranken wurden theilweise auf Kosten der Gemeinde, theils durch Eintritts- und Verpfleg- *) 1841 theilweise und 1865 vollständig renovirt, 1878 mit Orgel versehen. ,**) Haenle, Geschichte der Juden v. ehem. Fürstenth. Ansbach.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.