Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 13 (31.3.1874)
- Date
- 1874-03-31
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9588641-9578923-9579037--589-9579038- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Wochenschrift für tlr; ^־׳ nr «icbri־״ Aestelk»nsi«n nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich!!1/־j Ngr. m Ernwrrdk und Ichulk^ S^nugoge und Hrdrn. Herausgegeben von I. MngMstsw in Ingelheim, bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". Ansernte sind an die Verlagshandlung von Joh. Friedr. Hartknoch in Leipzig zu senden. Preis der 3gesp. Zeile 2 Ngr. No. 13. Leipzig, den 31. März. 1874. 3 n fi a 11 : Alte und neue Ostergebräuche. — Und doch zur Synode. — Corj respondenz. — Literarisches. — Feuilleton: Baron Frank, der Kabbalist in Offenbach (Fortsetzung). — Anzeigen. Ufte und neue Ostergeörünche. Die Streitigkeiten über die Zeit der Osterfeier nahmen sehr früh ihren Anfang und setzten sich bis in das vorige Jahrhundert fort. Sie entstanden mit der Trennung der Juden- und Heidenchristen — unter ihren Apostelführern Petrus und Paulus — und schieden die griechische und lateinische, orientalische und römische Kirche. Man feierte ursprünglich mit den Juden das Passahfest am 14. Nissan, setzte aber dann die Feier nach dem Frühlingsanfang fest. Auch die Bibel erklärt Passah für ein Frühlingsfest, obwohl es ursprünglich ein national-religiöses war. Christlich wird es ebenfalls als ein Frühlingsfest bezeichnet, wovon es auch den Namen Ostern trägt. Ostern heißt nämlich im deutschen Göttermythus,- die Göttin des frühen Tages (Osten—Aurora entsprechend) und dann der frühen Jahreszeit, des Frühlings. Aehnlich verhält es sich auch mit dem Weihnachtsfeste; auch dieses hängt mit dem Stand und Gang der Sonne im Wintersanfang zusammen, der bei den Römern auf den 25. December gesetzt war. Man erkannte nämlich in dem Stand und Gang der Sonne von diesem Tage an mythologisch den Kampf und Sieg des Lichts gegen die Finsterniß, indem die Kürze der Tage von da aufhörte und das Licht derselben wuchs. Diesen Vorgang im Reiche der Natur übertrug man auf das Gebiet des Geistes, indem man den Geburtstag der Sonne, der Trägerin des natürlichen Lichts, als Geburtstag von Jesus, dem Träger des geistigen Lichts im Christenthum I bezeichnete, daß das Licht mit seiner erleuchtenden und erwär-! menden Kraft symbolisch die geistige und versittlichende Kraft! der Religion bei allen Völkern versinnbildlicht, ist bekannt. Aus dieser symbolischen Bedeutung des Lichts erklären sich dann auch die Lichterfeste von Weihnachten bis Ostern. Wir erinnern an den Lichterbaum des Weihnachtsfestes, an die Weihekerzen von Lichtmeß und Ostern. Auch das mit Weihnachten zusammenfallende Chanukkasest der Juden (am 25. Kislaw) ist ebenfalls ein Lichterfest, obwohl seine eigentliche historische Veranlassung in den Makkabäerkämpfen- und Siegen für das Licht der Offenbarung gegen die verfinsternde Macht des griechischen Heidenthums liegt und keinerlei astronomischreligiöse Beziehungen hat. Eine Uebereinstimmung zwischen dem jüdischen Passah- und dem christlichen Osterfeste liegt auch darin, daß sowohl wegen ihrer astronomischen Beziehungen als religiösen Bedeutung, dieselben hier wie dort den Anfang des religiösen (Kirchen-) Jahrs bilden. In natürlicher Beziehung beginnt mit dem Frühling und in religiöser mit dem Passah- und Osterfeste eine neue Zeit. Mit Passah begann Israels nationale Selbstständigkeit und die Wirksamkeit seiner religiösen Berufung; mit Ostern, an welchem Jesus den Tod erlitt, begann die Gründung des Christenthums. Das Todesjahr Jesu war das Geburtsjahr der von ihm gestifteten Religion. Aus diesem Zusammenhänge mit dem Judenthum erklären sich auch die sogenannten Osterfeuer, welche sich in Klöstern und in Norddeutschland auch bei dem Volke erhalten haben. Jndeß bergen diese keine religiös-astronomische Beziehung zum Licht und Feuer der Sonne; sie beruhen vielmehr auf einer Nachahmung jüdischer Sitte, welche von den Judenchristen beibehalten, auf die Heidenchristen übergegangen ist, von der man aber Grund und Entstehung vergeffen hat. Selbst bei