Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volkszeitung · 1874-05-05 · 18 (5.5.1874) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
18 (5.5.1874)
Date
1874-05-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9588641-9578923-9579082--634-9579083
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Jüdische Volkszeitung Wochenschrift tii r rcttn tlc־ Bestellung«» in nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich 17l/a Ngr. Ermrmdr und Irhulr, I^nugogr und Hsdrn. Znf-rat« sind an die Verlagshandlung von ־ ~~ Joh. Friedr. Hartknoch in Leipzig Herausgegeben von I. HswHMsIrm in Ingelheim, Preis der s'gesp!'Zeile 2 Ngr. bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". No. 18. Leipzig, den 5. Mai. 1874. 3 n ft a f t: Vernunft- und Naturgemäßheit des mosaischen Gesetzes (Schluß).— Correspondenzen : Berlin, Ingelheim, Stuttgart, Aus der Moldau- Wallachei. — Rundschau. — Feuilleton: Epilog zu Maier's Nekrolog. — Anzeigen. Vernunft- und Naturgemäßheit des mofaifcJWn Gesetzes. Aus r. Leopold Stein's ״Schrift des Lebens". (Schluß.) Wir finden Das vom talmudischen Gesichtspunkte ganz folgerichtig. Ein Vater sieht bei Dem, was sein Sohn ihm darbringt, mehr auf die kindliche Gesinnung als auf die Gabe. Ein gestrenger Herr aber, der nur die befohlene Steuer verlangt, die er seinen Unterthanen auferlegt, der achtet wenig auf die Gesinnung, wenn nur Zoll und Frohn geleistet werden. — Es ist wohl wahr, der Talmud macht beim Gebete, das ja eine ״Herzenspflicht", eine Unterredung mit Gott ist, eine Ausnahme und verlangt hier ausdrücklich die Andacht. Allein, indem er auch hier die Bestimmung trifft, welche man, wenn sie nicht so deutlich verzeichnet wäre, ftir unglaublich halten würde, daß nämlich Wer des Abends vergessen hat, das Gebet der ״achtzehn Sprüche" (Schmone esrs) zu sprechen, der müsse dasselbe Gebet des Morgens zweimal sprechen, so zeigt er auch hier, daß es ihm nicht um wahre Herzensergießung, sondern um eine ״Gebetsschuld" an den Herrn zu thun sei, weshalb es ganz folgerichtig ist, daß man Morgens den Zoll zweimal entrichten müsse, wenn man ihn Abends vorher zu entrichten versäumt hat. So führt jene für das religiöse Leben grundverderbliche Vorstellung, es sei Gott nur daran gelegen, daß wir seine Gebote befolgen, ohne Rücksicht darauf, ob wir einen vernünf- Ligen Sinn damit verbinden, nothwendig zur Gedankenlosigkeit. Oder zu noch Schlimmerem! Denn wenn die menschliche Natur zuletzt doch müde wird, Dinge zu üben ohne allen Sinn, so verfällt sie leicht in den gegentheiligen Fehler, in den Dingen zu viel, oder einen Sinn zu finden, welcher dem Geiste des Gesetzgebers geradezu entgegen ist. Aus der Oberfläche der Gedankenlosigkeit taucht der Geist dann hinunter in den sinsteren Grund der Geheimlehre; denn von der Ansicht, die Gesetze können einen Sinn haben, den nur Gott kennt, ist nur ein Schritt zu der kabbalistischen Verirrung, daß an jedem Buchstaben des geschriebenen Gesetzes die geheimnißvollsten Bedeutungen, ja, wunderbare Kräfte und Namen haften, die, uns unbewußt, auf unser Leben von unendlichem Einfluß seien. Wo in der Religion das Geheimwesen anfängt, da hört die Vernunft auf. Ferner ist aus jener falschen Religionsanschauung, als geschehe Gott ein Gefallen, oder es erwachse uns ein Verdienst aus der Uebung von Gebräuchen, deren Verständniß uns entrückt ist, der bedauerliche Mißstand von deren übermäßiger Anhäufung entstanden. Eine mäßige Anzahl von religiösen Uebungen können wir mit Andacht und heiliger Gesinnung vollbringen und es wird uns und der Religion zur Förderung gereichen — eine überbotene Fülle — nimmermehr! — Der Anblick einer Gebetversammlung in einer Synagoge nach altgottesdienstlicher Weise kann davon Jedermann überzeuge n — Und dennoch wird talmudisch gerade die Fülle der religiösen Satzungen als etwas Verdienstliches, Ersprießliches gefeiert, wie es in der bekannten Mischna heißt: ״R. Chananja Sohn Akaschja sagt, der Allheilige, gelobt sei er, wollte Israel glückselig machen, darum gab er ihm der Satzungen eine so reiche Fülle." — Denn wenn vor Gott, nach der alten An-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.