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Jüdische Volkszeitung · 1874-04-07 · 14 (7.4.1874) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
14 (7.4.1874)
Date
1874-04-07
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Wochenschrift Jüdische Bollszeitnng. tiir rctt« de Ktstilkungea nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich 17'/, Ngr. in Ermrindk und Zrhulr, I^nngogr und Krim. Herausgegeben von I. Mngenstrm in Ingelheim, bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". Inserate sind an die Verlagshandlung von Job. Friedr. Harttnoch in Leipzig zu senden. Preis der 3gesp. Zeile 2 Ngr. 1^0. 14. Leipzig, den 7. April. 1874. 3 nK alt: Correspondenzen: Ingelheim, Mtttelfranken, Alzey, Bielefeld, Aus Baden, Friedberg. — Literarisches. — Feuilleton: Baron Frank, der Kabbalist in Offenbach (Fortsetzung). — An den Redacteur der ״Jüd. Volkszeitung". — Anzeigen. Corresponäenz. Zngekkeim. Seit lange beschäftigen sich die jüdischen Blätter mit der Beerdigungsfrage in Belgien. Oberrabbiner Astruc in Brüssel hat in dieser Richtung ein vorzügliches Memorandum geschrieben, das der liberalen ״Jndopedence" auffallender Weise zu ganz unmotivirten Verunglimpfungen des Judenthums Veranlassung bot. Die Frage ist übrigens, wie uns scheint, noch lange nicht zum Austrag gekommen. Die belgischen Liberalen verhalten sich zu den religiösen Fragen ganz so, wie die französischen und etwa — wie die deutschen Socialdemokraten (Lassalleaner Schule). In jenen beiden Ländern unterscheidet man kaum zwischen einem Gläubigen und Ultramontanen. So ist es besonders in Belgien. Hier gibt es nur Katholiken, die mit den Jesuiten durch Dick und Dünn gehen — und Atheisten. Im Augenblicke sind die Katholiken, d. i. die Ultramontanen noch in der Majorität. Die Liberalen wollen die Beerdigung rein zu einer Aufgabe der Polizei machen. Wir können nicht glauben, daß dabei intolerante Absichten vorherrschen und daß man die Jsraeliten zwingen wird, ihre Todten in einer Reihe mit den Andersgläubigen zu beerdigen, so lange noch christliche Symbole auf den Friedhöfen zugelassen werden; daß man ihnen schlimmsten Falles wehren wird, sich in einer gesetzlich zulässigen Weise eigene Friedhöfe anzulegen. Es ist in dieser Frage schon viel Uebertriebenes auf beiden Seiten gesagt und geschrieben worden. Den Lesern unserer früheren Zeitschrift ״Jsr. Lehrer" (1868, S. 281 u. ff.) ist vielleicht erinnerlich, daß unser geschätzter Mitarbeiter Herr Rabbiner Dr. Rothschild aus Alzey seiner Zeit die Frage einer eingehendsten Erörterung unterwarf. Wir glauben, neue Argumente gegen die ״Vermischung der Staub geborenen im Grabe" können vom jüdisch-gesetzlichen Standpunkte nicht mehr aufgebracht werden. Uebrigens schießt man auch in dieser Frage mehrfach weit übers Ziel hinaus. Die ״Jsr. Wochenschrift" geht z. B. der Frage so auf den Grund, daß sie die ״Düngung durch Menschenknochen, die Benützung der Menschenhaut, die Ernährung der Soldaten nach der Schlacht durch das ״kräftige, jugendliche Fleisch" der gefallenen Brüder, die Bereitung von Schmucksachen aus den Knochen der Verstorbenen" in Parallele zieht. ״Es könnte sich Jemand aus den Knochen seines Vaters Löffel machen lassen." So weit sind wir denn doch nicht. Die Pietät gegen die Verstorbenen und ihre Gräber findet auch in nichtjüdischen Herzen vielfach Anerkennung und Unterstützung und wir glauben, daß es sehr schwer sein wird, ein Gesetz zu Stande zu bringen, das davon absieht. Freuen wir uns übrigens, daß die Menschheit durch Bildung und Wissenschaft so weit gediehen ist, daß die Polizei sich nicht mehr allein um die Spitzbuben und Hochverräther, sondern auch um die Gesundheit und das Wohlergehen der Bürger und die würdige Bestattung der Leichen kümmert. Wir glauben, indem sie sich der letzteren annimmt, und dadurch nothgedrungen eine gewisse Gleichheit der Behandlung herbeiführt, übermäßigen Prunk hintertreibt, Armen eine würdige Grabstätte und anständige Bestattung vö'rschafft, verfolgt sie einen schönen, tiefjüdischen Gedanken. Freuen wir uns — wenn wir auch aus wichtigen religiösen Motiven nicht beistimmen können, daß die Beerdigung in ״einer Reihe" stattfindet", — daß die Frage,

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