Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 20 (19.5.1874)
- Date
- 1874-05-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdische VoMzeitling. Wochenschrift rcttn tlc iiesttlkungrn in nehmen alle Postanfialten und Buchhandlungeu an. Preis vierteljährlich 171/־, Ngr. zirmrindr und Irhnlr, I^nnzogr und Hrlrrn. Inferate sind an die Verlagshandlung von Joh. Friedr. Hartknoch in Leipzig Herausgegeben von I. Wngenstsin in Ingelheim, Preis derÄp.^Zeil- 2 Ngr. bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". No. 20. Leipzig, den 19. Mai. 1874. Iakakt: Das Humane im Judenthume (Fortsetzung). — Correspondenzen: Ingelheim, Mainz, Thorn, Fürth (Schluß). — Rundschau. — Literarisches. — Feuilleton: Baron Frank der Kabbalist in Offenbach (Fortsetzung). — Anzeigen. Das Humane im Iuäentkum?) Mit Beziehung auf Carl Lcholl's gleichlautenden Artikel in ״Es werde Licht!" Nr. 5. (Fortsetzung.) Scholl zeichnet in seiner Erläuterung zuerst die Gottes- Vorstellung der Israeliten. Er verfällt zwar hier in einige historische Jrrthümer. Er spricht von den ״Menschenopfern und Menschenschlächtereien", welche im ״alten Testamente" als von Gott selbst besohlen oder von ihm persönlich vollzogen berichtet werden, vergißt aber dabei, daß diese zumeist auf dem Wege der politischen Entwickelung des israelitischen Volkes lagen und wir stets in der älteren Geschichte Israels die politische und religiöse Entwickelung auseinander halten sollten. Es ist das noch keinem, auch keinem jüdischen Geschichtsforscher ganz gelungen. Und doch liegt es sehr nahe und wäre es vielleicht möglich, beide Entwickelungsformen in der Geschichte durchweg auseinander zu halten. Wir wollen nur eines erwähnen. In der Vernichtungsgeschichte Amaleks, die einen so langen Zeitraum einnimmt und wohl eine bedeutende Phase in der Entwickelung des jüdischen Volks zu sein scheint, tritt allerdings augenscheinlich der Conflict zwischen dem humanen und politischen Standpunkt mehrmals deutlich *) Wir haben wohl nicht nöthig, anzudeuten, daß wir, so sehr wir uns über die Toleranz Scholl's freuen, doch weit entfernt sind, ) eine nihilistischen religiösen Ansichten zu theilen. Redaction. hervor und nur Samuel, der den Volksgeist am richtigsten erkannte, die Theokratie am reinsten und energischsten durchzuführen strebte, der die Idee Moses vielleicht am klarsten begriff und am zähesten festzuhalten suchte — Samuel wollte den Zwiespalt aufheben, durchaus ein Ende machen, damit die Politik nicht das religiöse Leben trübe, die Israeliten nicht abgeleitet und verführt würden durch den gräuelhasten Wandel dieses Nachbarvolkes. So erklärt sich Vieles. Doch, wenn Scholl auch hier unhistorisch gewisse Anschauungen vom jüdischen Gotte festhält, so sagt er doch auch: ״Es sollte der fromme Christ nicht übersehen, daß die Menschenopfer und Menschenschlächtereien, welchen während der achtzehnhundert Jahre des Christenthums von diesem im Namen und zu Ehren seines Gottes vollzogen worden sind, jene alttestamentlichen ebenbürtig zur Seite stehen, daß sie dem Christenthum sogar in viel höherem Maße zum Vorwurf und zur Schande gereichen, da sie in eine um so viel spatere Zeit fallen, er sollte vor Allem nicht übersehen, daß das Grunddogma des orthodoxen Christenthums, der Glaube an die Erlösung durch Christus, auf die Annahme beruht, daß Gott zur Sühne seines Zornes nicht nur wie im Judenthum, das Blut von Thier und Mensch überhaupt verlangt habe, sondern das Blut, das Leben seines eigenen ״Sohnes!" Möchte sich der fromme Christ, ehe er sich dem Judenthum gegenüber in die Brust wirst, doch erst fragen, welche Vorstellung, jene jüdische oder diese christliche, die rohe, die barbarischere ist!" Scholl sagt dann, daß all die menschlich schönen Züge, die die Gottesvorstellung der Christen enthält, vom Judenthum sich auf das Christenthum vererbt haben. ״Die menschlich schönen Eigenschaften der Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Langmuth, Geduld, große Güte, Liebe und Treue, sie sind Eigenschäften des alten jüdischen Gottes; selbst die Vorstellung, daß