Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 15 (14.4.1874)
- Date
- 1874-04-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Volkszeitung. Wochenschrift tiit* Ifrctm tl e־ tlcä o .frn Grmrindr und Ilhuir, Iiznnzogk und Kr! nehmen alle Postanstalten und Prei?di^Mhrl7ch" 7^ Ngr. Herausgegeben von z. Mngsnstsm in Ingelheim, bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". Anserate sind an die Verlagshandlung von Joh. Friedr. Hartknoch in Leipzig zu senden. Preis der 3gesp. Zeile 2 Ngr. No. 15. Leipzig, den 14. April. 1874. 31 n fi a 11 : Kirchenrath Dr. Josef von Maier. — Correspondenzen: Ingelheim, Berlin. — Rundschau. — Altjüdische Melodieen. — Anzeigen. Kircüenrntki Dr. Jofef von Maier. Ein Lebensbild. Wir losen erst jetzt unser Wort, indem wir Nachfolgendes Lebensbild unseren geehrten Lesern vorführen. Die Geschichte des Judenthums in diesem Jahrhunderte spiegelt sich in den Erlebnissen Einzelner, welche durch ihre Wirksamkeit, durch Beruf und ׳Stellung hervorragen. Von ihrem Leben und Streben genießen wir die Früchte, oftmals ohne nur die Namen derjenigen zu kennen, die es vollbrachten, ohne eine Ahnung von ihren inneren und äußeren Kämpfen, von ihrem geistigen Ringen zu haben. Sollten wir dem Andenken solcher Männer nicht mindestens ein Denkmal setzen, wie es des Judenthums würdig ist, das die Denkmale von Stein und Erz nicht will. Wir kennen keine höhere Aufgabe für unsere Zeitschrift, deren Ziel das lebensvolle Erfassen des Judenthums und die Kräftigung des Weiterstrebens nach immer höherer Vollendung ist. Der nachfolgende Nekrolog stand im ״Schwäbischen Merkur". Die Ergänzung durch Noten ist für unsere Zeitschrift von einem unserer geschätzten Mitarbeiter gefertigt worden, dem der Stoff aus der Jugendzeit hierzu theilweise ein uns befreundeter naher Anverwandter des Verstorbenen geliefert hat. Die Redaction. Mit Josef v. Maier, dem ältesten israelitischen Theologen Württembergs, ist am 19. August v. I. eine hervorragende Persönlichkeit hingeschieden; ein Mann, dessen Leben eine bedeutsame Epoche der fortschreitenden Culturentwickelung im Allgemeinen, sowie der seiner Stammesgenossen im Besonderen umschließt; der durch ausgezeichnete Begabung, durch reiches Wissen, durch Stellung und Wirksamkeit einen wesentlichen, nachhaltigen Einfluß auf die Umgestaltung des israelitischen Kirchenwesens in Württemberg übte und eben damit nicht nur um die sittlich-religiöse Hebung der seiner Pastorirung anvertrauten Gemeinden des Rabbinatsbezirkes Stuttgart, sondern auch um die der sämmtlichen Glaubensgenossen seines engeren Vaterlandes bleibende und dauernde Verdienste sich erworben hat. Als Joses v. Maier am 27. April 1797 in dem fränkischen Dorfe Laudenbach bei Mergentheim im Hause wenig bemittelter Eltern das Licht der Welt erblickte, waltete noch der düstere Geist mittelalterlicher Denk- und Anschauungsweise in den meisten israelitischen Landgemeinden und die traurigen Nachwehen Jahrhunderte langer Ausschließung von allen allgemeinen Bildungsanstalten und von dem Betrieb gewerblicher und wissenschaftlicher Berufsarten traten noch immer in höchst betrübender Weise zu Tage. Wohl begann, bereits in einigen größeren israelitischen Gemeinden Deutschlands der Flügelschlag einer lichteren Zeit sich zu regen, aber in den Dörfern, in welchen sich in Württemberg die Israeliten allein bis dahin niederlassen durften, war kaum eine I Spur davon zu erkennen; da war es insbesondere um Schule und Synagoge noch sehr übel bestellt. Die israelitische Relij gion hatte zu jener Zeit, weil sie in äußerem Formenwesen > verknöchert war und größtentheils nur geistlos geübt wurde,!viel von ihrer erziehlichen, volksbildenden Kraft verloren. ן So waren die Bedingungen für eine glückliche Entfaltung der I reichen Anlagen, womit I. Maier von Natur ausgestattet war, j sehr ungünstige. Bis zu seinem 9. Lebensjahre genoß er bei