Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 17 (28.4.1874)
- Date
- 1874-04-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9588641-9578923-9579073--625-9579074- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Jüdische Bolkszeitung Wochenschrift tlc־ iiestekkungen nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich 17J/s Ngr. in Ermrrndr und Irhulr, Z^nngogr und Hkbrn. Herausgegeben von I. Mngrustrw in Ingelheim, bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". Aaserat« find an die Verlagshandlung von Job. Friedr. Hartknoch in Leipzig zu senden. Preis der 3gesp. Zeile 2 Ngr. No. 17. Leipzig, den 28. April. 1874. 3 nkakt: Vernunft- und Naturgemäßheit des mosaischen Gesetzes. — Correspondenzen: Ingelheim, Aus Bayern, Aus Norddeutschland. — Rundschau. — Feuilleton: Baron Frank der Kabbalist in Offenbach (Fortsetzung). — Anzeigen. Uerrmnst- und Naturgemäßheit des mosaischen Gesetzes. Aus vr. Leopold Stein's ״Schrift des Lebens".*) ״Das Gebot, welches ich dir heute anempfehle, ist dir nicht zu erhaben und liegt dir nicht zu fern. Es ist nicht im Himmel, daß du sprechest: Wersteigt für uns in den Himmel hinauf, bringt es uns, verkündet es uns, daß wir es üben! Auch ist es nicht jenseits des Meeres, daß du sprechest: Wer zieht für uns über das Meer hinüber, bringt es uns, verkündet es uns, daß wir es üben! — Sondern nahe liegt dir die Sache sehr. — Du hast es in deinem Munde und in deinem Herzen, um es zu üben." 5. B. Mose 30, 11—14. Diesen denkwürdigen Prüfstein seiner Gesetze, welchen uns Moses selbst bei deren Abschluß in die Hand gibt, daß dieselben uns nicht ferne seien, sondern sehr nahe liegen, *) Wir glauben diese bedeutungsvolle Schrift eines der edelsten und eifrigsten Förderer der Reform des Judenthums nicht besser empfehlen zu können, als wenn wir hier einmal ausnahmsweise ein Capitel aus diesem bereits gedruckten Werke unseren geehrten Lesern vorsühren. Die ״Schrift des Lebens", das Werk, welches die Religion des Judenthums in einer Weise vorführt, wie dies so freimüthig noch nicht geschehen: wie es jedoch unserer Zeit und Aufgabe angemessen ist, kann nach diesem Capitel beurtheilt werden. Den ersten Theil haben wir im vorigen Jahre besprochen. Der zweite ist bis zur sechsten Lieferung gediehen. (Mannheim, bei Schneider.) Redaction. hat er nicht auf diejenigen Gebote beschränkt, welche von selbst aus der menschlichen Natur hervorgehsn, sondern insgemein auch auf jene ausgedehnt, welche, als neu eingeführt, sich als Vernunft- und naturgemäß erst erweisen mußten. Bei diesen ist es daher allerdings denkbar, daß ihre Vernunft- und Naturgemäßheit einmal aufhören könne, und dann wäre es unnatürlichund unvernünftig, sie, gegen Natur und Vernunft, zwangsweise auftecht zu erhalten. Letzteres aber ist die talmudische Anschauung, welcher, nach dem Geiste der mosaischen Lehre, unmöglich beigetreten werden kann. Nach der Ansicht des Talmuds sind jene Gesetze gebieterische Aussprüche (Geseroth) eines höchsten Willens, der nicht verpflichtet sei, uns dafür Gründe anzugeben. Er spricht: ״so muß es sein", und wir sind nicht befugt, seine Befehle unserem Urtheile zu unterziehen. Daher bemerkt der Talmud zu der Schriftstelle.- ״Meine Rechte sollt ihr beobachten und meine Gesetze sollt ihr üben", jene bezeichnen die Vorschriften, welche aus dem natürlichen Rechtsgefühle (״Din") folgen, diese die Satzungen, welche der Satan (und die Völker der Welt) angreifen, indem sie sagen, die Thora könne nicht wahr sein, denn welchen Nutzen stiften diese Gesetze?— Weil daher Jemand sagen könnte: diese Dinge sind leer und nichtig, so heißt es dabei: ich bin der Ewige, ich bin der Herr, der die Satzung (Chok) gegeben — als einen königlichen Befehl (Gessrath hammelech) — und du hast keine Befugniß, darüber zu grübeln." — Maimonides, in seinem ״Führer" ein so kühner Denker und Anwalt des Geistes, schreibt Dieses in seinem talmudischen Sammelwerke, der ״starken Hand", buchstäblich nach, verschärft es noch durch eigene Zuthat, und fügt hinzu, daß die sämmtlichen Opsergesetze von dieser Gattung seien, und doch habe ״die ganze Welt nur Bestand durch die Opfer!" — Allein anderer Meinung ist David; er sagt: