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Jüdische Volkszeitung · 1874-05-05 · 18 (5.5.1874) · p. Seite 143

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
18 (5.5.1874)
Date
1874-05-05
Page
Seite 143 (sequence 7)
Language
German
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143 lichen Beiträgen enthält das Buch auch Mittheilungen über Goethe's Advocaten-Thätigkeit in den Jahren 1771—1776. Kriegk hat die bezüglichen Proceßacten ebenfalls im Archiv aufgefunden, aus welchem sie jedoch, zugleich mit den von Goethe's Vater in eigenen Angelegenheiten verfaßten Proceßschriften, in die Frankfurter Stadtbibliothek verbracht werden sollen. Es sind nicht weniger als 28 verschiedene Procesfe und, merkwürdig genug, gehört die Clientel des jungen Rechtsanwaltes zu einem starken Bruchtheil der Frankfurter Judengemeinde an, während sonst der große Dichter sein Leben lang (vergl. Riemer's Mittheilungen über Goethe, I., S. 427) für j diesen semitischen Stamm im Ganzen nicht sonderlich passivnirt war.! 38. Die gläubige Bevölkerung von Paris, sowohl Katholiken als Juden, sind eben ziemlich aufgeregt durch die Entscheidung, welche in Betreff der Kirchhoffrage durch den Stadtrath getroffen wurde. Was die autokratische Stadtverwaltung eines Haumann nicht durchsetzen konnte, das scheint die demokratische Municipalität der Stadt jetzt ernstlich durchzuführen: die freilich fast ganz überfüllten Kirchhöfe von Paris sollen geschlossen und in M6ry an der Oise, zwanzig Kilometer von Paris, eine allgemeine Begräbnißstätte errichtet werden. Dahin soll eine eigene Eisenbahn für die Leichenbestattungen gebaut, der Sarg, die Geistlichen, das Trauergeleite per Dampf befördert werden u. s. w. — Man sieht, welche Abweichungen von den bisherigen Gewohnheiten dies mit sich führen und wie sehr dies manchen frommen Gemüthern widerstreben muß. — Es wird überhaupt die Ausdehnung der den Boden vergiftenden Kirchhöfe in allen großen Städten immer mehr zu einer brennenden Frage. 39. Noch eine eigenthümliche Folge des Wiener ״Börsenkrachs"! Jedes Jahr vertheilte die Synagogen-Verwaltung Wien an alle in Haft befindlichen Juden zu Ostern Mazoth. Der ״Krach" hat die pecuniären Verhältnisse der Synagoge so geschädigt, daß sie das rituelle Bros dies Jahr nur solchen Gefangenen zukommen laffen konnte, die aus der Provinz (Niederösterreich) selbst gebürtig sind. Einen Gegensatz hierzu finden wir in dem streng am rituellen Herkommen haltenden England. Die ״englische National-Dampf-Gesellschaft" zu Liverpool ließ dies Jahr, da der Abgang eines ihrer Schiffe sich in unvorhergesehener Weise verzögert, an die israelitischen Auswanderer, die sich einschifften, Mazoth vertheilen und solche Maßregeln treffen, daß dieselben am Bord des Schiffes ihre Ostern ganz ritualgemäß feiern konnten. Feuilleton. Epilog zu Maier's Nekrolog. Als Nachtrag zu dem Nekrolog des Kirchenraths Joseph v. Maier geben wir ein Gedicht, das im Jahre 1855 in Klein's Jahrbuch erschienen. Maier war auf einer Inspectionsreise als königlicher Commiffar von der israelitischen Oberkirchenbehörde entsandt, um die Rabbinate und Religionsschulen zu visitiren. In Jebenhausen wurde ihm folgender Toast bei einem Festmahle ausgebracht. Rabbi Joseph ben Möir. Keine Legende von Alexander Elsässer. Rabbi Josevh, Sohn des Möir, Zog als Knabe fort von Haus, Gottesfürchtig, wissensdurstig Lehre suchend ging er aus. Fremde Städte, fremde Länder Sieht er, manchen fernen Ort; Hillel gleich, vom Frost gepeinigt, Lauscht er an dem Hörsaal dort. Mitternächtig im Gebete חצות Kauert er am Boden hin, Hartes Lager ist sein Kissen, Gottvertrauen stärket ihn. Doch zum Jüngling angewachsen, Ward er ״Rabbi" schon genannt, Meister in der heil'gen Lehre, Mit ״ קבלהGeheimen" selbst bekannt. Doch ein Moses hat gewecket Auch in Juda neuen Geist, Ja, die Weisen and'rer Völker Dieser fromme Moses preist. Und der junge Rabbi Joseph Greifet nach dem Wanderstab, Sucht die Römer, sucht die Griechen, Zieht zum Indus selbst hinab. Griechen Weisheit, Römer Sitte, Perser Klugheit, Jndersinn, Alles ist ihm wohlerschlossen, Reiches Wissen sein Gewinn. Kennt ihr nicht die schöne Sage Von dem frommen Antonin? Diesem gleichet unser König Wilhelm, Jeder segnet ihn; Unter seinem Schutze wohnet Friedlich Juda ungestört; Rabbi Möir Resch Gelutha, Wirkt im Lande hochgeehrt. Wie ein Samuel im Lande Rabbi Joseph wandernd zieht; Rabbi Joseph, Sohn des Möir, Wer ist dieser Thanait? — Rabbi Joseph Zeitgenosse, Rabbi Joseph lebet noch, Weilet hier in unsrer Mitte, Rabbi Joseph, lebe hoch?

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