Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 25 (23.6.1874)
- Date
- 1874-06-23
- Page
- Seite 196 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9588641-9578923-9579145--700-9579149- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
196 habilitirt, Herr vr. juris Schloßmann aus Breslau. Ich schließe meinen Bericht über die juristische Facultät mit der Erwähnung der erfreulichen Thatsache, daß die von jener für das Jahr 1873|74 gestellte Preisaufgabe von einem jüdischen Studenten gelöst worden ist. Noch größer ist die Zahl derjenigen jüdischen Studenten, die sich dem medicinischen Studium widmen. Und in der Bierzeitung, welche der hiesige medicinische Verein, auf den ich unten noch zu sprechen komme, zur Feier seines diesjährigen Stiftungsfestes herausgegeben, wird der orientalische Typus des Secirbodens mehr als einmal Erwähnung gethan. Auch die Anzahl jüdischer Docenten ist hier eine sehr bedeutende. Unter den ordentlichen Professoren finden wir freilich noch immer keinen jüdischen Namen verzeichnet, oder doch, denn wir zählen da drei getaufte Juden; in der Reihe der außerordentlichen Professoren sehen wir schon zwei Juden, wiederum drei getaufte; ferner unter den Docenten sechs Juden, drei getaufte Juden. Die Strebsamkeit der jüdischen Studenten der Medicin möchte noch folgender Umstand charakterisiren. Es existirt hier ein ״medicinischer Verein", d. i. eine akademische Vereinigung zur Förderung von medicinischer Wissenschaft unter den Studenten auch außerhalb der Collegien und der Privatarbeitszeit. Dieser Verein, der sich in ganz besonderem Grade durch seine Regsamkeit auszeichnet, zählt in nur verschwindend geringer Minorität Christen. Die christlichen Studenten, die sich überhaupt zum Anschluß an einen Verein angeregt fühlen, gehören eben gewöhnlich sogenannten farbigen Studentenverbindüngen an, in denen von allem Anderen eher die Rede ist, als von reeller Strebsamkeit, all Yocem Verein reihe ich hieran die Bemerkung, daß hier ein Studentencorps ״Marcomannia" existirt, indem die Aufnahme eines Juden noch immer als verpönt gilt. Erfreulicher, zugleich aber auch wichtiger ist die Thatsache, daß dem hiesigen Vereine zur Förderung vaterländischer Cultur, in den nur akademisch gebildete Männer aufgenommen werden, ebenfalls eine größere Zahl Juden angehören; der Verein ist übrigens einer der bedeutendsten seiner Art. Wie ich schon oben bemerkt, ist die Zahl von jüdischen Studirenden an der philosophischen Facultät eine ungleich geringere. Erwähnenswerth ist, daß derselben seit etwa zwei Jahren ein Jude als ordentlicher Professor angehört, der auch in weiteren Kreisen rühmlichst bekannte Professor Ferdinand Cohn. An dieser Stelle ist auch der h. Professor llouorarlns Graetz zu nennen, der für dieses Semester am schwarzen Brette eine Vorlesung über die hebräische 8^ntsx ornata angekündigt hat. Uebrigens machen sich auch in dieser Facultät die Namen getaufter Juden bemerkbar. Zur Unterstützung hilfsbedürftiger jüdischer Studenten existirt hier ein Gemeindestipendium, aus dem eine größere Zahl derselben, je nach dem Grade ihrer Bedürftigkeit, mehr oder minder bedacht werden. Ich glaube diesen Artikel mit der Zurückweisung eines Vorwurfes schließen zu müssen, den mir einzelne Leser machen könnten; ich meine, daß sie die Benutzung einzelner Thatsachen, ich möchte sagen, zu gewissen particularistischen Zwecken für ungehörig finden. Es soll aber durch meine Angaben nur das constatirt werden, was unparteiisch denkende Andersgläubige oft genug schon zu erklären Veranlassung nahmen, nämlich, daß unter den Juden ein höherer Grad von Strebsamkeit anzutreffen, die sich, was wir selber nicht verschweigen wollen, nicht etwa immer in günstiger Weise geltend macht. Jacob Wiener. Württemberg. In der ersten Juniwoche wurde seit vielen Jahren wieder eine zweite Dienstprüsung württembergischer Rabbinatscandidaten in Stuttgart durch die königl. israelitische Oberkirchenbehörde vorgenommen. Welcher Umschwung ist seit der ersten staatlichen Besetzung der Rabbinate Anfangs der 30er Jahre in den sociellen Zuständen der Israeliten Württembergs vor sich gegangen. Ursprünglich waren es 13 Rabbinate, später wurde Berlichingen aufgehoben; alle waren besetzt. Aus Mangel an inländischen Candidaten wurden aber in den letzten zwei Jahrzehnten sieben Ausländer als Rabbinen berufen. Ob aber 12 Rabbinen im Lande noch nöthig sind, mögen folgende Zahlen beleuchten. Stuttgart zählte bei der ersten Besetzung des Rabbinats 119, jetzt gegen 2000 Israeliten. In Heilbronn wohnten bei der ersten Besetzung des Rabbinats Lehrensteinsfeld, dessen Rabbinatssitz nach Heilbronn verlegt wurde, keine, jetzt 610 Israeliten; dagegen sind die acht eingepfarrten Gemeinden von Israeliten fast ganz entvölkert; sie zählten früher 1050, jetzt noch 750 Israeliten. Jebenhausen zählte 440 israelitische Einwohner, Göppingen 0; jetzt Jebenhausen 121, Göppingen 194, zusammen 315; Abnahme in Jeben- Hausen 319. Im Jahre 1776 ertheilte Herr v. Liebenstein den ersten Israeliten den Schutz und das Wohnrecht; bis das Jahrhundert abgelaufen, werden nur wenige dort wohnen. Laupheim zählte 584 und Ulm 12; jetzt ersteres 732, letzteres 555, zusammen 1287 Israeliten. Das Rabbinat Oberndorf zählte früher 1096 Rabbinatsangehörige; jetzt 800, darunter aber Ellwangen, wo ftüher 6 und jetzt 62 wohnen. Das Rabbinat Freudenthal zählte mit Filialen 687, jetzt nur 315, darunter Aldingen, wo die Synagoge geschlossen ist, weil nur noch eine einzige israelitische Familie dort wohnt. Diese Statistik beschränkt sich auf fünf RabbHj natsbezirke; bei den übrigen 7 werden die Zahlen ebenso überraschende Ergebnisse liefern. Als Resums dürste der Vorschlag begründet sein, daß 12 Rabbinatsbezirke für Württemberg zu viel sind und daß bei den veränderten Verkehrsmittel I m den | Limiten werden, und 18 tantere: Sfi und MI a) Schr b) Mm a) Schl 1J 2) a) Schn 1) 2) b) Miindl Hebe s r 1) Ast f bildun! untern 2) N t» Unten Elasst Punkt a) Schuf r>) Schriftlich «