Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 11 (17.3.1874)
- Date
- 1874-03-17
- Page
- Seite 87 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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87 deutung, welche zuerst an die Reihe kommen, um so mehr, als die Schüler ja erst nach und nach im Fortgang der Schuljahre, wie die zweite Classe in der getrennten israelitischen Schule, zu dem vollen, geistigen Verständniß gelangen können. Mit zwei Stunden wöchentlich für Religion und biblische Geschichte und zwei Stunden für die hebräischen . * Gegenstände kann in dieser Weise mit den besseren Schülern — und die schwachen bringen es auch in der getrennten Schule nicht weit — bis zum Austritt aus der Schule recht Erfreuliches erzielt werden. Durch die Scheidung in zwei getrennte Abtheilungen wird aber auch, wie bereits erwähnt, die Disciplin erhalten und die Aufmerksamkeit der Schüler gewonnen werden können, diese nothwendigen Vorbedingungen jeder erfolgreichen Leistung in der Schule.*) G. i Hundfcftau. 22. Wetzlar. Der jüdische Cultusbeamte hat Befreiung von Communalumlagen gleich den Geistlichen und Lehrern der christlichen Genossenschaften verlangt und ist abschlägig beschieden worden. 23. Rheinhessen. Der Gehalt des israelitischen Eon- > fessionsschullehrers Hazum zu Sprendlingen (Kreis Alzey) ץ wird ganz, der des Lehrers Klingenstein zu Ober-Ingelheim etwa zur Hälfte aus der Casse der Civilgemeinde bezahlt, letzteres, weil die Zahl der jüdischen Schüler allzugering ist. 24. Wien. Der 31״. Jahresbericht des Vereins zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten" weist nach, daß zur Zeit unter dem Schutze dieses Vereins 346 Zöglinge sich befanden, von denen 55 nach Vollendung ihrer Lehrzeit als Gehülfen abgeschrieben wurden und 67 zumeist noch vor ihrer Einverleibung in die Genossenschaft das Handwerk wieder verließen. Neu ausgenommen wurden 102. Die Zahl der beitragenden Mitglieder hat sich verringert. — 593 gegen 600; der Verein erhielt ein Legat des sel. Herrn Moritz R. v. Tooesco mit fl. 5000; ein Legat des sel. Herrn Gabriel Schlesinger in Baarem von fl. 50; nahm ein fl. 9003. 13. und gab aus fl. 8627. 76. ö. W. Aus der Todescostiftung wurden ferner fünf Meister mit fl. 1300. und aus der Th. Meyerstistung ein Meister mit fl. 100. unterstützt. _ ' N , c£itcrarif<f1es. Ober-Ingelheim, den 24. Februar 1874. Jüdische Familienpapiere. Von W. Herzberg. (Zweite Ausgabe. Hamburg, Verlag von Otto Meißner.) *) Mit obiger Auseinandersetzung glauben wir auch dem Wunsche eines wackeren jungen Lehrers, der von einer getrennten israelitischen Schule des diesseitigen Bezirks E. zum Lehrer der Communalschule k», in K. berufen ward, nachgekommen zu sein. Derselbe sprach sich in P seinem Schreiben an mich so warm für die Sache aus. daß es mich in der That freuen würde, wenn er seine Erfahrungen in diesem Blatte niederlegen wollte. Ein merkwürdiges, lehrreiches und doch — ein sonderbares Buch! Getragen von einer innigen Hingebung, ja von wahrhafter Begeisterung zu seinem Gegenstände, voll großer Anschauungen und wahrhaft überraschenden und ergreifenden Ideen — fehlt ihm doch sehr oft die Klarheit und darum auch die Evidenz der Beweisführung. Es würde seinen Zweck, die Juden für ihr Heiligthum zu entflammen, sie von der Größe ihrer Lehre und Geschichte zu überzeugen, trotz dieser offenbaren Mängel nicht verfehlen, wenn — ja, wenn es von denjenigen gelesen würde, für die es eigentlich geschrieben zu sein scheint. Das Buch mag in viele Hände gekommen sein; ob aber in die rechten? ob es auch Viele gelesen, d. h. ganz und mit Verständniß gelesen haben? Gestehen wir uns: für den Laien, der in den Künsten philosophischer Dialectik uneingeweiht ist, bleibt es in seinem Zusammenhangs gar zu oft unverständlich! Der Autor tritt mit schwerem Geschütze auf. Trotz, viel wahrhaft schönen, weil einfachen und klaren Gesprächen — und die Gesprächsform herrscht vor und zwar mit Recht; denn der Dialog ist für derlei das geeignete schriftstellerische Gewand, — wird dem Laienpublikum der rothe Faden, der das Ganze zusammenhält, unverständlich bleiben. Der Gelehrte aber, wenn er ein falsches Buch überhaupt liest, fragt: wozu der romanhafte Anstrich des Ganzen? wozu der weite Umweg vom Missionär, oer sich in das Haus seines Onkels wie ein Dieb schleicht, um Seelen zu fangen, bis — zum glaubenseifrigen Juden? — lieber noch einen anderen Punkt find wir im Unklaren geblieben: Zu welcher Richtung des Judenthums hält sich der den Missionär und Neffen bekehrende Onkel und Rabbi? Im 16. und 17. Briefe spricht er wohl sehr energisch über die Vergänglichkeit der Formen und nahe dabei vergeistigt er wieder die Religionsgebote des Judenthums, indem er sagt: ״der Jude lebt in seinem Glauben"; d. h. durch das Leben des Juden nach dem (talmudischen) Gesetze zeigt sich das Bekenntniß. Der Jude glaubt nicht, denn Glaube kommt durch das Gesäß des Verstandes; er vollzieht Gottes Gebot; Gott wird ihm nicht durch den Verstand bewiesen; er erkennt ihn vermittelst des angeborenen Gefühls und dies Gefühl ist — Stammeseigenheit der Juden. Es lebt in ihm von Anfang her. — Der geehrte Leser erkennt aus Obigem den schätzbaren Inhalt des jedenfalls höchst bedeutenden Buches. Wer sich hineinzulesen vermag, den packen!die vielen unleugbaren Wahrheiten, die über das Judenthum, seine Lehre und sein Gebot einen Glanz und eine Weihe verbreiten, wie wir sie 'kaum noch in einer anderen Schrift gefunden haben. Er wird mit dem Autor nicht durch Dick und Dünn gehen; er wird selbst nicht alle Ausfälle nach Außen billigen und viel und oft sich zum Widerspruch geneigt fühlen. Aber im Ganzen erhebt das Buch und ist des öfteren Lesens und der weiten Verbreitung werth.