Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 23 (9.6.1874)
- Date
- 1874-06-09
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Wochenschrift Jüdische V-lkszeitimg. rcttntlc H«stekk»ag«n nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich 17^/z Ngr. rn Grmrrrrdr und Irhulr> H^nngogr mb Arllkn. Herausgegeben von I. Mngsnslrru in Ingelheim, bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". Inserate sind an die Berlagshandlung von Joh. Friedr. Hartknoch in Leipzig zu senden. Preis der 3gesp. Zeile 2 Ngr. No. 23. Leipzig, den 9. Juni. 1874. 3 n 5 a l t : Die Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums. — Correspondenzen: Dresden. Vom Rhein, Alzey, Mannheim. — Rundschau. — Feuilleton: Vom ehemaligen Aufenthalte der Juden in Nürnberg. — Anzeigen. Die Koch schule für die Wissenschaft des Judentums. Berlin, am 28. Mai 1874.*) Mittwoch, den 6. Mai, dem Jahrestage der Eröffnung der ״Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums", wurde im Beisein der Elite der hiesigen jüdischen Bevölkerung ein kurzer Rechenschaftsbericht über die nun zweijährige Wirksamkeit der ״Hochschule" im hellerleuchteten Saale der Bibliothek erstattet. Der eigentliche Begründer der Hochschule, Herr Profeffor Lazarus, hielt eine Rede, die selbstverständlich in Form und Inhalt nichts zu wünschen übrig ließ. Der geehrte Redner begegnete dem der Hochschule allgemein gemachten Vorwurfe, daß sie wenig von sich reden mache, damit, daß es erst dann zweckmäßig sei, von einer Pflanzung Zu sprechen, wenn die ersten wirklich sichtbaren und in Blüthe stehenden Sprossen sich zeigen. Dies sei Gottlob mit dieser Pflanzstätte wahrer jüdischer Wissenschaft jetzt der Fall; vier Semester sind verflossen, die Hochschule hat nicht nur ihre Lebensfähigkeit überhaupt, sondern auch ihre Existenz in der Wirklichkeit, und zwar nicht bloß einer äußeren, sondern in der inneren Wirk- *) Wir bringen hier noch einen ausführlichen Bericht, obwohl ein kürzerer schon in einer früheren Nummer enthalten war. Bei der Wichtigkeit des Gegenstandes wird man das wohl entschuldigen. Redaction. lichkeit gedeihlichen, geistigen, wissenschaftlichen Lebens bethätigt- In sechs Wochen wird ein gedruckter Rechenschaftsbericht erscheinen, welcher die Versammlung nicht unnöthig mache, da Redner über die Einzelheiten hinweggehen werde. Ueber Geschichte und Entstehung bemerkte der Herr Redner besonders, weil Jrrthümer sowohl über die Zeit als auch über die Art der Errichtung im Publikum obwalten, Folgendes: Im Jahre 1867 sprach Herr Stadtrath Commerzienrath Meyer zu ihm (Prof. Lazarus), ob es nicht möglich wäre, etwas für die jüdische Wissenschaft zu thun; noch im Sommer desselben Jahres fand im Hause des Herrn Meyer eine Versammlung statt, um die Sache zu besprechen; im November wurde ein Auftuf erlassen. Leider kam der Tod des sel. Herrn Stadtrath, den wir aufs Tieffte bedauern, dazwischen und in Folge dessen ruhte die Angelegenheit gegen zwei Jahre. Als aber im Jahre 1869 der Sohn des Verstorbenen, Herr Dr. Paul Meyer, an dessen Stelle trat, wurde die Sache wieder ausgenommen, und sowohl im Winter als auch im Sommer desselben Jahres fanden viele Berathungen statt. Besonders hat die Leipziger Synode einen sehr guten Einfluß auf das schnellere Zustandekommen der Hochschule geübt, dort traten auch viele Mitglieder bei und wurde über Lehrplan u. dgl. mehrfach discutirt. Nun konnte man an die schwierigste Arbeit, die Wahl von Lehrern, herantreten, was, wie bekannt, auch glücklich zu Stande kam durch Acquisition der HH. DD. Cassel, Geiger, Lewy, Prof. Steinthal. Die Hochschule ist jetzt unter den Linden 4 a, bei einem ausgezeichneten Wirthe, dem ״Brüderverein". Besondere Verdienste beim Umzug und dem Baue erwarben sich der unermüdliche Prof. Lazarus und Herr Curator Alexander Wolff. Auch wurde die Hochschule mit einem künstlerischen Schmucke, dem wohlgetroffenen Oelgemälde Mosis Mendelssohns, durch Hrn.